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Die falschen politischen Ideale der Socialdemokratie.
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Bildungsstand der unteren Klassen, den Leistungen der oberen, dem verschiedenen Be-dürfnis einer starken und festen Regierung angepaßt sein.
Vor allem aber giebt es gewisse extreme demokratische Einrichtungen, die in kleinenGemeinden oder Kantonen gesund, in Großstaaten nur schädlich wirken. Daher ist esnicht unlogisch, wenn viele Radikale, wie schon Owen und Fourier, alle Großstaatenwieder in Kanton- und Kleinstaaten oder gar in kleine Gemeinden auslösen wollen;sie vergessen nur, daß sie damit alle höhere Kultur und alle nationale Selbständigkeitaufhöben. Diejenigen Socialisten, welche am Großstaat festhalten wollen, haben meistüber die Vorbedingungen seiner Entstehung, über die internationalen Machtkämpfe, dieihn bedrohen, über die innere Machtstruktur, die er voraussetzt, keine oder ganz unklareVorstellungen. Sie glauben ihu verträglich mit einer Verfassung, wie ihn ein Arbeiter-verein von SO—100 Mitgliedern haben kann. Die direkte Gesetzgebung durch dasganze Volk (obligatorisches Referendum), das imperative Mandat der Abgeordneten,das diese zwingt, statt nach ihrer Sachkenntnis und Überzeugung nach dem jeweiligenWunsch der Wähler zu stimmen, das Einkammersystem, die jährlichen Wahlen, dasabsolute Kopfzahlsystem bei allen Wahlen, die Entscheidung über Krieg und Friedendurch das ganze Volk — das sind die extrem demokratischen Forderungen, welche aufdem Gedanken der Volkssouveränetät ruhen, die großen Entscheidungen von Regierungund Parlament aus die Massen und ihre Stimmungen und Leidenschaften verlegenwollen. Sie gehen von der falschen Vorstellung aus, daß die unteren Klassen sichstets durch Weisheit und Tugend auszeichnen, daß ihre Stimmen summiert die höchsteEinsicht repräsentieren. Dabei ist ganz übersehen, daß alle Massenentscheidungen stetsmehr durch Gefühl und Leidenschaft als durch Verstand und Sachkenntnis erfolgen, daßdie Summierung aller Stimmen einer in ihrer Bildung abgestuften Gesellschaft dasResultat stets herabziehen aus die niedrigen Bedürfnisse, Vorurteile und Gedanken, dieallen gemein sind, daß selbst bei den Gebildetsten und Charaktervollsten der Verstandin dem Maße abnimmt, wie sie zu größeren Versammlungen vereinigt in der Erregungabstimmen. Daher hat man seit Jahrhunderten in allen größeren Kulturstaaten dieletzten großen Entscheidungen einem Manne, andere einem kleinen Kollegiumvon 5—10, wieder andere Senaten und Kammern von 200—600 übertragen.An dem Versuche, durch das ganze Volk zu regieren, sind die antiken Republiken zuGrunde gegangen. Der größte politische Fortschritt seither, die Regierung durch Ministerund Parlamente, wird durch obige demokratische Forderungen annulliert.
Und das Gleiche gilt von der Forderung einer jährlichen Wahl aller Beamten undRichter, einer Beseitigung der stehenden Heere. Der Radikalismus will durch ersteresdie seste Organisation der heutigen Staatsgewalt vernichten; er vernichtet aber dadurchviel mehr: die Rechtscrrungenschast von Jahrhunderten, die Besorgung der Staats-geschäfte durch unabhängige, charakterfeste, berufsmäßig geschulte Männer, den Ver-waltungsmechanismus, der in vielen Generationen langsam und kunstvoll entstandenist, ohne welchen auch die heutige Volkswirtschaft in Ländern dichter Bevölkerung nichtleben kann; er setzt damit die Anarchie an Stelle fester Ordnung, er übergiebt bestech-lichen Stellenjägern die Staatsgeschäste, macht den Staatsdienst zu einem unsicherenErwerbsgeschäft, führt die Korruption in Gemeinde und Staat noch in ganz anderemMaße ein, als sie leider schon heute vor allem in den am meisten demokratisch undparlamentarisch regierten Staaten besteht. Die Basierung des Heeres auf allgemeineWehrpflicht mit kurzer Dienstzeit ist gewiß eine berechtigte demokratische Forderung;aber sie wirkt nur gut durch die Beifügung der aristokratischen Einrichtung der Beruss-offiziere und -Unteroffiziere.
Der vernünftige Socialismus und Radikalismus der neuesten Zeit, wie z. B. derder englischen Fabier, hat daher auch bereits alle diese demokratischen Forderungen alsarchaistische und falsche erklärt. Die englische Gewcrkvereinswelt hat seit 40 Jahren dieLeitung ihrer Geschäfte mehr und mehr einer Arbeiteraristokratie und einem Arbeiter-beamtentum übergeben (vergl. oben S. 402). Praktisch geschieht Ähnliches mehr undmehr auch in Deutschland ; in der Socialdemokratie wächst die Gewalt und Autorität