Teil eines Werkes 
2 (1904) Verkehr, Handel und Geldwesen : Wert und Preis ; Kapital und Arbeit ; Einkommen, Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik ; Historische Gesamtentwickelung
Entstehung
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290 Drittes Buch. Der gesellschaftliche Prozeß des Güterumlauses u. der Einkommensverteilung. s^?48

Von den Arbeitern, als ausschließlich von der Fähigkeit des Dirigenten abhängen. Fürdie Stapelindustricn, für die Anfertigung der Massenartikel, für die Gewerbe, derenGewinn hauptsächlich von der Preiskalkulation des Chess abhängt, wird das Systemalso nicht angezeigt sein, nicht viel Anwendung finden. Es wird Wohl überhaupt ersteine größere Zukunft haben, wenn die heutigen socialen Kämpfe wieder einem etwasfriedlicheren Zustand gewichen sind, wenn und wo Unternehmer und Arbeiter sich wiedermehr als Genossen betrachten.

Eine Aufhebung des Lohnverhältnisses enthält die Gewinnbeteiligung nur da,wo die Arbeiter auch mit eigenem Kapital beteiligt sind, mit ihm am Risiko teilnehmen.Wo das der Fall ist, nähert sich die Einrichtung einem Gesellschaftsvertrag oder einerProduktivgcnossenschaft mit herrschaftlicher Spitze. Ein Geschäft mit solcher Kapital-beteiligung der Arbeiter ist leichter zu leiten als eine demokratische Produktivgenossen-schaft (I, 446), aber immer schwieriger als jene herrschaftlichen Unternehmungen, diein ihren Lohnverträgen auf die Gewinnbeteiligung eingehen; wo die Arbeiter erheblichmit Kapital beteiligt sind, muß man sie auch in der Leitung entsprechend mitredenlassen. Und da fragt es sich, ob und wo das heute schon geht.

Z) Nach dem Alter abgestufte Löhne. David Schloß bezeichnet dasPrämiensystem als progressive Löhne. Ich möchte diesen Namen eher sür die Lohn-methoden in Anspruch nehmen, welche die Löhne vom Standpunkt einer Carriere, einesLebensganges ordnen wollen. Es kann sich das nur beziehen aus Arbeiter, die vieleJahre oder ihr Leben lang in demselben Großbetriebe bleiben. Ihre Zahl ist in dengroßen staatlichen und kommunalen Betrieben, in den Trusts und Aktiengesellschafteneine wachsende. Für alle solche Arbeiter erscheint es, wie in dem Beamtendicnst, salsch,wenn schon der 1820 jährige soviel wie der 40 jährige verdient, wenn vom 25. bis55. Jahre keine Zunahme des Einkommens mehr stattfindet. Für derartige Arbeiterist es passend, die gesamten Löhne, die in 10 40 Jahren verdient werden, nach Alterund aufsteigenden Stellungen abzustufen. Man hat z. B. in der Meißener Porzellan-fabrik Normalakkordlöhne festgesetzt, von welchen die Arbeiter unter 27 Jahren sichAbzüge gefallen lassen müssen, zu welchen die über 33 jährigen steigende Zuschläge biszu 41 °/o erhalten. Vielfach ist es auch durch die Technik und die Betriebsverhältnisseangezeigt und möglich, daß selbst die gewöhnlichen Arbeiter eine Stufenreihe vonStellen, die mit steigenden Löhnen dotiert sind, durchlaufen. Das System wird nochausgeprägter uuo der Beamtencarriere ähnlicher, wenn eine Ausnahme nur von jungenLeuten in die geringsten Stellen stattfindet, und alle Besetzung der höheren Stellendurch Aufrücken nach Alter und Fähigkeit stattfindet. Im deutschen Bergbau alther-gebracht, ist das System neuerdings wieder befestigt worden: man unterscheidet Lehr-häuer, Schlepper 1.-3. Klasse, Vorhäuer und Vollhäucr; ihre Löhne stehen häufigim Verhältnis wie die Zahlen 7, 8, 9, 10, 11 und 12. Wo Vorarbeiter, Steiger,Wcrkführer, Monteure aus der Arbeiterschaft hervorgehen, findet dadurch sür eine gewisseElite ein solches Aussteigen und die Erreichung höherer Löhne statt. Das Systemscheint in England nach den Nachrichten von Price und den beiden Webbs in derganzen großen Industrie sehr verbreitet zu sein. Die Webbs finden es viel besser alsden in manchen Gewerben noch vorhandenen Lehrlingszwang; es garantiere zugleichdauernde Beschäftigung. Bei Geschäftsstockung hört meist nur die Neueinstellung vonjungen Leuten auf, oder werden einige Neueingetrctene entlassen, alle länger Angestelltenrücken höchstens vorübergehend um eine Stufe hinab. In seiner Vollendung zeigt sichdas System in halb oder ganz genossenschaftlichen Musterfabriken, wie bei Godin inGuise, bei dem großem Malergeschäft Leclaire in Paris , bei der Zeißschen Stiftung inJena. Man trifft in solchen Geschäften teils einen sogenannten Kern von gewinn-beteiligtcn Genossen, in welchen die Tüchtigsten einrücken, teils eine Obergruppe vonArbeitern, die nie entlassen werden, teils andere Abstufungen mit besonderen Benefizicn,teils auch die Einrichtung, daß selbst bei Geschästsstockungen und Entlassungen eingewisser Lohn aus spätere Abrechnung fortbezahlt wird.