Teil eines Werkes 
2 (1904) Verkehr, Handel und Geldwesen : Wert und Preis ; Kapital und Arbeit ; Einkommen, Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik ; Historische Gesamtentwickelung
Entstehung
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379 Drittes Buch. Der gesellschaftliche Prozeß des Güterumlaufes u. der Einkommensverteilung. s^828

Weiser Erwerbsunfähigkeit wird die Vollrente herabgefetzt; es hat sich da in der Spruch-praxis eine Art Knochentaris herausgebildet: der Verlust z. B. der rechten Hand giebt66,6, des rechten Armes 75 , des linken Armes 5V °/o der Bollrente. Auch findetbei Verschlechterung oder Verbesserung des Geschädigten nach gewissen ZeiträumenHerauf- und Herabsetzung der Rente statt. Die Tendenz geht dahin, den Unfall schnellund unparteiisch zu untersuchen, das Hauptgewicht auf die Wiederherstellung der Gesundheit,und mag sie noch so teuer fein, zu legen, dann die Renten billig festzusetzen; werden sieangefochten, so kommt die Entscheidung zuerst vor das in der Nähe befindliche Schieds-gericht, im Rekurs vor das Reichsversicherungsamt. In diesen Zusammenhang gehörtes, daß die B.G. Unfallverhütungsvorschriften erlassen und durchsetzen dürfen, daß sieUnfall-, Kranken- und Rekonvalescenten^Häuser bauen, daß sie schon für die ersten13 Wochen das Heilverfahren an sich ziehen dürfen, daß sie Prämien für Rettung Ver-unglückter und für bessere Unfallverhütungseinrichtungen aussetzen, Unfallstationen er-richten, daß sie Beamte und Arbeiter in der ersten Hülfeleistung bei Unfällen unter-richten lassen. Für solche Zwecke geben sie jährlich Millionen aus; sie fügen so zuihrer direkten Aufgabe, die Krüppel durchzufüttern, die höhere, produktive, die nationaleArbeitskraft zu erhalten und zu steigern.

Die nötigen Mittel bringen die Berufsgenoffenschaften nicht nach streng versiche-rungstechnischen Grundsätzen durch das Prämien- oder Kapitaldeckungsverfahren auf, die fürjeden Versicherten vom ersten Jahre an gleichmäßig jährlich oder nach Jahresperiodenso viel erheben, daß die durch seine Versicherung entstehende Gefahr stets voll gedeckt ist.So muß die Privatversicherung Verfahren, die nie weiß, wie viele Versicherte sie imfolgenden Jahre haben wird. Die deutschen Zwangsgenossenschaften legen jährlich ihrenBedarf um, haben das sogenannte Umlagevcrfahren mit der Reichsgarantie ohne Gefahrannehmen können, wodurch die Last in den ersten Jahren sehr ermäßigt wurde; immer-hin wurden eben für diese Zeit Zuschläge von 300 °/o an, später von Jahr zuJahr fallende beigefügt, um erhebliche Reservefonds zu sammeln; sie betrugen 1899139,0 Mill. Mk. Man berechnete nun pro 1. Januar 1898 ein Deficit nach demKapitaldeckungsverfahrcn von 375,8 Mill. Deshalb hat das Gesetz von 1900 an-geordnet, daß von 19011930 jährlich für jeden Versicherten 13,52 Mk. mehr erhobenwerden, als das Umlageverfahren ergiebt, so daß dann die Jahresbeiträge pro Ver-sicherten, die 18861897 bei den gewerblichen B.G. von 2,9 auf 8,5 Mk. stiegen undbis 1931 wahrscheinlich auf 18,9 sich belaufen hätten, von 19011930 etwas höher sein,von da an aber durch die wachsende Zinseinnahme sinken werden. Die Ursache, daß4060 Jahre lang die Ausgaben steigen, liegt darin, daß die jährlich gleichmäßigbewilligten Renten für die Verunglückten so lange steigen, bis die Rentenbezieher ingleicher Zahl absterben, wie neue hinzukommen.

Die Umlage des jährlichen Bedarfes geschieht am Schlüsse jedes Jahres nach dengezahlten, sogenannten anrechnungssähigen, d. h. in ihren höheren Schichten etwas ge-kürzten, Löhnen und nach den in jeder Berussgenossenschaft von der Generalversammlungeingeführten Gefahrenklassen. Die landw. B.G. legen den Bedarf meist nach gewissenSteuern, hauptsächlich den Grundsteuern um. Die Auszahlung der Renten erfolgtkostenfrei durch die Post. Das Gesamtresultat ergiebt sich aus folgenden, dem statistischenJahrbuch entnommenen Zahlen:

Versicherte Ausgaben für Bestand der Reservefonds

Personen Unfallversicherung am Jahresschluß

1886 2.9 Mill. 6,9 Mill. Mk. 1886 5,4 Mill. Mk.

1889 13,3 33,1 . 42,1

1899 13,6 92,4 ,. 139,0

Die Summe der jährlichen Kosten im späteren Beharrungszustand wird man aus160180 Mill. Mk. schätzen können. Nach Zacher kostet die versicherte Person:

in den Gewerben in der Landwirtschaft im Durchschnitt

1897 ...... 8.68 1,62 4,26

im Beharruugsznstnnd 20,0 4,30 10,0