Teil eines Werkes 
2 (1904) Verkehr, Handel und Geldwesen : Wert und Preis ; Kapital und Arbeit ; Einkommen, Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik ; Historische Gesamtentwickelung
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Einrichtung und Resultate der Invalidenversicherung.

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betrag 185,4 bis 450 Mk. Die Renten werden monatlich im voraus durch die Postbezahlt. Die Entscheidung über die Renten hat der Vorstand der Anstalt; für Streitig-keiten sind die Schiedsgerichte, in höherer Instanz das Reichsversicherungsamt zuständig.

In den 11 Jahren 18911901 wurden nach Zacher 907 735 Beitrags-crstattungen, 120 000 vorsorgliche Verpflegungen und 1 138 531 (389 971 Alters-,748 500 Invalidenrenten bewilligt, daraus etwa 600 Mill. Mk. (darunter 214 Mill.Reichszuschuß) gezahlt, 1220 Mill. Mk. an Beiträgen eingenommen. Der Versichertekostete jährlich 1897 5,55 (darunter 1,78 Reichszuschuß), wird im Beharrungszustande17,65 (darunter 3,55 Reichszuschuß) kosten. Ein Vermögen von 331,6 Mill. war 1895,ein solches von 845,7 Mill. 1900 bereits angesammelt; es wird später 23 Milliardenausmachen; die reicheren Anstalten haben jetzt schon Beträge von 1079 Mill. Mk.zu verwalten. Wir haben bereits oben darauf hingewiesen, wie sie dadurch zu einer Artsocialhumanitärcr öffentlicher Leih- und Baubanken geworden sind (§ 199 S. 246); sie habenso das Arbeiterwohnungswesen gefördert, auch Lungen- und andere Heilstätten errichtet.

Es ist mit dieser großen Einrichtung zwar sür die deutscheu Arbeiter keineswegseine sorgenfreie Existenz im Falle der Invalidität und des Alters geschaffen. Hätteman die Renten so hoch gemacht, so wäre eine massenhafte Simulation und Rentenjagdentstanden; die eigene Verantwortlichkeit wäre zu sehr abgeschwächt worden. WeiteKreise der kleinen Leute, besonders die Kleinbauern und Kleinhandwerker, sind noch nichteinbezogen, für die Witwen und Waisen ist noch nicht gesorgt. Aber es ist für dieArbeiter doch eine Versorgung gewährleistet, wie keine Privatversicherung sie bietenkönnte; schon der Reichs- und Arbeitgcberzuschuß beweist das. Die Ausdehnung desGesetzes, wie sie 1899 z. B. für die Beamten von 20003000 Mark Jahresverdiensterzielt wurde, läßt sich künftig weiter fortsetzen. Vielleicht läßt sich später auch derÜbelstand beseitigen, daß die einzelnen Versicherten gar nicht persönlich mit irgend einereigenen Handlung ander ganzen Verwaltung beteiligt sind. Der ausgezeichnete HanseatischeAnstaltsdirektor Gebhard sagte einmal, wenn der einzelne nur wenigstens selbst dieMarken einkleben müßte, würde er innerlich bei der Sache mehr beteiligt sein. Abertrotz alledem; es ist Großes in den Jahren 18901902 erreicht. Es läßt sich nochkaum absehen, was daraus in 50 oder 100 Jahren geworden sein wird.

Wenn einzelne die Invalidenversicherung nur als eine verbesserte Armenpflege,die von der Gemeinde auf die Provinz und den Staat übergegangen sei, bezeichnen,so ist daran so viel wahr, daß die Institution besser ist als die Armenpflege, daß siejene in gewissem Sinne ersetzen soll, und daß man dazu naturgemäß große provinzielleund staatliche Organe brauchte. Aber es ist falsch, wenn man mit der Bezeichnungdie Armenpflege und die Invalidenversicherung auf eine Stufe stellen will. Die Armen-unterstützung erhält der Arme als eine Gnade, die Versicherungsrente als sein gutesRecht. Bei letzterer wird nie die Bedürftigkeit geprüft, sondern nur das Alter und dieInvalidität. Die Versicherungsrente muß- sich der Versicherte durch jahrelange Beiträgesichern; er erhält mehr, wenn er mehr und länger gezahlt hat; er verwaltet die An-stalten mit. Von all' dem ist bei der Armenunterstützung nicht die Rede. Das sindfundamentale, psychologische, wirtschaftliche und rechtliche Unterschiede, welche das Ver-sicherungswesen in eine andere höhere Epoche der socialen Entwickelung als das Armen-wesen verweisen.

223. Urteil über die deutsche Arb eiterv erst ch crun g; die neuestenReformen anderer Länder. Wir haben die deutsche A.V. nicht in ihren Einzel-heiten, sondern nur in ihren Grundzügen vorgeführt; wir wollten nur ihre allgemeinesociale Bedeutung, ihre Einfügung in den Organismus des wirtschaftlichen Lebens undder Staatsverwaltung klar machen, zeigen, 'wie sie auf die unteren Klassen wirken, wiedurch sie die Struktur der ganzen Volkswirtschaft geändert wird. Wir wollten deutlichmachen, daß es sich dabei um eines der erheblichsten Stücke im heutigen Vergescll-schaftungsprozeß der Volkswirtschaft, in der Ausschaltung des gewöhnlichen dividcnden-hungrigen Erwerbstriebes handele. Neben der Eisenbahnverstaatlichung ist es eine dergrößten derartigen Maßregeln. Es ist nicht zu viel gesagt, daß die deutsche Reform

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