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Die Berufsgenossenschaftm, ihre Bewährung.
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Seit dem Bestehen der Gesetze wurden bis Ende 1898 714123 Entschädigungssätze be-handelt; Zacher giebt 1902 an, die Unternehmer hätten in der ganzen Zeit bis Ende1901 870 Mill. Mk., und zwar 700 für Entschädigungen, 170 für den Reservefondsund anderes aufgebracht. Es verdient noch beigefügt zu werden, daß 1895—1897 vonder Gesamtzahl aller Unfälle die Krankenkassen 84°/a, die Berufsgenossenschaften 16°/ozu behandeln hatten, daß von der gesamten finanziellen Last aber erstere nur 12 °/o,letztere 88 °/o trugen.
Fragen wir nun, wie die Beruss gen ossensch asten sich bewährt haben, soist der besonders zu Anfang ihres Bestehens immer wieder gehörte Einwand, daß für dasUnfallversicherungsgeschäft in Deutschland wie anderwärts zahlreiche bewährte Aktiengesell-schaften bestanden, im Auslande noch bestehen und gedeihen (während die Privat-versicherung für das Kranken- und Jnvalidenverncherungswesen thatsächlich nie undnirgends etwas Erhebliches zu leisten vermochte). Daher die oft aufgeworfene Frage,hätten sie in Deutschland nicht ebenso Gutes und es vielleicht billiger leisten können alsdie B.G. Darauf ist zunächst principiell folgendes zu sagen.
Die private Unfallversicherung hat die Vorzüge und Nachteile jeder Privat-versichcrnng. Auch wo sie relativ gut ist, leidet sie an der Unsicherheit und demWechsel ihrer Kundschaft, an den großen Kosten, welche ihr durch Agenten, Konkurrenzund Werbung erwachsen; sie hat aber außerdem sür dieses Geschäft noch keine sichereErfahrungsgrundlagen, muß deshalb sehr hohe Prämien fordern, um sehr hohe Deckungs-kapitalien anzusammeln. Sie ist darauf angewiesen, in jedem einzelneu Entschädigungs-fall möglichst sparsam zu Versahren; sie kann ihrer privatwirtschaftlichcn Gewinnabsichtnach nicht so auf die Rettung und Heilung der Gesundheit aller Versicherten hinarbeitenwie eine öffentliche Korporation. Darin liegt eben der Unterschied privat- und gemein-wirtschaftlicher Organisation: die erstere ist angezeigt, wo es sich um klare, kurze, übcr-blickbarc Geschäfte der Gegenwart, die letztere, wo es sich zugleich um zukünftige, un-sichere Folgen für ganze Klassen, fürs ganze Volk handelt (vergl. I Z 112 S. 321—324).
Die praktische Schwierigkeit, die auf die meisten unserer gewerblichen Berufs-gcnossenschaften drückt, ist die Zerstreutheit der Beteiligten über weite Gebiete;an dieser leidet aber die Privatversicherung noch mehr, und sie hat außerdem das gegensich, daß sie — auch beim kleinsten Geschästsumfang — die verschiedensten Berufe mitden verschiedensten Gefahren annehmen muß. Die örtliche Zerstreutheit vermeidet man,wenn man, wie in Österreich für alle Unfallversicherung, bei uns für die landwirt-schaftliche, provinzielle Anstalten bildet. Von solchen Gesichtspunkten aus ist es auch be-greiflich, daß der Begründer unserer Berufsgenossenschaften, Bö diker, 1895—1899 vor-schlug, sie nur für die wichtigsten konzentrierten Großindustrien zu belassen, die Mehrzahlaber auszulösen und ihre Geschäfte den provinziellen Jnvalidenanstaltcn zu übergeben.Auch das spricht nicht für die unbedingte Bewährung der gewerblichen Berufsgenossen-schaften, daß 1888—1890 sowohl die einflußreichsten Großindustriellen, wie die Arbeiternichts davon wissen wollten, ihnen die Alters- und Jnvaliditätsversicherung zu über-geben. Freilich hing diese Opposition mit dem Fehler zusammen, den man 1884machte, die Arbeiter nicht bei der lausenden Verwaltung zu beteiligen. Dadurch kamendie Anstalten in den Verdacht einer Klassenorganisation; die Großindustriellen wolltenunter sich bleiben; sie sahen voraus, daß sie bei der Übernahme der Invalidenversicherungdiese Exklusivität nicht retten könnten. Es war 1884 wie 1889 ein Beaucmlichkeits-standpunkt, der den großen Zusammenhang der Dinge und das Segensreiche gemein-samer Verwaltung verkannte. Indem man den B.G. weitere Aufgaben versagte, bliebensie ein Torso, blieb ihre Verwaltung teurer, als sie durch eine Vermehrung der Auf-gaben geworden wäre.
Wie dem aber auch sei, immer bleibt so viel richtig, daß manche der Beruss.genossmschasten sich nicht durchaus bewährt haben, daß nur die mit konzentrierterIndustrie oder mit ausgezeichneter Sektionsbildung ganz gut arbeiten, daß von denTausenden, ehrenamtlich thätigen, aktiven Unternehmern viele keine rechte Zeit haben,daß in vielen Berufsgenossenschaften die angestellten Beamten das Heft allein in der
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