Teil eines Werkes 
2 (1904) Verkehr, Handel und Geldwesen : Wert und Preis ; Kapital und Arbeit ; Einkommen, Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik ; Historische Gesamtentwickelung
Entstehung
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Viertes Buch. Die Entwickelung des volkswirtschaftlichen Lebens im ganzen.

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lands die radikalsten Arbeiter für sich gewann, ist hier noch ein Wort beizufügen. AlleMenschen (so lehren sie) sind von Natur gleich; nur die socialen Einrichtungen habendie Ungleichheit geschaffen (Voltaire, Rousseau ). Wie alle Geschichte nichts war alseine Geschichte von Klassenkämpfen, so hat der sogenannte Mehrwert die neuere Kapital-anhäufung und diese die Großindustrie geschaffen; damit blieb als einziger socialer Gegen-satz in der neueren Zeit der der Bourgeoisie und des Proletariats übrig. Die Herrschaft derersteren beruht darauf, daß sie sich aller Produktionsmittel bemächtigt hat. Bis ins18. Jahrhundert herrschte der Feudaladel, von da erhob sich die Bourgeoisie; ihr Sieg,ihre Klassenherrschaft datiert von der Revolution von 1789; die nächste große in den1840 er Jahren hauptfächlich für Deutschland erwartete Revolution, welche zugleich alsSteigerung der bisherigen Krisen, als großer Zufammenbruch der ganzen heutigen Gesell-schaftsordnung erscheint, bringt den Sieg, die Herrschaft, die Diktatur des Proletariats;diese wird keine Klassenherrschaft mehr fein, da die Interessen der Arbeiter die derGesamtheit sind. So lange die ausbeutenden Kapitaleigentümer herrschen, nimmt dieZahl der Besitzlosen immer mehr zu, die Masse verelendet immer mehr, das Kapitalhäuft sich in immer weniger Händen an. Nur der Übergang aller Produktionsmittel indie gesellschaftlich geeinten Hände des Volkes bringt die sociale Rettung. Bis dahinerzeugt die Steigerung des Klassengegensatzes immer größere härtere Klassenkämpfe. Umsie zu führen, muß das Proletariat zum Bewußtsein seiner Interessen kommen, mußes alle nationale Besonderheit, alle anderen Gefühle abstreifen, zum internationalenWeltbunde kommen. Die Proletarier müssen eine und zwar die stärkste politische Machtwerden, die kein anderes Klasseninteresse neben sich duldet. An die Stelle der kapita-listischen Großbetriebsorganisation tritt durch den Sieg des Proletariats die demokratisch-kollektivistische, technisch vollendete Großproduktion, die in den Händen des demokratischenVolkes, der Arbeiterschaft liegt. Es ist ein historischer, unaufhaltsamer Prozeß, dernicht durch Ideale, durch einzelne geniale Personen, durch sittliche Fortschritte, sondernallein durch den immanenten Fortschritt der ökonomischen Entwickelung sein Ziel erreicht.

Diese Lehren und die auf ihrer Grundlage entstandenen socialdemokratischenProgramme enthalten eine eigene Mischung berauschender Phrasen und Übertreibungenneben ernsten Wahrheiten und berechtigten Forderungen. Mit den ersteren wurden dieMassen, hauptsächlich die roheren, ungebildeten Elemente hypnotisiert, in Gärung undBewegung gebracht, mit den letzteren die höheren Elemente des Arbeiterstandes und dieEdeln unter den Gebildeten für die sociale Reform gewonnen. Wir müssen einigeWorte über das Falsche und Wahre der Lehre sagen-

Daß alle Menschen von Natur gleich seien, schmeichelte früher und schmeicheltheute noch der schwieligen Faust, dem kleinen Manne; aber kein anthropologisch Ge-bildeter glaubt es heute mehr. Der Versuch, alle patriotisch-nationalen Gefühle aus-zurotten, die Jnternationalität der Arbeiterfache zu betonen, war ein echt weltbürgerlich-jüdischer und deutscher Gedanke und erschien zugleich als ein gutes Mittel, die herrschendenGewalten herabzusetzen, ihren Sturz vorzubereiten; praktisch hat der heutige Weltverkehrüberall stärkere internationale Beziehungen hergestellt: die Fürsten , die Aristokratie,der Geldmarkt, die Wissenschaft, die Arbeiter sind internationaler geworden als früher;aber sie hören damit nicht auf, nationale selbständige Interessen zu haben. Die englischen,amerikanischen, französischen Arbeiter bleiben bei allem Kampf für ihre Interessen gutePatrioten, und die deutschen Socialdemokraten sind es auch viel mehr, als sie es zugestehen wagen dürfen. Die Hoffnung auf eine große Revolution im Sinne von17891793, aber mit ganz anderem Erfolg, auf eine Revolution, welche die Herrschaftdes Proletariats, das Verschwinden aller socialen Klassen begründe, war ein Erbstückdes bürgerlichen Radikalismus, sie ist bis heute der Kitzel, um die untersten Schichtendes Arbeiterstandes mit chiliastischen Hoffnungen zu erfüllen; Marx felbst war imAnfang wütender Revolutionär im blutigen Sinne, im Sinne einer Gewaltdiktaturlg, Robespierre , später wurde er ruhiger, wissenschaftlicher Evolutionist; die heutigendenkenden Führer wissen recht gut, daß jede eigentliche Revolution mit ihren Schrecken,ihren Kreditstockungen den Arbeiter am meisten schädigt; aber sie brauchen den Popanz