Teil eines Werkes 
2 (1904) Verkehr, Handel und Geldwesen : Wert und Preis ; Kapital und Arbeit ; Einkommen, Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik ; Historische Gesamtentwickelung
Entstehung
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Z02 Drittes Buch. Der gesellschaftliche Prozeß des Güterumläufen u. der Einkommensverteilung. > 760

zu machen, was er für Lohnzahlungen braucht, und wie er das Kapital hiefür schaffe;es hängen seine diesbezüglichen Dispositionen mit den Bewegungen und Kreditvorgängendes Kapitalmarktes zusammen; aber diese sind nicht das Ausschlaggebende. SchonHermann hatte die Lehre bekämpft, dann Thornton so nachdrücklich, daß Millseine Ausführungen förmlich widerrief (1869). Brentano zeigte, daß der VersuchSeniors, den sogenannten Lohnfonds quantitativ zu bestimmen, einen (Zirkelschluß enthalte.Walker erinnerte daran, daß in den kapitalreichsten Ländern der Lohn tief, in denkapitalärmstcn hoch stehe, daß die Arbeiter in den Vereinigten Staaten vielfach erstnach Verkauf des Produktes bezahlt werden.

Die socialistischen Theorien haben das Verdienst, den Blick auf die ungleicheMacht im Konkurrenzkampf zwischen Unternehmern und Lohnarbeitern, aus die Be-deutung der socialen Klassen überhaupt, aus den Einfluß der Maschinen und der Krisenhingelenkt zu haben. Ihr wesentlicher Zug ist eine pessimistische Anklage, ihr Zweckist, theoretische Beweise für die Notwendigkeit zu erbringen, daß die gegenwärtige Ver-sassung der Volkswirtschaft zunächst die Verelendung der Massen, dann die Revolutionund die Beseitigung des Lohnsystems zur Folge haben werde. Dabei Verfahren sieteilweise noch abstrakter als ihre Gegner, mit denen sie lange das wissenschaftlicheRüstzeug gemeinsam haben. Sie glauben vielfach an die Lohnfondstheorie, jedenfallsglauben sie wie Rodbertus daran, daß der Anteil der Arbeiter am Gesamtprodukt mitdem Steigen der gesellschaftlichen Arbeitsproduktivität immer kleiner werden müsse.Lass alle will nicht leugnen, daß in Jahrhunderten die Lebenshaltung und der Lohnetwas gestiegen sei; aber für die Gegenwart nimmt er einen kümmerlichen Lohn an,der nicht steigen könne, weil jede kleine Verbesserung rasch eine entsprechende Be-völkerungszunahme herbeiführe. Er ruft:Die Beschränkung des durchschnittlichenArbeitslohnes auf die in einem Volke gewohnheitsmäßig zur Fristung der Existenzund zur Fortpflanzung erforderliche Lebensnotdurft, das ist das eherne und grausameGesetz, welches den Arbeitslohn unter den heutigen Verhältnissen beherrscht."

Ihre Grundgedanken entnimmt die socialistische Theorie dem Gegensatz des Lohu-(Arbcits-)Einkommens und des arbeitslosen Einkommens und der vagen Vorstellung,daß alle von einer Nation zn verzehrenden Güter von den Arbeitern hergestellt, zueinem erheblichen, ja zum größeren Teile von den Nichtarbeitern verzehrt werden.Grundrente, Kapitalzins, Unternehmergewinn erscheinen als ungerechte Abzüge vomArbeitsertrag. Der Arme arbeitet, sagt Charles Hall (1805), von acht Stunden einesür sich, sieben sür die höheren Klassen. William Thompson, der Freund Owens,bezeichnet 1825 das den Arbeitern entgehende, unrechtmäßiger Weise an die Grund-und Kapitaleigentümer gelangende Ergebnis der Arbeit als surplus valus, Mehrwert;er hat die Gedanken und Worte geschaffen, deren sich dann Rodbertus, Marx und seineSchüler bedienten. Von Hall und Thompson bis zu den neueren Socialisten reichtdie Kette der Schriftsteller, welche mit dem Schlagwort, daß die Arbeit die Güter undden Wert erzeuge, ausschließlich oder hauptsächlich an die mechanische, durch Arbeits-lohn entgoltene Thätigkeit der Lohnarbeiter denken. Dabei wird, wo von Gütererzeugen,Produzieren, steigender Produktivität der Arbeit die Rede ist, nie genauer untersucht,welchen kausalen und quantitativen Anteil daran die Lohnarbeiter, die Beamten, dieUnternehmer, die übrigen Klassen etwa haben, welche frühere Arbeit im Boden, in denKapitalien, in den Plänen, Entwürfen und Vorarbeiten stecke. Höchstens wird, wievon Marx, den Leitern der Unternehmung oder den Beamten ein etwas höherer Lohnzugestanden und wird zugegeben, daß vom Gesamtertrag und seinem Werte für Kapital-bildung, Staats- und Gemeindcleitung, liberale Berufe etwas abzuziehen sei. Auch dieFormel Thünens, daß der Lohn die Quadratwurzel aus den Bedürfnissen des Arbeiters(z. B. 800 Mk. jährlich) multipliziert mit dem Wert seines Arbeitserzeugnisses (z. B.1000 jährlich, also / 800 X1000 ^ nicht ganz 900) sein solle, hat nur einen Sinn,wenn der Wert dieses Erzeugnisses wesentlich höher als der Untcrhaltsbedarf an-genommen und kausal auf den Lohnarbeiter, nicht auf den, welcher Plan und Entwurfder Arbeit machte, sie leitete und auf den Markt brachte, zurückgeführt wird. Noch