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2 (1904) Verkehr, Handel und Geldwesen : Wert und Preis ; Kapital und Arbeit ; Einkommen, Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik ; Historische Gesamtentwickelung
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Viertes Buch. Die Entwickelung des volkswirtschaftlichen Lebens im ganzen.

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älteren Krisen, wie die von 1857, rascher vorübergegangen; die neueren waren ohne soakute Zusammenbrüche, allerdings von einer längeren Depressionszeit begleitet. Weil keinestarke Geld, und Kreditstockung 1882,18901891, 19001901 so viel Bankerotte erzeugtewie 1857, 1847, 1825, so hielten sich viele Geschäfte und Häuser, ein Teil von ihnen fieldann später. Es waren die saulen Geschäfte; daß die guten sich hielten, war ein Fort'schritt. Die Arbeitslosigkeit war in den 1830 er und 1840 er Jahren, dann wieder 1873bis 1879 in Europa viel größer als je seither. Es ist schon ein gewisser Fortschritt,wenn die akuten Krisen, die zu plötzlichen Preisänderungen wegfallen, wenn dieAusschwungsperiode in die Depression übergeht, ohne zu viele Existenzen plötzlich zuvernichten. Und das war seit den 1870er Jahren in steigendem Maße der Fall. Nochwichtiger ist der Fortschritt, wenn die Aufschwungsperiode den Boden des natürlichengesunden Wachstums weniger verläßt. Auch das ist zu behaupten.

244. Bekämpfung und Milderung der Krisen, Krisenpolitik.Die socialdemokratische Theorie verspricht, die heutige anarchische Planlosigkeit der Pro-duktion durch eine planvolle einheitliche Leitung zu ersetzen. Man hat oft gesagt, daswäre nur denkbar, wenn man auch die Freiheit des Konsums aufhebe. Der EinWurfist theoretisch richtig, wiegt aber praktisch vielleicht doch nicht so schwer. Warum solltennicht Lagerhäuser das ausgleichen können? Wichtiger scheint uns, daß eine nationaleeinheitliche Produktionsleitung heute schon lange nicht genügte, eine internationale aberso undenkbar ist wie die Verlegung der ganzen Aus- und Einfuhr in die Hände einerstaatlichen Centralbehörde. Noch wichtiger ist für uns die Undenkbarkeit, fähige Central-und Lokalbehörden des socialistischen Staates zu bekommen, die mit weniger Irrtumdie Zukunft, die nächsten Ernten, die Kapitalbeschaffung, den Bedarf an Konsumwaren,die Vorbereitung für vermehrte künftige Produktion, den Bedarf an Ausfuhrwarenschätzten, als die heutigen Verantwortlichen Leiter des wirtschaftlichen Produktionsprozesses.Viel eher können wir uns denken, daß Berufskartelle, nationale Kartellvereinigungen,internationale Kartelle u. s. w. in der Zukunft einen steigenden Teil der Produktionund des Handels planvoll und einheitlich leiten könnten.

Einen nicht minder kühnen Zukunftsplan als dic Socialisten hat neuerdingsMay entworfen. Er sieht die Ursachen aller Wirtschaftskrisen in den zu hohen Preisenund zu hohen Untcrnehmergewinnen; die Hausse ist ihm ein Zeichen wachsender Pro-duktivität der Arbeit; ihr entsprechend müßte man die Löhne und Gehälter erhöhen nnddie Verkaufspreise der Waren herabsetzen. Das, meint er, wäre möglich, bei vollerFreiheit der Produktion im übrigen, durch gesetzliche Beschränkung des Unternehmer-gewinnes aus etwa 78°/o. Er hofft, so würden alle Überproduktion und alle Krisenvermieden. Die hohen Dividendenpapiere würden einmal im Kurse fallen. Alles übrigebliebe unverändert. Es würde zu weit führen, auf die großen Schwierigkeiten derAusführung eines solchen Planes näher einzugehen. Er ruht auf der Unterkonfum-tionstheorie und der Annahme, daß starke Lohnerhöhungen jede Überproduktion hinderten.Uns will scheinen, der Plan würde durchgeführt nicht sicher sein Ziel erreichen, und ersei noch schwerer realisierbar, als die einheitliche socialistische Leitung aller Produktion.

Mögen Ideologen immerhin nicht ohne gewissen Nutzen solche Zukunftspläne auf-stellen und erörtern; der Socialismus ist der Traum von einer besseren und ge-rechteren Zukunft der Menschheit, den sie immer wieder mal zu träumen, durch die sieimmer wieder ihre Hoffnungen zu beleben fortfahren wird. Realistische Praktiker undGelehrte aber bleiben besser auf dem Boden des Möglichen und des in nächster ZukunftAusführbaren. Für sie handelt es sich in der Krisenfrage um dreierlei Möglichkeitender Besserung: 1. wird man suchen müssen, die zukünftige Nachfrage auf Grund bessererInformationen richtiger zu erkennen, 2. wird man das heutige rücksichtslose Gewinn-streben wieder so weit zu bändigen suchen, daß es mit den Gesamtinteressen und dergesunden Gesamtentwickelung in Einklang bleibt; und 3. wird man sür diese beidenBestrebungen nicht bloß durch Ratschläge eintreten, sondern die entsprechenden wirt-schaftlichen und rechtlichen Einrichtungen fchaffen müssen, die daraus hinwirken und zugleichProduktion und Preise in der Zeit der Aufwärtsbewegung in den rechten Grenzen halten.