Teil eines Werkes 
2 (1904) Verkehr, Handel und Geldwesen : Wert und Preis ; Kapital und Arbeit ; Einkommen, Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik ; Historische Gesamtentwickelung
Entstehung
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570 Viertes Buch. Die Entwickelung des volkswirtschaftlichen Lebens im ganzen. ^1028

Attikas stets ^3 im Interesse des Lokalbedarses von der Ausfuhr ausgeschlossen sei. Aberdie im Inneren vorkommenden Aus- und Einfuhrzölle waren sehr mäßig, wesentlichFinanzzölle, und betrugen in der Regel nur 25 °/o. Die Sachkenner nehmen an,die die römischen Bürger einseitig begünstigenden Handelseinrichtungen der früherenZeit seien von den Kaisern beseitigt oder ermäßigt worden. Der Handel über dasReich hinaus unterlag kaum einer handelspolitischen Ordnung, sondern mehr einer mili-tärischen und Sicherheitsrcgelung; es wurde an gewissen Punkten die Ausfuhr vonWaffen und Kriegsmaterial, auch von Öl, Getreide, Salz und Geld verboten; eswurde an gefährdeten Stellen den Römern das Betreten des Auslandes, den Barbarendas des Inlandes verboten. Das ist ähnlich unter Karl d. Gr. und später an derslavisch-deutschen Grenze bis ins 17. und 18. Jahrhundert vorgekommen, hatte stetslokale Ursachen, nicht große handelspolitische Zwecke.

Wollen wir kurz sagen, was das Wichtigste und Neue in dieser antiken Handelspolitikwar, so ist es einerseits der Fortschritt von einer bloßen Stadt- zu einer Bundes- undReichshandelspolitik. Das Fremdeurecht spielt noch eine große Rolle, wird aber in Athen und Rom zeitweise human ermäßigt. Neben einer Politik, welche nur die Handelsüberlegen-heit der seefahrenden Zwischenhändler steigern will, kommt schon eine Handelspolitikvor, die auf Aus- und Einfuhrsörderung von Industrie-Waren, ja von Getreide undNahrungsmitteln zielt. Neben der barbarisch-monopolistischen Härte der punischen undteilweise auch der griechischen und römischen Handelspolitik beginnen entgegengesetzteStrömungen infolge von Bundesverhaltnissen und großer einheitlicher Reichsbildungen.Immer bedeutet die Handelspolitik in der antiken Staatenwelt nicht so viel wie in derneueren Zeit, weil damals Natural- und Eigenwirtschaft vielmehr vorherrschen, weil nichtwie in den letzten Jahrhunderten ein so großer Teil aller Produktion und Einkommens-verteilung vom Handel und den Institutionen abhängt, die seine Entwickelungen sördernoder hemmen können.

256. Die mittelalterliche Handelspolitik der Städte, haupt-sächlich der italienischen und deutschen; die hanseatische Handels-politik. Die mittelalterliche Handelspolitik ist wieder wesentlich eine städtische. So-weit größere Staatsbildungen vorhanden sind, stellen sie lose agrarische Körper dar, diefinanzielle, kriegerische, kirchliche Zwecke haben, die da und dort die Reste antikenHandels erhalten, den neu sich bildenden Verkehr fördern, den Kaufleuten Rechtsschutzverleihen, das Gast- und Fremdenrecht, soweit es barbarische Züge trägt, mildernwollen, die aber eine eigentliche Handelspolitik nicht treiben.

Wir begnügen uns, über die Handelspolitik der italienischen und deutschen Städte,sowie über die des hanseatischen Bundes, einiges zu sagen.

k. Der italienische Handel des srühen Mittelalters hat aus dem Altertummancherlei Gewohnheiten, Einrichtungen und Verbindungen gerettet. Italien bliebneben Byzanz das Bindeglied für die Versorgung des Abendlandes mit den Waren desOrients. Die zwei Städte, die zuerst durch ihren Handel emporkamen, dankten es derlangen Erhaltung ihrer politischen und sonstigen Beziehungen zu Byzanz. Aber diestaatliche Einheit Italiens ist verschwunden. Die großen Kommunen gehen die Wegeeiner egoistischen Stadtwirtschaftspolitik; jede sucht der anderen zu schaden, ihr den Zu-gang zu den Schätzen des Orients zu sperren, dort ein Monopol zu erreichen, wenn esgeht, den Rivalen zu vernichten. Es handelt sich um eine durchaus kriegerische, gewalt-same Handelspolitik, vielfach auch um ein schroffes Fremdenrecht.

War Amalfi von etwa 800 bis 1031 in der Vorhand gewesen, so verlor esdurch seine Einverleibung in den Normannenstaat 1031 seine Vorrechte in Byzanz und1135 durch seine Eroberung seitens einer pisanischen Flotte so ziemlich seinen Handel.Pisas Handclsblüte fällt in die Zeit von 1017 bis 1284; im erstern Jahre hat esSardinien erobert, war dann durch die Kreuzzüge und zahllose auswärtige Stationenund Burgen (man zählte 554) reich geworden; es beherrschte das westliche Mittelmeer ,bis es 12841300 den Kämpfen mit Genua erlag. Genuas Glanzzeit liegt 12061381;wie vorher der Kampf mit Pisa, so steigerte später der mit Venedig seine Kräfte; es