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Viertes Buch. Die Entwickelung des volkswirtschaftlichen Lebens im ganzen.
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Klassenordnung wird als gottgewolltes Schicksal ertragen; die Vorstellung der Gleichheit,ja der Zusammengehörigkeit, fehlt, wie das in späterer Zeit vorhandene Ehrgefühl undKlassenbewußtsein der Unterdrückten. Vor allem die indifchen Zustände sind ein Bei-spiel hierfür. Die unteren Klassen haben, wo ein solcher Zustand sich fixiert hatte,ost lange Zeiten hindurch sogar mit Liebe und Treue an ihren Herren gehangen. Unterdieser Voraussetzung hat Tarde recht, daß große sociale Ungleichheiten leichter ertragenwerden als kleine. Die abnehmende Ungleichheit und ihre schwierige Erträglichkeit tritteben erst ein, wo eine Annäherung und Vlutsmischung stattgefunden hat, wo eineandere psychologische Ideenwelt über gesellschaftliche Beziehungen, über Pflichten derHerrschenden, über die Grenze der Lasten der Beherrschten entstanden ist.
Wir halten uns bei dieser älteren Art roher Klassengegensätze nicht auf. Wirwissen auch über die historische sociale Geschichte der älteren asiatischen Völker, ja sogarÄgyptens , der älteren Jndogermanen zu wenig Gesichertes. Auch die der heutigenNatur- und Halbkulturvölker erschließen sich uns erst jetzt nach und nach, und ihre Ver-gleichbarkeit mit den historischen Völkern bleibt immer etwas problematisch. Wirbegnügen uns zunächst mit dem Versuch, das Nötigste über die Klassengeschichte derGriechen und Römer, sowie der späteren Völker Mittel- und Westeuropas zu sagen.
246. Die griechischen Klassengegensätze und Klassenkämpfe. Überdie socialen Verhältnisse der ältesten griechischen Zeit und des mykenischen Reiches mitseinem Großkönigtum wissen wir nur, daß diese der Pharaonischen entsprechende Monarchieüber sronpflichtige Bauern gebot, daß sie aus dem Eindringen ägyptisch-phönizischerKulturelemente beruhte; wahrscheinlich haben die Herrscher den Handel zur See undmit der Fremde für sich monopolisiert und haben sich aus eine seudale Berufskrieger-schast, die sich in und um ihre großen Burgen sammelte, gestützt. Man nimmt an,die asiatische Wagenkampftechnik habe diese Kriegerschaft erzeugt, und aus ihr sei derspätere kriegerische Adel hervorgegangen (Max Weber ).
Nachher im griechischen Mittelalter (1000—700 v. Chr.) sehen wir die griechischenStämme, die eben noch große Wanderungen und Schiebungen durchgemacht hatten,ähnlich wie die germanischen Stämme nach der Völkerwanderung, definitiv seßhaft werden;sie haben zunächst noch die Gliederung in Phylen und Phratrien, d. h. in Geschlechts-und Blutsgenossenschaften; sociale Gleichheit herrscht noch vielfach vor, bei den Dorernnoch im 7. Jahrhundert, als sie dem spartanischen Staate seine definitive Kriegs- undpolitische Verfassung geben. Mit der Seßhaftigkeit fallen die größeren Stämme aus-einander; die lokalen, die Gaugemeinfchaften werden die Hauptsache; die kräftigsten der-selben geben sich unter Führung des kriegerischen Adels in der Stadt einen religiösen,militärischen, priesterlichcn, politischen Mittelpunkt (I § 95). Die kleinen Bauerngütervon 30—40 Morgen herrschen vor. Aber daneben haben die großen Viehbesitzer, dieHäuptlings- und Königssamilien, und hauptsächlich die Krieger, die zugleich die Priestersind, nach und nach einen größeren Grundbesitz erworben, der bis 700 und 600 v. Chr.immer mehr wächst. Er bildet die wirtschaftliche Grundlage des Adels, während seineberufsmäßige, die ihm eine gewisse geschlossene Organisation giebt, der Waffendienst ist.Er fchiebt in dieser Zeit das alte, wenig ausgebildete Königtum wie die alte Volks-versammlung ohne Kampf beifeite, er besetzt in den Gauen und Stadtstaaten ausschließ-lich den Rat der Alten, er wird in den einzelnen Dörfern zum Schutz(Grund-)herrnund Patron der Kleinbauern. Der Besitzgegensatz bleibt aber ein mäßiger; noch zuSolons Zeit haben die ganz Reichen etwa 250, die schwer bewaffneten Hoplitenbauern(der Mittelstand) 100—150 Morgen im Durchschnitt (Ed. Meyer). In den meistengriechischen Gebieten sind große Güter durch die Natur ausgeschlossen; der steigendeReichtum des Adels beruhte daher mehr auf Handel, Schiffahrt und Kolonisation, dieim Anfang der Epoche überwiegend in seinen Händen liegen, ohne seine militärischen undpolitischen Eigenschaften zu sehr zu ändern. Die Königsgeschlechter und der Adel zeichnensich lange durch hochgemuten Sinn, politischen und ritterlichen Dienst für die Gemein-schaft aus; Maß zu halten, Gewinn und Neid zu verachten wird ihm immer wiedereingeschärft; er vereinigt die Vorzüge des Ritter- und Priestertums in sich; es ist die