Teil eines Werkes 
2 (1904) Verkehr, Handel und Geldwesen : Wert und Preis ; Kapital und Arbeit ; Einkommen, Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik ; Historische Gesamtentwickelung
Entstehung
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Viertes Buch. Die Entwickelung des volkswirtschaftlichen Lebens im ganzen.

lichen Urteils ungezählter Generationen arbeitete darauf hin, gewisse Rechtsgrundsätze zurhöchsten Macht auf Erden zu erheben. Der roheste Häuptling schon, der Recht spricht,hüllt sich wenigstens in den Mantel des Rechts, gibt vor, im Gesamtinteresse zuhandeln. Immer nötiger wurde es für alle Herrschenden, Rücksicht auf das Gesamt-interesse zu nehmen, ihren Klassenegoismus zu bezähmen. Und trotz aller Rückfälle,aller neu entstehenden Klassenmißbräuche, zeigt die Geschichte doch einen Fortschritt, dereinerseits auf der wachsenden Einsicht in die politischen und socialen Zusammenhänge,auf der zunehmenden Ausbildung des feineren Rechtsgefühls in den regierenden undregierten Kreisen ruht, andererseits auf der Ausbildung der Rechtsinstitutionen undVerfassungsformen, welche die Klaffenmißbräuche hindern und trotz derselben eine festeund gerechte Regierung leichter machen als srüher, welche darauf hinarbeiten, allen Klassenihren legitimen Einfluß zu sichern, aber keiner allein die Herrschaft auszuliefern. Nienatürlich wird dieses Ziel ganz erreicht. Aber immer wieder streben die großen politi-schen Bewegungen darauf hin.

Die griechischen Staatsideale, das römische Amtsrecht in der Zeit des Freistaates,das harte Imperium der Cäsaren, das durch das Christentum humanisierte Recht desMittelalters, die mittelalterliche Kirche mit ihren Instituten, die aufkommende moderneStaatsgewalt, der aufgeklärte Despotismus mit seinen Kämpfen gegen das feudal-ständischeKlassenregiment, mit seiner Bemühung um ein gutes Gerichtswesen, um eine lautereVerwaltung, die neueren konstitutionellen Verfassungen mit ihren Rechtsgarantien, dieVersuche der neueren Demokratie, den unteren Klassen eine bessere und gerechtere Stellungzu verschaffen, das sind alles Stationen auf dem schwierigen, dornenvollen Wege derMenschheit, zu einer großen und festen Regierung ohne zu viel Klaffenmißbräuchezu kommen.

Die weltgeschichtliche Rolle des Cäsarismus und der erblichen Monarchie war es,die starken unerschütterlichen, von Polizeigewalt, Beamtentum, Heeresverfassung ge-tragenen Staatsgewalten herzustellen; die Rolle der konstitutionellen und demokratisch-republikanischen Bewegungen war es, die Mißbräuche dieser Gewalten wieder zu bekämpfen.In dem Maße wie es möglich sein wird, feste, dauernde Staatsgewalten auch inaristokratischen und demokratischen Republiken und hauptsächlich solche ohne Klassen-Herrschaft zu haben, wird vielleicht die Monarchie als Staatsform zurücktreten. Bisjetzt hat es kaum diesen Anschein. Die heutigen großen Republiken und die ihnenangenäherten schwachen Monarchien zeigen entweder plutokratische oder feudale Klassen-herrschaft oder eine zur Alleinherrschaft populärer Staatsmänner und Diktatoren neigendeStaatsform. Die europäischen Staaten also, welche mit einer festen erblichen Monarchieeine freie Verfassung verbinden, scheinen zunächst immer noch die beste Garantie gegenzu große Klassenmißbräuche zu bieten.

Ihre Aufgabe wird ihnen in der Gegenwart hauptsächlich durch folgende Um-stände erleichtert: 1. durch die politische Arbeitsteilung, welche besondere Stände undKlassen geschaffen hat, die ihre Lebensarbeit dem staatlichen Dienste und den öffent-lichen Interessen widmen, 2. durch die steigende Macht der öffentlichen Meinung und3. durch die Thatfache, daß die heutigen socialen Klassen zwar stärker organisiert, imKampfe oft fogar egoistischer als früher geworden, aber doch in den europäifchen Groß-staaten auch weiter gespalten als srüher, durch das Recht mehr am rücksichtslosen Vor-gehen gehindert, sich gegenseitig im Schach halten. Schon in den Priesterstaatenberuhte das relativ gute Regiment auf der Thatsache einer Speciälschulung derHerrschenden sür die Herrschast; teilweise war es auch in der kriegerischen Aristokratieso; Platos Idee einer Philosophenregierung entspringt demselben Gedanken, den dannder Principat in der Schaffung seines Beamtentums freilich noch unvollkommen aus-führte. Erst die letzten Jahrhunderte haben nun aber in den meisten europäischenStaaten einen Kreis von Juristen, Beamten, Offizieren, Geistlichen, Lehrern geschaffen,die, häufig aus allen Kreisen der Gesellschaft sich rekrutierend, doch gleichmäßig aufden Universitäten gebildet, teils durch Besitz, teils durch Besoldung wirtschaftlich sichergestellt, ihr ganzes Leben den öffentlichen Geschäften widmen. Diese Kreise sind teilweise