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Die verschiedenen Arten der Arbeitslosen.
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wir dürfen nicht vergessen, daß unter den am frühesten Entlassenen die Älteren undKränklichsten sind, daß oft die teuren Männer entlassen und durch billige Frauen undjunge Leute ersetzt werden. Immer bleibt es richtig, daß viele Arbeitslose der tiefstenStaffel ihres Standes angehören. Alle bloßen Gelegenheitsarbeiter der Großstädte gehörenhierher; sie arbeiten auch bei guter Zeit nur dann und wann, sind häufig dem Trunkund anderen Lastern ergeben. Erfahrene Männer sagen vom Londoner Last-Lmck: „DasWirtshaus liegt auf dem Wege zur Arbeitslosigkeit". Ein Teil dieser auf der Grenzeder Arbeitsfähigkeit und der Arbeitsscheu Stehenden, halb schon dem Verbrechen Anheim-gefallenen mag zu Grunde gehen, in Zwangsarbeits- und Zuchthäuser kommen. Aberes ist im Auge zu behalten, daß die Unternehmungen, die seit Jahren aus Gewinnsuchtnur solche Gelegenheitsarbeiter aus Stunden oder Tage beschäftigen, eine Mitverant-wortung für diese Zustände tragen, ebenso wie unsere öffentlichen Einrichtungen, dieeine solche Klasse an Zahl so zunehmen ließen. Auch ist nicht zu verkennen, daß einTeil dieser Leute durch richtige Maßregeln noch gehoben werden kann, am meistendurch regelmäßige Arbeitsgewöhnung und -gelegenheit.
ä) Die oben erwähnten örtlichen und geographischen Unterschiede derArbeitslosigkeit bei sonst im ganzen ähnlichen volkswirtschaftlichen Bedingungen deutendarauf hin, daß nicht bloß allgemeine Ursachen (Krisen, Übergang zu neuer Technik u, s.w.),sondern auch viele specielle, vielleicht zu beseitigende, mitwirken. Schon die räum-liche Verteilung der Arbeitslosen weist darauf hin. Wir sehen, daß die deutschen Großstädte Dezember 1895 7,4 °/°, ganz Deutschland 4,7°/« aller Arbeiter (Olden-berg) als Arbeitslose zählten; London und Neuyork haben noch größere Massenals andere Groß- und Hafenstädte. Die Landflucht hat ganze Gegenden entvölkert, esstehen da Hunderte, ja in Ostpreußen Tausende von Arbeiterwohnungen leer, währenddie Großstädte ihre Arbeitslosen nicht beschäftigen können. Gewiß hängt das mit einemberechtigten Lohnausgleichungsprozeß zusammen; aber es fragt sich doch, liegen nichtteilweise falsche Wanderungen vor; auch wenn man nicht die Genüsse und die Un-gebundcnheit der großen Städte als Anziehungspunkt betonen will, schon die Hoffnungauf den größeren Arbeitsmarkt der Stadt zieht viel mehr Leute an, als er dann be-schäftigen kann, wie K. Möller das nachwies. Man wird nicht durch eine falsche Auf-hebung der Freizügigkeit helfen wollen, aber man wird sagen: hier ist Angebot undNachfrage nicht richtig ausgeglichen; Arbeitsnachweis und andere Mittel müssen helfen.Selbst der radikale englische Arbeiterführer Burns ruft: „Die Einwanderung vom Landenach den Städten muß zum Stehen kommen." Er erhofft dies von ländlicher Koloni-sation, demokratischer Landgemeindeordnung, Arbeitsnachweis und Ähnlichem; er warntvor Arbeiterkolonien, vor Schaffung von städtischen Winterwerkstätten.
e) Ein erheblicher, vielleicht der größere Teil der heutigen Arbeitslosigkeit geht aufdie fogenannte Saisonarbeit, d. h. aus den Umstand zurück, daß viele Berufe in-folge des Klimas, der Jahreszeit, der bloß zeitweisen Nachfrage, der Organisation des Ab-satzes nur periodisch in bestimmten Monaten ihre Arbeiter brauchen, für die übrige Zeitdes Jahres sie entlassen. Eine solche Gepflogenheit ist teilweise sehr alt. Die Schiffahrthat früher im Winter stets geruht; Erd-, Steinbruch-, Bauarbeiter haben immer imkälteren Klima große Pausen machen müssen. Aber man sand sich früher damit besserdurch Verbindung verschiedener Bcruse ab; der Schiffer war zugleich Kleinbauer an derKüste; die Bau- und Erdarbeiter der Städte wohnten in den benachbarten Dörfern, fälltenHolz im Winter, hatten allerlei Hausarbeit und ihre kleine Ackerwirtschaft. Mit Spinnen,Weben und anderer ähnlicher Arbeit waren alle kleinen Leute in der toten Saisonzu beschäftigen. Die Gutsherren hatten im ganzen Winter und Sommer die gleicheJnstenzahl, im Winter ließ man dreschen, Gräben ziehen oder ließ auch die Leute sichhinter den Ofen legen. Heute ist das alles wesentlich anders geworden; die haus-industrielle Füllarbeit wie die kleine agrarische Eigenwirtschaft ist im Rückgang; stattInsten hält man Wanderarbeiter für einige Monate; der Winterhanddrusch ist durchdie Maschine ersetzt. Eine steigende Zahl von Bauarbeitern in den Großstädten gehtim Winter nicht mehr so wie früher aufs Land. Alle Mode-, Konfektions-, Schneider-
Schmoller, Grundriß der Volkswirtschaftslehre, II, I,-S, Aufl. 25