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Viertes Buch. Die Entwickelung des voltswirtschaftlichen Lebens im ganzen.
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systems kleinere schwächere Staaten sich durch Fremdenrecht, Schiffsgesetzc, Schutzzölle gegengrößere, stärkere, sie mißhandelnde sich handelspolitisch wehrten, wird niemand das falschfinden. Aber wo die starken sich zu brutal benahmen, ist das Gegenteil der Fall; daschlössen sich leicht auch für sie — neben den ersten Machterfolgen — später die größtenNachteile an den Machtmißbrauch. Portugal und Spanien mußten das erleben, wieEngland durch den Verlust der Vereinigten Staaten .
Ein erheblicher Teil der handelspolitischen Kämpfe des Zeitalters knüpft an dasältere unvollkommene Völkerrecht an. Als der Papst die Weltmeere durch einen Strichauf der Weltkarte zwischen Portugal und Spanien geteilt, empfand dies die übrige Weltals ein grobes Unrecht und fchwere wirtschaftliche Schädigung. Es entstand der langeStreit, ob es ein staatliches Eigentum an den Meeren gebe. Die Holländer ließendurch Hugo Grotius die Freiheit der Meere verteidigen, führten aber praktifch die Un-freiheit in den asiatischen Meeren durch. Ähnlich bekehrten sich die Engländer raschvom inilrs lilzsium zum mars clausum Lrittki-nieum. Seiden behauptete, das brittischeReich reiche bis zu den gegenüberliegenden Küsten. In den neu erworbenen Kolonienfehlte leicht jede Kontrolle und Schranke der staatlichen Macht; man denke an dieGreuel der Negerjagd und des Negerhandels, an die Barbareien, durch welche England in Indien Herr wurde, an die vielfach maßlosen Einschränkungen alles wirtschaftlichenLebens in den Kolonien. Auch weitere Punkte des Völkerrechts waren von durch-schlagender Bedeutung für die damalige Handelspolitik. Wir sahen, bis zu welchenGewaltthaten das Kapcrwesen führte. Allen Neutralen zeitweise jeden Handel zu ver-bieten, ihre Schiffe zu nehmen, haben die starken Mächte, besonders England , bis 1815in Kriegszeiten sich angemaßt. Nur langsam siegte von 1600—1856 ein etwas civili-sierteres Seekriegsrecht, das die neutralen Staaten schützte, dem Grundsatz „frei Schiff,frei Ware" Geltung verschaffte. Die Vorstellung, daß Handelsverträge nur ihr Ziel er-reichen, wenn die stärkeren und klügeren dabei die schwächeren und ungeschickteren Staatenbetrügen, gehört recht eigentlich der Zeit des Merkantilismus an. Mit Bestechung wirdauch heute da und dort in der Diplomatie gearbeitet, aber doch entfernt nicht mehr so,wie in der Handels- und anderen Politik des 17. und 18. Jahrhunderts.
Das sind die schwarzen Schatten des Merkantilsystems: ein Teil der Erfolgewar Machtmißbräuchen zu danken, die in ihren ferneren Folgen ungünstig wirkenmußten, die politifche und wirtschaftliche Organisation vergifteten, zu Reaktionen undspäteren Niederlagen die Keime legten.
Dazu kam nun die technische UnVollkommenheit der Mittel, mit welchen derMerkantilismus arbeitete. Das Beamtentum war meist noch nicht geschult und integergenug. Das Übermaß der Staatsthätigkcit erzeugte bei seiner ersten großen Ausdehnungzu viel Korruption, Täuschung, Betrug, Mißgriffe aller Art. Nehmen wir nur dieAusbildung der Zolltarife; von wenigen Dutzend Positionen waren sie vom 16. bis18. Jahrhundert auf Hunderte und Tausende gestiegen; meist waren es noch Werttarife,die zu lauter falschen Deklarationen führten. Die Zollpflichtigen waren meist schutzlosder Willkür der Beamten ausgesetzt. Bei den Tendenzen zu nationalem Schutz schrittman fast allerwärts zu rasch von Zöllen im Betrag von 5—25°/» zu solchen von5V—200 °- o des Wertes, verwandelte zu häufig die Zölle in Aus- und Einfuhrverbote;zu lange ließ man die Ausfuhrzölle des Mittelalters, die Rohstoffzölle bestehen. DieFolge war ein maßloser Schmuggel, Bestechung der Zollbeamten, Betrug aller Art.In Westindien wurden ^/iv der Einfuhrwaren geschmuggelt. Von den ehrbaren Gründernder Vereinigten Staaten waren sehr viele notorische Schmuggler. In England schätzteman 1780, daß 2 Mill. Menschen am Schmuggel beteiligt seien; von 13^/s Mill. PfundThee wurden 7 Mill. geschmuggelt; von der französischen wirklichen Einfuhr nach Eng-land von 24 Mill. Livres waren 13 geschmuggelt. Eine unerhörte Korruption ver-breitete sich so über allen Handel. Und diese Korruption setzte sich fort in die Parla-mente und in die Regierungskrise; die Interessenten wußten für sich Zölle, Prämien,Rückzölle durchzusetzen. Immer mehr entschieden in vielen Staaten nicht die Gesamt-,sondern habsüchtige Privatinteressen. Der ganze Apparat des Zollwesens war nun