Teil eines Werkes 
2 (1904) Verkehr, Handel und Geldwesen : Wert und Preis ; Kapital und Arbeit ; Einkommen, Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik ; Historische Gesamtentwickelung
Entstehung
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426 Drittes Buch. Der gesellschaftliche Prozeß des Güterumlaufes u. der Einkommensverteilung. ^884

der liberalen Berufe, auch für ein gut Teil des Unternehmergewinnes; es gilt vollendsfür Armenunterstützungen, Pensionen, Versicherungsrenten u. s. w. Auch ein Teil deseigentlichen Vermögenserwerbes unterliegt dem Einfluß der volkswirtschaftlichen In-stitutionen, man denke z. B. an das Kreditrecht, die Börseneinrichtungen, den Einflußder Handelspolitik.

Aller Fortschritt in der Einkommensverteilung beruht auf den Empfindungen fürdasGerechte ", aus den immer mehr gelingenden Versuchen, praktische Maßstäbe sürdas Gerechte zu finden, die Maßstäbe zu Institutionen auszubilden, welche die lebendigvorwärtstreibenden Kräfte nicht fesseln und lähmen, sondern in die dem Gesamtinteressegünstigsten Wege hineinweisen. Die erste Aufgabe wird immer sein, das Arbeits-einkommen gerecht und so abzustusen, daß es die denkbar beste Erziehung und Schulungsür alle produktiven Kräste herbeisührt. Dann wird auch das partiell Ungerechte, dasleicht in der Vermögensverteilung hoher Kultur liegt, leichter ertragen.

230. Die Verteilung des deutschen Nationaleinkommens im Jahre1895. Die eben entwickelten allgemeinen Gedanken werden an Deutlichkeit gewinnen,,wenn wir versuchen, die Verteilung an einem neueren Beispiel, sür das wir einiger,maßen die empirischen Anhalte besitzen, klar zu machen. Die deutsche Berusszählungvon 1895, die Steuereinschätzungen verschiedener deutscher Länder und zahlreiche Schätzungenbewährter Statistiker bieten die Grundlage des folgenden Versuches sür Deutschland imJahre 1895.

Das deutsche Nationalvermögen hatBcckcr 1835 zu 175 Milliarden Mark, daspreußische (Privatvermögen) Evert neuerdings auf Grund der doch Wohl zu niedrigenVermögenssteuerzahlung auf über 90 Milliarden geschätzt; man wird das deutsche 1895auf 200 einschließlich des öffentlichen Korporationsvermögens Wohl annehmen können. DasEinkommen der deutschen Nation (als Summierung der Privateinkommen) wärenach den oben (S. 139140) angegebenen preußischen Zahlen (unter Zuschlag vonK8°/o) nur 1718 Milliarden; aber wir haben diese Zahlen schon dort als wesentlichzu niedrig bezeichnet. Die Steuereinschätzungen erfassen nirgends das ganze Einkommen,vernachlässigen das durch eigene Arbeit in der eigenen Wirtschaft erzielte meist ganz,rechnen die Naturalbezüge viel zu niedrig, ebenso die Überschüsse, geben in zahlreichenKlassen um ein Drittel zu wenig. Mulhall und May haben sür 1895 25 Milliardenberechnet (sür 1900 schätzt letzterer sogar 31). Ich glaube, daß wir mit 2425 imganzen sür 1895 richtig greisen. Ich süge noch bei, daß, wenn nach Zahn 18991901Reich und Bundesstaaten 67 Milliarden Mark ausgaben, diese nicht direkt, aber inder Hauptsache indirekt in den 2425 Milliarden enthalten sein werden; Zahn be-rechnet über 3 Milliarden private Erwerbseinkünste, die aus öffentlichem Vermögen undBcamtenarbeit stammen, und sast 2 Milliarden Gebühren und Steuern, die aus demEinkommen der Privaten gezahlt sind. Zählte man die 67 Milliarden den 2425hinzu, so wären sie doppelt in der Summe enthalten. Das findet freilich auch be-züglich der Summierung der Privateinkommen, aber in viel geringerem Maße statt.Was ich meinem Arzt, meinen Dienstboten zahle, erscheint in meinem und in derenEinkommen. Alle Doppelzählungen lassen sich eben nicht vermeiden, wenn man eineindividuelle Einkommcnssummierung und auf Grund von ihr eine Einkommensverteilungherstellen will. Scheiden wir nun die Haupteinkommensklassen der Bevölkerung, und'sügen wir über die Natur ihres Einkommens je ein Paar Worte bei.

a) Fast nur Lohneinkomm en bezogen 1895 die 12,8 Millionen in Landwirtschaft,Gewerbe und Handel beschäftigten Arbeiter, die 1,3 Millionen Dienstboten, die0,4 Millionen wechselnden Lohnarbeiter und die 0,7 Millionen Soldaten, Unteroffiziere,Amtsdiener u. s. w., zusammen 15,2 Millionen Personen. Davon werden etwa5 Millionen Familienväter sein, die, zu 900 Mk. Jahreseinkommen geschätzt, 4,5 MilliardenLohn bekommen haben werden; bleiben 10,2 Millionen Personen, unter denen Kinder,Halberwachsene, jüngere Leute, Familienangehörige der Arbeiter, der Bauern und Hand-werker in großer Zahl sind; setzen wir den Durchschnitt zu 400 Mk. Jahreseinkommen,so giebt das 4,03 Milliarden; also Arbeitslohn zusammen 8,58 Milliarden. Dieser