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Viertes Buch. Die Entwickelung des volkswirtschaftlichen Lebens im ganzen.
Das ständische Klassenregiment in Preußen, Brandenburg, Pommern, Magdeburg hatte es bis gegen 1650—1666 verstanden, die Entscheidungen mehr zu Ungunsten derStädte zu beeinflussen. Aber je mehr der Große Kurfürst seine Gewalt besestigte, destoöfter entschloß er sich, die städtischen Interessen zu berücksichtigen, die sremden Händlerund Hausierer zu beschränken, je nach den Ernteaussällen und den Landesinteressen dieAussuhr von Getreide, Vieh, Hopfen, Flachs, Hanf, Leder, Fellen zu verbieten, aller-dings ost mit Ausnahmen für den Adel. Es war ein Fortschritt, daß die Landes-herrschaft der maßgebende Faktor wurde, aber die Handhabung der Verbote war oftnoch verfehlt, wie wir es oben schon (S. 578) schilderten. Doch wurde manches anders.Neben Verboten sür kurze Zeit beginnen jetzt auch dauernde Ausfuhrverbote aus derMark: 1664 für alles Kupfer im Jnterresse des Neustädter Kupferhammers, 1685 fürHadern zum Papiermachen, 1694 für alles Eisen. Es beginnen auch vorübergehendeund dauernde Einfuhrverbote, so 1668 für fremde Mühlsteine, da der Kursürst bei Pirna Brüche erworben hatte und das Land damit versorgte; so immer wieder 1611—1710für Glaswaren, 1634 für Kupferwaren, dann für Eisenwaren von 1666 an; die sreieSalzeinfuhr hörte mit der Ausdehnung des Salzregals und der Versorgung des Staatesdurch das Magdeburger Salz von 1680—1750 auf. All' das waren aber immer nochunvollkommene, oft schlecht ausgeführte Anfänge einer landesherrlichen Handelspolitik.
Ein feineres Instrument für dieselben bot sich, als 1680—1690 in den sämtlichenmittleren Provinzen die öfter einzuführen versuchte, 1667 definitiv in den Städtendurchgeführte Accise ganz in Staatsverwaltung übergegangen war, wesentlich zu einerThorsteuer mit strenger Kontrolle alles Einganges in die Städte geworden war. Nunkonnte man durch Abstufung der Accisetarife und strengeres Verbot von Handel undGewerbe auf dem Platten Lande in diesem geographisch zerklüfteten Staate die Aus-und Einfuhr doch einigermaßen sicher besteuern, kontrollieren, verbieten. Die Handels-politik ist so von 1686—1806 überwiegend Accisetarifpolitik.
Nachdem man 1681 die einheimischen Tücher mit 1, die geringen sremden mit 2,die feineren mit 4°/« des Wertes belegt hatte, schritt man 1687—1689 zur Ermäßigungder Aussuhrbesteuerung für einheimische Tücher, zum Verbot der Einsuhr geringer Tücher,zur Belegung der fremden feinen Tücher mit 6 und 10°/o; 1701 folgte eine Differen-zierung für die fremden Gewebe von 2^2—25°/o des Wertes; die niedrigen Sätze tratenfür die Stoffe in Kraft, die man brauchte und zunächst nicht im Lande machen konnte.Stockung der Geschäfte, Menschen- und Viehsterben, hohe Wollpreise und die Klagen haupt-sächlich der hugenottischen Geschäftsleute erzeugten dann 1713—1723 eine Verschärfungdes Systemes: möglichst Gewichts- statt Wertsätze, Ausdehnung der Einfuhrverbote aufeine Anzahl Waren, Erhöhung mancher Sätze auf 10—40°/« des durchschnittlichenWarenwertes, hauptsächlich aber das nun auch für die Rittergüter der sämtlichenmittleren Provinzen durchgeführte Verbot der Wollausfuhr nebst Beschränkung deröstlichen Getreideeinfuhr auf die Durchfuhr, charakterisieren diese von Minister Grumbkowdurchgeführte Schutzzollverschärfung. Sie hob in Zusammenhang mit dem Export nachRußland und anderen günstigen Umständen und Maßnahmen die Industrie und denWohlstand sehr, erzeugte aber 1718—1728 einen starken handelspolitischen Kamps mitKursachsen, der glücklicherweise mit einem billigen Handelsvertrag 1728 endigte; dieserbeließ die bestehende Sperre, resp, die hohe Belegung für die jedem Staate besonders amHerzen liegenden und geschützten Industrien, gab aber im übrigen den Verkehr relativsrei; Sachsen konnte z. B. seine große Leineneinfuhr nach Brandenburg beibehalten;der Vertrag blieb bis 1753 in Kraft.
Die schlechten Geschäfts- und Erntejahre 1737—1743 brachten allgemein etwaserhöhte Accisetarise 1739, Vermehrung der Einführverbote (1741 sind es 19 Waren-gruppen) und einzelne spezielle Schutzzollerhöhungen. Friedrich der Große sucht energischereinzugreifen, verschafft sich seit 1749 eine ausführliche, ihn in seinen Maßnahmen be-herrschende Handelsstatistik, führt mehrfach Export- oder Produktionsprämien ein. Imganzen aber bleibt das System ähnlich wie 1713—1740, bis der Konflikt mit Sachsen überdas Transitozollsystem (1755) und der Übergang Österreichs zu einem schroffen Sperr-