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Löhne mit AlterZabstufung. GruPPcnlöhne.
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b.) Gruppen löhne. Beruht die eben geschilderte Ordnung der Löhne aufdem Altersaufbau der Gesellschaft und der notwendigen hierarchischen Gliederung dergrößeren Betriebe, so beruhen die Gruppenlöhne auf der technischen Notwendigkeit,gewisse größere Arbeitsprozesse ganzen Gruppen von Arbeitern zu übergeben. Dieneuere Entwickelung lehnt sich an die althergebrachte genossenschaftliche Zusammenfassungeiner Anzahl kooperativ thätiger Arbeiter an. Wir haben oben (I, 415—416) dieälteren Arbeitsgenossenschaften kennen gelernt; sie sind nie ganz verschwunden, habenleit dem Mittelalter im Bergbau, in Steinbrüchen, bei der Holzfällung im Walde, beiErdarbeiten fortgedauert. Die italienischen Maurer, die ostdeutschen und slavischenländlichen Wanderarbeiter, die Lippeschen Ziegelgänger Pflegen heute noch in Gruppenhon zwölf oder mehr Personen unter einem Führer thätig zu sein. Sie werden imAkkord bezahlt, teilen den Verdienst; der Arbeitgeber schließt den Vertrag nur mitdem Vorarbeiter, der für seine Leute verantwortlich ist. Das System ist beliebt undwirkt segensreich, wo alte Tradition und genossenschaftlicher Geist die Leute beherrscht,und wo der leitende Vorarbeiter oder Gruppenmeister mit einem festen bekanntenVorteil, z. B. einer Doppelportion sich begnügt, den Leuten ebenso sehr als Genossewie als Herr gegenüber steht. Auch wo, wie in den Schieferbrüchen von Wales , eineGruppe aus je 3—4 Genossen mit einer doppelten Zahl reiner Lohnarbeiter geschäftlichthätig ist, kann die Einrichtung sich bewähren; die jüngeren Lohnarbeiter der Gruppe,die sich auszeichnen, treten nach und nach in die Genossenstellen ein.
In der neueren Industrie hat dasselbe System nun aber vielsach einen ganzanderen Charakter angenommen. Die Zwischenmeister, welche Leute in Form vonHeim- oder Werkstattarbeitern beschäftigen, können sich zwar auch noch als Standes-genossen ihrer Arbcitsgehülfen suhlen und sie gut behandeln; es ist da hauptsächlichder Fall, wo Handwerkstraditionen sie beherrschen; sie können aber ihre wucherischenFronvögte werden und werden es unter dem Druck der Konkurrenz häufig. Auch woin den Bergwerken oder Fabriken sogenannte Unterkontraktoren, Akkord- oder Werk-meister größere Arbeiten im Akkord übernehmen, die Leute annehmen und entlassen,haben diese Gruppenakkorde, zumal da, wo die Arbeiter nur Tagelohn oder minimaleGewinnanteile erhalten, meist einen sehr schlimmen Charakter angenommen. Die Leutewerden vom Unterkontraktor bis auss Blut zur Arbeit angetrieben; den ganzen oderüberwiegenden eventuellen Gewinn hat der Gruppenmeister. Daher der weitverbreiteteKampf der Arbeiter, besonders der organisierten gegen die Gruppenakkordc. Sie habenin dieser Form allen genossenschaftlichen Geist abgestreift, sind nichts als mißbräuchliche,schweißtreibende Kleinunternehmungen, in welchen der Oberunternehmer, der Fabrikantdes Gewinnes wegen auf seine Pflicht verzichtet hat, seine Unterbeamten, die Akkord-meister zu kontrollieren.
Wo aber eine folche Kontrolle stattfindet, und wo man an der genossenschaftlichenIdee festhält, kann der Gruppenakkord auch heute eine sehr gute Form der Lohnzahlungsein. Man hat, um die erwähnten Ubelstände zu beseitigen, teilweise den komman-dierenden Werkmeister auf festen Lohn gestellt, was aber leicht seinen Eifer lahmt;man läßt ihn teilweise die Leute nicht nach Willkür annehmen und entlassen. Oderman läßt die Leute den gesamten Akkordverdienst nach festen Zahlenproportionen teilen,die ihrer festgestellten Leistungsfähigkeit entsprechen; man zahlt auch teilweise feste Löhneund giebt nur eine Gesamtprämie sür schnellere und besonders gute Arbeit. Die ver-schiedensten Kombinationen sind möglich. Alle solche Gruppenzahlungen Pflegen sichnur da ganz zu bewähren, wo die Gruppen sich auf S, 12, 20 oder 30 Leute, die sichkennen und kontrollieren, beschränken. Wo man, wie z. B. auf den Werften bis zuGruppen von 200—400 Arbeitern aufgestiegen ist, wird leicht der kameradschaftlich ein-heitliche, kontrollierende Geist verschwinden.
Alle diese Fragen einer feineren, komplizierteren und gerechteren Lohnbemessungerhalten von Tag zu Tag größere Bedeutung; nicht bloß weil ein großer Teil derUnzufriedenheit der Arbeiter sich anknüpft an das ihnen, stets sichtbarste Unrecht, dasdarin besteht, daß der eine mehr leistet und doch weniger bekommt als die neben ihm
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