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Der natürliche und der historische Standpunkt in der Einkommenslehre.
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können als Unfreie oder als Pächter nun Überschüsse über ihren Bedarf an den Herrn,an die abgeben, welche das Grundeigentum für sich in Befchlag genommen haben. Dieungleiche Einkommensverteilung kann so in öffentlich rechtlicher oder privatrechtlicherForm sich einstellen. In der ersten Form ist sie gleichsam unter die Kontrolle derGesamtheit, der Regierung gestellt, in der zweiten hat sie sich davon losgelöst, kann dannstatt den öffentlichen mehr den individuellen und egoistischen Zwecken dienen; aber diesezweite Form ist die viel leichter herzustellende, die, welche die aristokratischen Kreisebesser sichert, daher auch, so lange die gesellschaftlichen Einrichtungen unvollkommen sind,und sie bleiben es unendlich lange, die, welche sich als unentbehrlich für alle höhereKultur erhält. Sie ist die Form, in welcher neben dem Arbeits- ein privates Ver-mögenseinkommen der höheren führenden Klassen entstanden ist, die Form, welche heutenoch neben dem wachsenden Arbeitseinkommen der Fürsten , Minister, Offiziere, Ab-geordneten und Beamten besteht.
Die zunehmende Einkommensverschiedenheit knüpft so an verschiedene Arbeits-erfolge (verschiedene Kraft, Geschicklichkeit u. s. w.) an, wie an verschiedene Maßstäbeder Arbeitsvergütung (höhere Anteile der Führer), sie hat von frühen Zeiten aneine Grundlage in der überkommenen verschiedenen Vermögensverteilung; sie ist be-einflußt von allen Ursachen, die beide Erscheinungsreihen beeinflussen. Die großentechnischen Fortschritte einerseits, die großen gelingenden gesellschaftlich organisatorischenEinrichtungen nebst allen daran sich knüpfenden Rechts- und Wirtschaftsinstitutionenandererseits beherrschen die sich steigernde Differenzierung der historischen Einkommens-verteilung. Werfen wir, um anschaulicher zu werden, schon hier einen kurzen Blickauf die Hauptstationen dieser Entwickelung.
Die ältesten Stämme mit einiger Wohlhabenheit sind die mit besserer Fischereiund die mit Viehzucht. Der Schiffsbau und das Gelingen der Viehzucht hat überallneben den gewöhnlichen Stammesgenossen Reiche geschaffen; dem Mehrbesitz anVieh schloß sich der von Sklaven und Hörigen an; die Geschickten, die Tapferen, dieFührer von Vieh- und Sklavenbeutezügen waren die emporkommenden. Das erste Leih-geschäft mit enormem Gewinn schloß sich an den Viehbesitz an (I Z 124).
Die Grundeigentumsverteilung der seßhaft gewordenen Völker knüpft sich in derältesten Zeit an die Gentilverbände, die Dorfgemeinschaft, die Weide- und Ackerwirtschaftder Familie an; in den Zeiten des Hackbaues ist die Teilung ohne Zweifel eine sehrgleichmäßige; sie wird aber mit dem Viehbesitz, der Kriegsverfaffung, der aufkommendenKönigs- und Beamtengewalt bald eine ungleiche; neben den gleichen Hufen im Dorfe trittdie Doppelhufe des Schulzen, die 4—8 fache Hufe des Ritters, treten die Tausende vonHufen der Könige, der Aristokratie, der Kirche. Es entsteht das Obereigentum der Aristo-kratie, das Untereigentum der Bauern; wo letztere ein gegen Lastenerhöhung gesichertesselbständiges Recht haben, steigen sie Jahrhunderte lang (im ganzen in Westeuropa von1000—1400) an Wohlstand aus; wo das nicht der Fall ist, sinken sie herab. DieGrundeigentumsverfassung und ihre Veränderungen beherrschen die naturalwirtschaftlicheEinkommensverteilung der älteren Agrarstaaten, und immer stehen dabei nicht rein wirt-schaftliche Ursachen, so die ganze sociale Klassenbildung, die Kirchen-, die Kriegs-, dieLokal- und Staatsverfassung, im Vordergrund.
Mit der vom 13.—18. Jahrhundert vordringenden Geld- und Kreditwirtschaft,der wachsenden Bedeutung der Städte, der Gewerbe, des Handels, der stärkeren Kapital-bildung ändert sich, wie in den analogen Epochen des Altertums, das Bild der Ein-kommensverteilung. Die Grundlage bildet auch jetzt noch die überlieferte Grundeigen-tumsverteilung, dann die vorhandene Dorf- und Jnnungsverfassung. Aber überallschieben sich nun sprengend und ändernd die Möglichkeiten des Geld- und Kapitalgewinnes,die neuen Arten der Einkommens- und Vermögensbildung dazwischen. Die Klassen-gegensätze wachsen, und mit ihnen differenzieren sich auch rasch die Maßstäbe der Arbeits-bezahlung und die Vermögensunterschiede. Im Centrum der Regierungen sammeln sichgroße Geldeinnahinen; die oberen Hof- und Staatsbeamten, die Münzer, die Steuer-pächter, die Kreditgeber der Päpste, der Könige, der Fürsten , die Obersten, Generale