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Die Einkommensverteilung der neueren Zeit.
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naissancezeit und die modernen Großunternehmer und Bankiers des 19. Jahrhunderts alswirtschaftliche Aristokraten emporkamen, geben uns ein Bild der historischen Einkommens-entwickelung überhaupt. Die engeren Kreise, welche den technischen und organisatorischenFortschritt herbeisühren, haben erst größeres Arbeitseinkommen als die übrigen undsammeln dann rentcntragendes Vermögen in steigendem Maß; sie stehen in der Vor-hand, steigen durch Leistung und Tüchtigkeit empor, bald aber auch durch Macht und Macht-mißbrauch, teilweise auch durch Härte, Wucher, Habsucht. Die anderen Klassen bleiben teil-weise zurück, können den Fortschritt nicht ebenso rasch mitmachen, werden herabgedrückt, teil-weise durch Preiswechsel, teilweise durch veraltete und verbildete, oder auch durch un-vollkommene, noch nicht fertige Institutionen. Die untersten Schichten der Gesellschaftwerden, je größer zeitweise die Umwälzung ist, je stärker zunächst die Bevölkerungwächst, desto weniger sähig sein, an dem gesteigerten Einkommen und Vermögen sofortentsprechend teilzunehmen. Erst aus der Empfindung der so entstandenen Mißständeheraus erwachsen Gegenbewegungen und Reformen, die aber in älterer Zeit nur ausnahms-weise Erfolg hatten. Die ganzen mittleren und unteren Klassen leiden in der Über-gangszeit leicht daran, daß sie die wirtschaftlichen Vorzüge der führenden Elemente sichnicht so rasch aneignen wie deren größere Ansprüche, Laster und Fehler.
Der Verteilungsprozeß des Einkommens ruht so bei aller höheren Kultur aufden zwei Gruppen von Ursachen, welche das Arbeitseinkommen und welche die Ver-mögensrente beherrschen; diese Ursachen liegen stets in wirtschaftlichen Größen-, Be-darfs-, Marktverhältnissen einerseits, in bestimmten Institutionen anderer^seits. Das Einkommen aus Arbeit bleibt stets der größere, wichtigere Teil; er schließt sichan die Leistungen der Gegenwart an. Der Lohn, die Gehälter, fast aller Verdienstder Kleinbauern, Klcinhandwerker, ein großer Teil des Unternehmergewinnes gehörtHieher. Das Einkommen aus Vermögen knüpft an frühere Leistungen, die der Vorfahren,der früheren Jahre an; es ist durch Zufälle, Glück und Preiswechsel mit beeinflußt.Die Vermögensrente ist sür die meisten Besitzenden eine Zubuße, nur für eine kleine Zahlist sie die einzige Art des Einkommens. Ihre Verteilung kann eine sehr verschiedene,mehr demokratische oder sehr aristokratische sein. Die Art ihrer Verteilung giebt derganzen Einkommensverteilung eines Volkes, einer Zeit ihre bestimmte Farbe. Aber jehöhere Stufen die sittliche und wirtschaftliche Gesamtkultur ersteigt, desto mehr wirdsie doch von den Institutionen des Arbeitseinkommens an Bedeutung überflügelt.
In allen älteren Zeiten haben die nicht wirtschaftlichen Ursachen stärker auf dieVermögensverteilung gewirkt; jeder erhebliche Vermögensbesitz erhob aber auch die Be-treffenden in den Kreis der Einflußreichen, der Herrschenden. Der Vermögensbesitz wurdeals eine Verpflichtung angesehen, gemeinnützig thätig zu sein. Der heutige Vermögens-besitz stammt zu einem größeren Teil als früher aus individueller und wirtschaftlicherThätigkeit; aber die Vermögenden treten nicht so unbedingt wie früher in den Kreisder Staat und Gesellschaft Beherrschenden. Arme Minister sind heute möglich, wieMillionäre ohne jeden öffentlichen Einfluß, jedes Ansehen. Der Vermögensbesitz wird aberauch weniger als früher als ein Amt, als eine Verpflichtung gegenüber dem Gemeinwohlangesehen. Der Reiche fühlt sich mehr nur als Privatmann, der thun und lassen kann,was er will. Daher aber auch die geringere Neigung heute, den Reichtum zu respek-tieren.
Marx und seine Schüler meinten, alle wirtschaftliche Verteilung sei ausschließlichvom Produktionsprozeß abhängig; I. St. Mill lehrte im Gegenteil, die Produktionhabe physikalische (naturgesetzliche) Ursachen, die Verteilung sei ein Werk menschlicherAnordnung. Beide Behauptungen übertreiben. Die Art des Produktionsprozesses, ihregroßen Änderungen haben den größten Einfluß aus die sociale Klassenbildung, aufdie Möglichkeit für bestimmte gesellschaftliche Gruppen, die Sahne von der Milch ab-zuschöpfen, Vermögen zu sammeln, auf die Wahrscheinlichkeit für andere Gruppen, ge-drückt, bewuchert zu werden. Aber das Detail des Verteilungsprozcsses wird durchSitte und Recht, durch allerlei Wirtscha'tsinstitutionen, die auf menschlicher Anordnungberuhen, bestimmt. Dies gilt hauptsächlich für den Lohn, die Gehälter, die Verdienste