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Die deutsche und russische neuere Agrarentwickelung.
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gebiete, und um das zu hindern griff man mehr und mehr dazu, den Bauern an dieScholle zu fesseln (ihn leibeigen oder erbunterthänig zu machen), seine Heirat, seineZuwendung zu einem Gewerbe von gutsherrlicher Erlaubnis abhängig zu machen.
Nicht ohne viele Unruhen und Erhebungen war diese Entrechtung des ostdeutschenBauernstandes verlaufen: so 1573 in Kram, Steiermark, Kärnten , 1594—1597 in Ober-und Niederösterreich, 1679 — 1680 in Böhmen , 1790—1800 in manchen östlichen Gegendenwie in Kursachsen und Schlesien . Es waren Verzweifluugsausbrüche ohne große Ideen,wie sie die bäuerlichen Führer 1525 gehabt. Immer träger, stumpser, fauler war dieganze bäuerliche Bevölkerung dabei geworden. Nur langsam brach die Überzeugungvon der Notwendigkeit, sie zu schützen bei den Regierungen sich Bahn; das Steuer- undmilitärische Interesse legte es den Fürsten nahe. Den älteren bauernfreundlichen Fürstendes 16. Jahrhunderts folgten die des 18.: Friedrich Wilhelm I. und Friedrich d. G.,Friedrich Wilhelm III., Maria Theresia und Joseph II., Friedrich VI. von Dänemark und Schleswig-Holstein . Sie verboten erst jede Legung von Bauern, jede Ein-schränkung des Bauernlandes (Prenßen 1749—1807, Österreich 1769—1848), sieschränkten die Frondienste zuerst auf den Domänen ein, machten die Domänenbauernerblich (Preußen 1779, Österreich 1777), vererbpachteten die Domänengüter (Österreich1776—78, Schleswig-Holstein 1765—87), hoben die Leibeigenschaft, den Gesindezwangund Schollenpflichtigkeit auf (Preußen 1807, Sachsen 1832-35), suchten endlich diePrivatbauern zu freien Eigentümern gegen Entschädigung zu machen (1811—50).
Gerade bei der Einführung der tiefgreifenden bauernrettenden Reform gegen 1800und bis 1850 gelang es natürlich dem widerstrebenden Adel noch vielfach, seine ent-gegengesetzten Interessen geltend zu machen, noch viel Land zu erwerben, viele, besonderskleine Bauern zu legen. Immer bleibt diese Bauernrettung und -befreiung die größtesociale Reform der neueren deutschen Geschichte vor den in der zweiten Hälfte des19. Jahrhunderts für die Industriearbeiter ergriffenen Maßregeln. Und sie war imganzen eine That des Fürsten - und Beamtentums, fast ebenso dem trägen, widerstrebendenBauern als der Majorität des egoistischen Adels abgerungen. Die revolutionären Be-wegungen von 1789, 1330, 1848 haben Wohl da und dort die Reform in Fluß gebrachtund gefördert; aber im ganzen ist sie nicht das Resultat von eigentlichen Klassenkämpfen,ist nicht etwa da am günstigsten für den Bauern verlaufen, wo der Bauer sich revolutionärerhob. Die Kehrseite der Reform ist, daß man bei ihr ausschließlich an den Bauerndachte, nur ihm zu freiem Eigentum, zu einer besseren Wirtschaft verhelfen wollte. Diegroße Masse der Kossäten, der Häusler, der Tagelöhner auf dem Lande, die gerade1750—1850 so sehr wuchs, ging dabei nicht nur leer aus, sondern verlor in Zusammen-hang mit der Agrarreform Allmendeanteile, Weiderechte, auch manche Besitzrechte; siestand nach der großen Umbildung schlechter da als vor ihr, wenn sie auch nicht soungünstig behandelt wurde und so tief sank wie in England .
Nur noch wenige Worte seien über die ähnliche Umbildung in Polen undRußland gesagt; die letztere liegt wesentlich im 19. Jahrhundert, gehört aber auchin diesen Zusammenhang.
Von Polen sei nur ausgesprochen, daß der Niedergang der königlichen Gewalt,die Ausbildung einer habsüchtigen Adelsherrschaft und die tiefe Herabdrückung desBauernstandes die drei wichtigsten inneren Veränderungen des 16.—18. Jahrhundertssind; sie haben wesentlich den Untergang des Staates von 1700—1815 herbeigeführt.Der Adel zerfiel in einen kleinen Kreis sehr reicher Magnaten, die alle Genüsseund Laster Westeuropas bei sich heimisch gemacht, unfähig waren, ein gesundesrepublikanisches Aristokratenregiment zu begründen. Die Mehrzahl des kriegerischenKleinadels war bettelarm, käuflich, ohne Bildung, ohne jede politische und wirtschaftlicheFähigkeit.
Auch in Rußland (vergl. I S. 376 u. 378) sank der noch fast barbarischeaber freie, sehr lose gesiedelte, erst langsam zur Dreifelderwirtschaft übergehende Bauern-stand des 14.—16. Jahrhunderts in der Folgezeit tief herab. Der Zar hatte ihn nochim 14. Jahrhundert geschützt; im 15. und 16. kam er unter den Adel, die Bojaren