Teil eines Werkes 
2 (1904) Verkehr, Handel und Geldwesen : Wert und Preis ; Kapital und Arbeit ; Einkommen, Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik ; Historische Gesamtentwickelung
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Staatsgewalt und Klassenkämpfe. Älteste Klassenherrschaft.

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Die langsame historische Ausbildung der Staaten und der Staatsgewalt, diewechselnde Schwäche oder Kraft der letzteren, sowie die wechselnde Macht und Organisationder socialen Klassen erzeugen die verschiedenartigste Gestaltung dieser Grundbeziehungenzwischen Staat und Gesellschaft. Wir werden versuchen festzustellen, welches der not-wendige oder wahrscheinliche Gang dieser Relationen gewesen ist und künftig sein wird.Zu diesem Zwecke und um überhaupt eine empirische Grundlage für unsere Schlüsse zugewinnen, führen wir einen kurzen Umriß der Klassengeschichte hier vor, so schwieriger auch zu geben ist. Er ist für das Urteil der NichtHistoriker unentbehrlich. Wirbeginnen mit einem Wort über die ältesten uns bekannten Zustände, über die Klassen-verhältnisse vor der griechisch-römischen Kultur.

Wir erblicken da einen scheinbar unerklärlichen schroffen Widerspruch. Wir sehenZustände mit ganz geringem Klassengegensatze und solche mit härtester Klassenherrschaft.

In den kleinen älteren socialen Körpern mit primitiver wirtschaftlicher Lebensweise,roher Technik, unentwickelter Staatsgewalt herrschen familien- und geschlechterartigeBeziehungen vor. Es giebt keinen erheblichen Besitz, keine oder nur eine unbedeutendeArbeitsteilung; die Häuptlinge, Zauberer, Krieger ragen auch nicht viel, oft mehr inder Vorstellung als in Wirklichkeit, als Göttersöhne, von den Geistern Bevorzugte,über die anderen empor; alle behandeln sich untereinander im ganzen wie Verwandte.Wo einfache Naturalwirtschaft ohne die Formen der Geldwirtschaft und des Kreditesnoch vorherrscht, wird von dieser älteren Gleichheit der Unkultur, von dem starken Ge-meinschaftsgefühl der primitiven Stämme immer ein erheblicher Teil sich erhalten.

Es wird anders, wo die socialen Körper auf 10 000 Personen bis über 1 Millionanwachsen, wo eine stärkere Herrschergewalt sich bildet, wo größere Viehbesitzer, mächtigePriester, tapfere Kriegshäuptlinge emporsteigen. Es bildet sich da unter Umständensrühe eine halb geistig-politische, halb technisch-wirtschaftliche Übermacht einer Minder-zahl, die aber des verschiedensten Gebrauches je nach Rasse, Recht, Sitte, Religion sähigist. Sie sührt aber fast stets zu härtestem Gebrauch, oft zu barbarischem Mißbrauch,wo ein Stamm, ein Volk höherer Rasse tiefer stehende Rassenelemente unterwirft, einedauernde Herrschaft über sie begründet. Sobald das der Fall ist, sehlt die natürlicheBegrenzung aller älteren Klassenherrschaft, die in dem starken Gefühl der Bluts- undGeschlechtsgemeinschast liegt. Da bildet die Vorstellung der Rechtlosigkeit des Fremden,des Nichtstammverwandten die psychologische Grundlage der gesellschaftlichen Zustände.Und wir werden so sagen können, von den ältesten Zeiten bis aus den heutigen Tagsei jeder erhebliche Rassengegensatz mit seinen materiellen und Psychischen Folgen einwichtiges Element der Klassengegensätze sür die Staaten, in denen er vorhanden ist.

Wo solche Zustände vorwalten, bilden sich die ersten starken Herrschergewalten,bilden sich große Gegensätze des Besitzes, der Ehre, des Rechtes, entsteht die intensiveAusnützung der Unterworfenen, Sklaverei, Kastenwesen und Knechtschaft verschiedenerArt; es können umfangreiche Eroberungsreiche entstehen, deren Rassen und Klassen, derenStädte und Gebiete in sich keine erhebliche innere Gemeinschaft haben, nur durch diehärteste Gewalt zusammengehalten werden. Daraus erklärt es sich, daß die härtestenKlassengegensätze sich entwickeln. Sie fixieren sich oft sür viele Jahrhunderte. GrößereStaaten sind in älterer Zeit nur so möglich; auch ihre Kulturthaten, ihre großen Bautenund sonstigen technisch-militärischen, agrarischen Leistungen sind nur denkbar auf demFußgestell roher Klassenherrschaft, die nur da und dort durch Priesterweisheit etwasermäßigt, oft freilich auch durch engherzigen und bornierten Priesteregoismus verstärktwird. Nicht ohne schwere Kämpfe wurden, solche meist rein naturalwirtschaftliche Staats-und Gesellschastszustände einst in Asien, Ägypten , Centralamerika begründet, aber einmalbesestigt, können sie Jahrhunderte lang ohne allzu große Konflikte bestehen. Die rohenUnterworfenen und Geknechteten fügen sich in naiver Demut den kräftigen, begabtenMinoritäten, die sie beherrschen, zumal wenn letztere, von Sitte und Priestersatzunggebändigt, sich zu großer Mißbräuche der Gewalt enthalten. Strengste Eheverbote,Aufrechterhaltung verschiedener Religion, Sprache, Sitte, getrenntes Wohnen, gänzlichverschiedenes Recht scheiden die Regierenden von den Unterworfenen. Aber die gespannte

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