Teil eines Werkes 
2 (1904) Verkehr, Handel und Geldwesen : Wert und Preis ; Kapital und Arbeit ; Einkommen, Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik ; Historische Gesamtentwickelung
Entstehung
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Geld, Kredit, Spekulation in ihrer Wirkung ans Schwankungen-

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Die Thatsache, daß heute ein steigender Teil alles Vermögens in Effekten, dieauf den Inhaber lautend jeden Tag verkauft oder beliehen werden können, angelegt ist,hat dazu geführt, daß diese Effekten in ihrem wechselnden Wert ein Hauptgcgenstandder Kapitalanlage und der Spekulation wurden. Der Handel auf den Börsen, zumalder Terminhandel benutzt sie in erster Linie; die großen Banken beleihen sie; derinterlokale Zahlungsverkehr benutzt sie in weitem Umfang. Zumal die täglichen Kurseder Aktien der führenden Gründungsbankcn, der großen Jndustricaktiengesellschaften, derBergwerke, der Baubanken wurden zum Spielball der Spekulation, der Differcnzgeschäfte.Viel künstliche Mittel werden in der Zeit hoffnungsvollen Gcschäftsaufschwunges an-gewandt, um sie in die Höhe zu treiben. DaS Publikum sragt nicht mehr, werdendiese Effekten künftig wirklich sich so hoch verzinsen, sondern nur noch, werden sie weitereinige Wochen und Monate steigen, so daß man beim Wiederverkauf große Gewinnemachen kann. Kurssteigerungen von 1VV und mehr Prozent werden erreicht, denenjede reale Grundlage sehlt. Tausende von gänzlich Urteilslosen nehmen an der Speku-lation teil, und sie können es nur, weil die Banken ihnen Kredit hauptsächlich in Report-form zuletzt oft zu 20 40°/» geben, an diesem Kreditgeschäft große Gewinne machenund meist sicher sind, im entscheidenden Falle des Kursrückganges alle diese Börsenlaienmit dem Verlust hereinfallen zu lassen, sich felbst aber durch rechtzeitige Kreditkündigungoder -Verweigerung zu decken.

In dieser Überspannung der Effektenspekulation durch den Bankkredit liegt einerder dunkelsten Punkte unserer neueren Kreditentwickelung; die so geschaffenen falschenKurse versetzen die ganze Volkswirtschaft in ungesunde Fieberhitze, erzeugen falsche Vor-stellungen über alle Preisbewegung, über alle Gewinnchancen und Absatzmöglichkeiten.Hier liegt der berechtigte Punkt einer Reform des Börsenwescns, der Terminspekulation.

Außerdem sei nun aber noch aus drei Punkte aufmerksam gemacht, durch welchedie steigende Kreditausbildung den gleichmäßigen Gang des Wirtschaftslebens gefährdenkann; es handelt sich um den Zusammenhang des Kredites mit dem Zahlungswcsen undmit den Staatsfinanzen und um den Wechsel der angesammelten unbeschäftigten Leih-kapitale in den Banken.

Je weiter der Kredit sich ausbildete, desto mehr traten Krediturkunden an dieStelle des Geldes. Je mehr die Geschäfte und zumal die mit Kredit gemachten sichhäuften, desto mehr wurden alle Zahlungsverbindlichkeiten auf Tag und Stunde, aufWochen und Monate im voraus festgelegt. Der einzelne Geschäftsmann hält keineoder nur ganz unbedeutende Kasse. Er hat ein Depositum, ein Konto bei der Bank,er zahlt durch sie; das gleiche Verhältnis besteht zwischen den einzelnen Banken uni>der Centralbank. Alle diese Einrichtungen verbilligen und vereinfachen das Geschästs-leben; sie funktionieren glatt und gut, fo lange von den Tausenden aufeinander Rech-nenden jeder pünktlich zahlt, und fo lange für etwaige Ausfälle die Barvorräte derBanken ausreichen. Je gespannter aber die Kreditkette ist, desto leichter kann eine kleineZahlungseinstellung selbst große und jedenfalls kleine Häuser in Verlegenheit bringen. Jeleichtsinniger die Banken vorher aus Gewinnsucht Kredit gaben, desto weniger können siezweiselhaften, oft nicht mal den größten und besten Firmen im Moment das nötigeGeld zu Zahlungen fchaffen. Und wenige Zahlungsunfähige ziehen dann Dutzende uudHundertc, die alle nur fallen, weil ihre Eingänge ausblieben, mit ins Verderben.

Je besser die großen Centralnotenbanken und ihre Diskontopolitik fungieren, destoweniger ist Derartiges zu fürchten. Ganz läßt sich aber diese Gesahr nie beseitigen.Am wenigsten, wenn die großen Banken in enger Fühlung mit den Staatsfinanzenstehen. Diese verfügen zeitweise über sehr große Kapital« und Geldmengen, die siegern zinsbar anlegen; sie haben andererseits oft auch schnell große Summen nötig, diesie in bankmäßiger Form aufnehmen und fo die Bankrefervoire leeren. Dadurchkönnen unerwartete Eingriffe in den Kapitalmarkt entstehen; dadurch kann der Zinsfußplötzlich fehr verteuert oder sehr verbilligt werden, ohne daß im Markt, in der Pro-duktion, in dem Absatz liegende Gründe vorhanden wären. Vollends ein Staats-bankerott, ein Kriegsausbruch mit sehr starken Kapitalansprüchen werden die ganze