Schwankungen in Macht und Verfassung der Volkswirtschaft,
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die gesamten Aus- und Einfuhrverhaltnisse sich verschieben. Von den heutigen Erport-industriestaaten glauben manche Sachverständige, daß sie ihren ErPort bald verlierenwerden; von Englands Export berechnet Tugan, daß er 1851—1860 um 85, 1861—1870um 56, 1871 — 1880 um 33, 1881 — 1890 um 7, 1891—1899 um 0°/o zugenommenhabe. Wie muß das auf das ganze innerwirtschaftliche Leben zurückwirken!
Was die inneren Verfassungsänderungen der Volkswirtschaft betrifft, so erinnernwir nur an den großen Umbildungsprozeß von der Natural- zur Geldwirtschaft, denwir vielfach nach seinen Licht- wie nach seinen Schattenfeiten betrachteten: er ist eineHauptursache der Entstehung des heutigen Geldarbeiterstandes. Wir erinnern für dieälteren Zeiten an die Auflösung der alten Geschlechtsverfassung, für die späteren Epochender Entwickelung an die Ersetzung des bäuerlichen Kleinbetriebs im Altertum durchgroßen Sklavenbetrieb, an die neueren Bauernlegungen, an den Generationen erfüllen-den Kampf des Handwerkes mit der Hausindustrie, beider mit dem gewerblichen Groß-betriebe, an alle großen, die Volkswirtschaft zeitweife lähmenden socialen Kämpfe.Mommsen erwähnt wiederholt, daß während der großen politischen Katastrophen derrömischen Bürgerkriege auch schwere wirtschastliche Stockungen eintraten. Viele dieser Ände-rungen dauern Jahrzehnte, oft Jahrhunderte lang; bis die alten Formen, ihre Sittenund Rechtsnormen beseitigt, die neuen Formen gefunden, richtig in Sitte und Rechtausgebildet sind, bis die neue Klassenbildung mit dem Bestehenden, mit den übrigenGesellschastsorganen und -einrichtungen sich auseinandergesetzt haben, wird stets ein er-heblicher Teil der Betroffenen sich in einem leidenden Zustande befinden; ein Teil der-selben verkümmert, stirbt zuletzt in der bisherigen Form ab; ein anderer kommt empor,mißbraucht seine Macht, wird erst nach und nach in die richtigen Schranken gewiesen.Die Umbildung kann mißlingen, ganzen Staaten und Völkern ihren Wohlstand, jaihre Macht oder Existenz kosten. Sie kann auch gelingen und der Ausgangspunkt füreinen viel größeren Reichtum, sür größere Macht werden. Man hat vielfach diese großenUmbildungen selbst, zumal sosern sie bestimmte Klassen in Not versetzen, als „Krisen"bezeichnet. Man hat von einer Krisis des englischen Bauernstandes gesprochen undmeint sein Verschwinden teils schon früher teils 1760—1850. Man spricht von derKrisis des irischen Kleinpächterstandes, der die irische Bevölkerung in den zehn Jahren1841—1351 von 8,1 aus 5,1 Mill., die Kleinpächter von 1—5 Acres in ihrer Zahlvon 310436 (1841) auf 62221 (1896) herabdrückte. Man spricht von einer deutschenHandwerkerkrisis (1840—1890), von einer Krisis der Hausindustrie. Es sind jeden-falls Krisen in der Verfassung der Volkswirtschaft; die vorher genannten, die mit derStellung im System des Welthandels zusammenhängen, sind Krisen in der wirtschaft-lichen und politischen Machtstellung. Wir kommen unten darauf zurück, wie sie sichvon den Krisen unterscheiden, welche man heute als Produktions- und Handels-, alsGeld- und Kreditkrisen bezeichnet. Jedenfalls können sie mit solchen zusammenfallenund sie verstärken. So war z. B. der Zustand ganz Deutschlands 1845 — 1854 mitbestimmt durch die erste große Not des Handwerkes, durch die Not, welche in denGegenden der zwergbäuerlichen Betriebe herrschte, und durch den Todeskampf der altenHausfpinner und -Weber. In Rußland tritt seit der Aufhebung der Leibeigenschaftund den Folgen der unvollkommenen Emancipationsgesetzgebung (seit 1860) die Not-wendigkeit der Beseitigung der alten Agrarverfassung, die Verarmung und AusWucherungdes Bauernstandes als ein schwer drückender Begleitumstand zu allen Wechseln derErnten, der neuen großindustriellen Entwickelung hinzu. —
Wir brecheu mit dieser Auszählung einiger wichtiger Ursachen, welche das wirt-schaftliche Leben in seinem gewohnten, regelmäßigen Gange von außen her oder in seinerTotalität stören, ab, um uns den Schwankungen zuzuwenden, welche aus dem innerenWesen der heutigen Anordnung der arbeitsteiligen privatwirtschaftlichen Produktion folgen.
233. Die Anpassung der Produktion an die Konsumtion in derarbeitsteiligen Vo lkswirtschast. Wo die Eigenwirtschaft des isolierten Haus-und Landwirtes noch überwiegt, da handelt es sich nur darum, daß im Sommer undHerbst so viel Vorrat zurückgelegt werde, um sür die Glieder der Familie im Winter