Teil eines Werkes 
2 (1904) Verkehr, Handel und Geldwesen : Wert und Preis ; Kapital und Arbeit ; Einkommen, Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik ; Historische Gesamtentwickelung
Entstehung
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422 Drittes Buch. Dcr gesellschaftliche Prozeß des Güterumlaufes u. der Einkommensverteilung. ^Z8l)

schaft gebe; als solche lagen 1. die verpachtenden großen englischen Grundeigentümer, 2. diewesentlich mit eigenem Kapital arbeitenden Pächter, Kaufleute und Manusakturisten und3. die Arbeiter am nächsten; jede dieser Klassen so hieß es leistet der Produktion einenDienst; die Grundeigentümer erhalten dafür die Grundrente, die sogenannten Kapitalisten(Unternehmer) den Kapitalprofit, die Arbeiter den Lohn. Daß die kleinen Handwerker,Bauern und Krämer dabei ausfallen, daß die Geschäftsleute ebenso oder noch mehr durchihre Arbeit als durch ihr Kapital wirken, daß die bedungene Kapitalrente dabei unterden Tisch fällt, oder daß Kapital-(resp. Unternehmer-)profit und Kapitalrente dabei in schieferWeise zusammen geworsen werden, das bemerkte man nicht. Für die abschreibendenNachfolger Smiths wurde die Lehre dadurch noch schmackhafter, daß die drei Einkommens-zweige den drei angeblichen Produktionsfaktoren Natur, Kapital und Arbeit zu entsprechenschienen, welche eine naive Abcschützenlogik als gleichwertige Faktoren oder Ursachen derProduktion nebeneinander gestellt hatte. I. St. Mill formulierte den Gedanken dann garso: jede dieser drei Klassen gebe einEigentum" an die Produktion ab; die Grundeigen-tümer erhielten also dafür die Grundrente, die Kapitalisten den Gewinn, die Arbeiter denLohn, jede Klasse mit gleichem Rechte. Man hatte nun eine scheinbar einfache Unter-suchung: es handelte sich nur um die Feststellung der Konkurrenzverschiebungen zwischendiesen drei Klassen, die man häufig als drei einzelne, mit einander ringende Personensich dachte. Gewiß war dies ein nicht gänzlich falsches Bild; nur mußte man sichbewußt bleiben, durch welche Abstraktionen man zu diesem Bilde, zu dieser Fragestellunggekommen war, und welche Verhältnisse, Nebenursachen und Faktoren sonst noch mit-spielen. Wir werden auf das einzelne weiterhin zurückkommen. Hier ist nur zu be-tonen, daß von den alten abstrakten Nationalökonomen fast durchaus ein schiefer Ge-brauch von dieser Fragestellung gemacht wurde, daß man in den Tag hinein ein Steigenoder Fallen der Rente oder des Gewinnes oder- des Lohnes als naturgesetzlich hinstellte,wobei oberflächliche historische oder technische Beobachtungen die Grundlage des Urteilsbildeten. Die Ricard osche Behauptung, daß das Steigen der Grundrente notwendigden Gewinn schmälern müsse, die socialistischen Theorien über das notwendigeSinken des Lohnes in der modernen Wirtschaft gehören in diese Kategorie.

e) Wir versuchen diesernatürlichen" eine historische Betrachtung gegenüber zustellen. Wir behaupten: alle Güterverteilung ruhte von Anfang an neben der individuellenThätigkeit aus gesellschaftlichen Einrichtungen; sie tritt uns im Laufe dcr Geschichte inden zwei Formen des Arbeits- und Vermögenseinkommens gegenüber; sie hat stetsneben wirtschaftlichen andere gesellschaftliche, politische u. Ursachen; auch in der Epochedes entwickelten Marktverkehrs wird sie von Rechtsinstituten, von Sitte und Moralbeeinflußt, wie die Preisbildung und die Marktvorgänge selbst.

Lange ehe es ein rententragendes Vermögen gab, hat man die Produkte und dieProduktionsmittel nicht absolut gleich und nicht durchaus entsprechend der Arbeits-leistung verteilt. Freilich war die Fürsorge zunächst eine überwiegend individuelle,aber die Gentil-, Familien- und Stammesgemeinschaft griff doch mannigfach ein, undüber sie hinaus mancherlei andere Gruppenbildung; z. B. von dem Jagd- und demFischereiertrag gab man den Führern doppelte, von der Kriegsbeute mehrfache Teile,bei der ersten Siedlung gab man den Häuptlingen schon größere Stücke Landes. AlleAusbildung von etwas größeren gesellschaftlichen Körpern von 10 000 und mehr Seelennötigte, den Fürsten , den Kriegsührern, den Priestern Geschenke zu geben, sie mitVieh und Grundbesitz, mit Sklaven und Diensten auszustatten. Ein solches Gemeinwesenkann nur leben und wirken, wenn die Leitenden über größere wirtschaftliche Mittelverfügen, sei es, daß sie ihnen freiwillig gereicht werden, sei es, daß die, welchemehr produzieren, die Kräftigsten, auch mehr Produktionsmittel an sich gerissen haben,damit sich der leitenden Stellen bemächtigten und sie zn weiterer Bereicherung benutzten.Es wird die freiwillige Dotierung oder die Usurpation in dem Maße leichter möglichwerden, wie alle Teilnehmer des Politischen Körpers durch Viehzucht, durch besserenAckerbau so weit gekommen sind, mehr zu erzeugen als sie selbst brauchen. Es könnenihnen erst infolge solcher Mehrproduktion Abgaben und Dienste auferlegt werden; sie