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Viertes Buch. Die Entwickelung des volkswirtschaftlichen Lebens im ganzen-
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treibende Ursache der neuen Klassenbildung, der große Grundbesitz ist die Folge, großeLeistungen politischer, kirchlicher, wirtschaftlicher Art sind die Mittel des Emporsteigensini einzelnen.
Das ältere germanische Königin m von den Goten bis zu den sächsischen Kaisernist durch die vorhin (S. 511) erwähnten Ursachen emporgekommen, hat gleichsam vom Sattelaus kriegerisch und heroisch regiert, hat in kühnen heldenhaften Familien seinen Aus-druck gefunden. ^ Es ist rasch durch Eroberung und Güterkonfiskation, durch das Boden-regal, durch die Übernahme der Markenleitung zu einem ungeheuren Bodenbesitz gekommen.Dieser gestattete ihm, als die Wehrpflicht der kleinen Ackerbauern unmöglich wurde,seinen Hof- und Bezirksbeamten (den Grafen ), seinen Gefolgschaften und Reitersleuten,lebenslänglichen Grundbesitz als Benefizium zuzuweisen, was zuerst eine ungeheureStärkung des Königtums bedeutete; alle diese Beamten, Diener, Reiter schwuren alsvassi dem König den Treueid. Der große Grundbesitz wurde vom König und seinerAmtsaristokratie zur Ausbildung der großen Grundherrschaften benutzt (vergl. I § 104);diese bedeuteten technischen, wirtschaftlichen, organisatorischen, arbeitsteiligen Fortschritt.Als aber die Benefizien erblich wurden, Benefizialwesen und Vasallitätzum Lehnswesen verschmolzen, Ämter und Grundbesitz sich unlöslich, wie ein Privatrechtder Beliehenen, miteinander verbanden, da wurde aus den Senioren, Herzögen, Grafen ,Bischöfen und Äbten ein hoher Adel, der bald dem Königtum Widerstand leistete. FürJahrhunderte löste sich die Regierung in Fehden zwifchen König und hohem Adel auf;der hohe Adel führte in engerem Gebiete Fortschritte aller Art durch, er wurde in Deutsch-land von 1200—1500 zum Fürstentum; die Auflösung des Reiches in Territorien wardamit gegeben. Im mittleren Frankreich wurde der König schon im 13., in ganzFrankreich 1500—1650 Herr über den hohen Adel. In England hat der normannischeLehnskönig einen hohen selbständigen Adel gar nicht aufkommen lassen, indem er nurzerstreute Lehen übertrug, die unteren Lehensleute direkt an sich band. Im übrigen istdie ganze Entwickelung des hohen Adels in den verschiedenen Ländern fast mehr einepolitisch-administrative als eine sociale Thatsache . Sein großer Besitz ist aus politi-schen Ursachen entstanden, hat wesentlich den politischen Zwecken der Kleinstaatsbildunggedient.
Ähnliches läßt sich von der katholischen Kirche und ihrem ungeheurenGrundbesitz sagen, der wie der königliche zu Grundherrschaften, Vasallen- undLehnsbenefizien führte, im übrigen kirchlichen, Erziehung^, humanen Zwecken diente.Schon ini 8. Jahrhundert war er so riefenhaft, daß die Karolinger einen großen Teilfür Staats- und Militärzwecke säkularisierten. Ähnliches hat sich später bis ins19. Jahrhundert da und dort wiederholt. Unter den Ottonen wurden die Bischöfe inItalien und Deutschland mit Grafenrechten ausgestattet, willfährige und geschäftskundigeDiener des Kaisers. Nirgends sieht man deutlicher als hier, daß nicht der große Besitzden Stand, sondern die Leistungen des Standes den großen Besitz schufen. In denkirchlichen Gebieten waren die geistlichen Herren lange Vertreter des technischen Fort-schrittes und gütige Herren ihrer Bauern, förderten zuerst auch die Städte. Erst alsKaiser und Papst um die Herrschaft stritten, erst als die katholische Kirche ein poli-tisches Herrschaftsmittel des Papstes, die Domkapitel fette Pfründen des Adels wurden,verlor der große kirchliche Grundbesitz zu einem großen Teil seine innere Rechtfertigung,zumal als im 15. Jahrhundert auch die Kloster- und die Pfarrgeistlichkeit tief sank, dasPontifikat unter den Borgias und Medicis zu einem kunstliebenden, aller Sittlichkeitund Religiosität baren oligarchischen Tyrannenhof wurde.
Unter dem weltlichen und geistlichen hohen Adel entwickelten sich in ganz Europa aus den Gefolgschaften der älteren Könige die Reitersleute, die vom 8. —14. Jahrhundertderen Kriege und Fehden führten. Freie und Hörige traten in diesen ehrenvollen Berufein. Ein fester Lebensgang, mit bestimmten Stufen, die Ritterwürde als Ziel, entwickeltesich ; genossenschaftliche Organisationen der Ritter bildeten sich. Ursprünglich beim Herrn,auf seinen Burgen lebend, erhalten die Reiter einige Hufen zu Lehen ; selten in ältererZeit (bis ins 13. Jahrhundert) mehr als 3—8, wovon sie außer sich selbst 2—3 berittene