Teil eines Werkes 
2 (1904) Verkehr, Handel und Geldwesen : Wert und Preis ; Kapital und Arbeit ; Einkommen, Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik ; Historische Gesamtentwickelung
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Viertes Buch. Tie Entwickelung des volkswirtschaftlichen Lebens im ganzen.

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Frankreich im ganzen während derselben ruhig; im Norden und Osten standen sie gegenden Adel auf, als man ihnen weis machte, der König habe es befohlen, und verbranntenalle Dokumente ihrer Belastung, häufig mit der Bemerkung, es thue ihnen leid, daß siegegen so gute LeiZusurs so übel vorgehen müßten.

Die Konfiskation des Kirchengutes und der adeligen Besitzungen änderte an derfocial-agrarifchen Gestaltung Frankreichs nicht allzu viel; die feudalen Lasten warenbeseitigt; aber Dorfverfassung, Klein- und Teilpacht, Teilnahme aller kleinen Leute undLandarbeiter an der Allmende blieb. Nirgends ein plötzlicher Umschwung zur Großpacht,nirgends eine Austreibung von Hunderttausenden von Bauern und Köttern wie inEngland. Heute wie 1789 giebt es in Frankreich ein erhebliches großes, aber meist inkleine Pachtungen ausgegebenes Grundeigentum (V3^/s des Landes); aber über2 Millionen Bauern beschäftigen keine fremde Arbeitskraft; sie machen ein Drittel derNation aus; beinahe 5 Millionen Betriebe haben weniger als 10 ds, zu bewirtschaften.Und deshalb ist Frankreich heute noch mehr ein Land der besitzenden, sparenden Bauernund Kleinbürger als der besitzlosen Arbeiter. Dieser Zustand ist weder durch dieRevolution noch durch heftige ältere Klassenkämpfe geschaffen worden. Er ist das Er-gebnis der Geschichte, der Monarchie, des Umstandes, daß Frankreich früher niemalsdauernd von seinem Feudaladel oder von spekulativ kapitalistischen Landwirten sobeherrscht wurde, daß, wie in England , zu Gunsten einer steigenden Grundrente undsteigender Großpächtergewinne die kleinen Dorfbewohner in einen besitzlosen Tagelöhner-stand verwandelt worden wären. Der technisch-wirtschaftliche Fortschritt war dasür von1750 bis zur Gegenwart langsamer als in England .

Die deutsche agrarische Entwickelung von 14001900 ist dadurch be-dingt, daß sie von 14001550 bereits anfing, eine geldwirtschaftlich-kapitalistische zuwerden, von 15501700 aber ein wirtschaftlicher Stillstand, ja teilweise eine Rück-bildung zur Naturalwirtschaft eintrat. Im Südwesten, dem GebietderkleinstenTerritorien und der reichsten mittelalterlichen Entwickelung war dieBevölkerung von 12001500 sehr gewachsen, die alte Agrarverfassung durch Teilungim Erbgang, sreien Kauf und Verkauf des Bodens, große Verschuldung schon 1450wesentlich aufgelöst; in Stadt und Land gab es schon vielfach Besitzlose; der Kleinadelwar in Verfall. Die kleinen Landesherren und die Grundherren erhöhten die Steuernund andere Lasten maßlos. Die religiöse Gärung hatte seit den Tagen der hussitischenBewegung die Lande erfüllt, den Haß gegen die entartete Kirche, gegen Ritterschaftund Kleinfürsten gesteigert. Nun kam die große politische Bewegung der Reichsreformhinzu. Die Verschuldung an die Juden hatte schon 14401500 vielfach zu Juden-vertreibungen, aber nicht zur Ermäßigung der Verschuldung geführt. Die Reichsritter-schaft war 1522 aufgestanden, um das Kirchengut zu säkularisieren, sich und die Städtedirekt unter den Kaiser zu stellen. Die ganze Bauernschaft vom Thüringer Wald bisin die Alpen war von 1432 an immer wieder in Gärung und lokale Aufständegeraten; jetzt (1525) kam es zum Bauernkrieg, der blutig von den meisten Fürsten niedergeschlagen, von den klügsten und besten freilich durch glückliche Reformen vermiedenoder beendigt wurde (so von Ludwig V. von der Pfalz, von Philipp von Hessen ). SeitJahren hatte man den Kampf erwartet; im Bauernstande lebte noch seine alte Kraft,aber auch das Bewußtsein seines Sinkens , seiner Mißhandlung. Warum sollte ihmnicht gelingen, was die Schweizer gegen Österreich und Burgund erreicht?

Was er forderte, war im ganzen maßvoll. Abgesehen von Schwarmgeistern, diealle Schulden kassieren, alle Lasten beseitigen (in Tirol auch alle Städte aus der Weltschaffen) wollten, verlangten ihre Führer politisch ein kaiserliches einheitliches Regiment,unter das Bauernschaft, Städte und Adel sich gleichmäßig beugen sollten. Wirtschaft-lich verlangten sie a) die Beseitigung der schon halb untergegangenen schädlichen In-stitute der Leibeigenschaft, des Todfalles, des Viehzehntens, l>) die Verwendung des Korn-zehntens zur Pfarrbesoldung und zu Gemeindezwecken unter Schutz gutgläubiger ErWerberdes Zehntens, e) die Wiederherstellung des alten Rechtes auf freie Jagd, freien Fisch-fang und, soweit Kausrechte nicht entgegenstehen, sreien Holzbezug, ä) Sistierung in der