Teil eines Werkes 
2 (1904) Verkehr, Handel und Geldwesen : Wert und Preis ; Kapital und Arbeit ; Einkommen, Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik ; Historische Gesamtentwickelung
Entstehung
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Die Theorien des Merkantilismus.

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ganze Länder her; es war ein großer Fortschritt in der Erkenntnis einer der aller-wichtigsten Erscheinungen der Volkswirtschaft. Nun erst sah man, so unvollkommenauch die Zahlen waren, einigermaßen klar sür alle staatliche Beeinflussung des Handelsund der Produktion, sür allen Abschluß von Handelsverträgen. Das Detail und derjährliche Wechsel an dieser Statistik waren das Wertvollste. Das öffentliche Interesseaber hestete sich an die Hauptsummen, an die hieraus berechnete sogenannte günstigeoder ungünstige Bilanz. Immer war die Frage, was ergeben diese Hauptsummen,ergeben sie Verlust oder Gewinn des Landes zum Vorteil oder Nachteil anderer Staaten,sür den nicht ganz unnatürlich, der nicht an die Harmonistische Fiktion glaubt, beijedem Handel müßten stets beide Teile gleich gewinnen. Es war nur zweifelhaft, obaus diesen Hauptsummen eine sichere Antwort über Gewinn und Verlust des Staates,ja über Zu- und Abnahme des Geldvorrats herauszulesen war. Man war nicht sähig,die Zahlen kritisch zu prüfen, noch weniger die Edelmetallaus- und Einfuhr richtigfestzustellen. Man kannte den Mechanismus der Bezahlung durch Wechsel noch nichtgehörig. Man überschätzte den Einfluß des Geldvorrates auf den Nationalwohlstand,wähnte, jede Geldzunahme sei Reichtumssteigerung, während die letzten Ursachen dessteigenden Reichtums in den produktiven Kräften der Nation, in ihrer wirtschaftlichenOrganisation, in dem steigenden Absatz ihrer Produkte im In- und Auslande liegen,eine steigende Geldsumme mehr die Folge als die Ursache dieser Erscheinungen ist.Vollends war es salsch zu glauben, wie in England von 1670 an, wenn Frankreich mehr nach England als umgekehrt an Waren einführe, so bedeute dies Verarmung undmüsse durch ein Verbot der meisten französischen Waren gehindert werden. Die Bilanz mitdem einen Lande kann ja stets durch eine umgekehrte mit anderen Ländern ausgeglichenwerden. Die Engländer hatten sich auch längst durch ihre großen Handelsschriftstellerbelehren lassen, daß ihre große überwiegende Geldaussuhr nach Ostindien durch denüberreichen Verkauf ostindischer Waren an andere europäische Staaten ausgeglichenwerde. Auch andere Schwächen der älteren Bilanzlehre hatten schon Mun, North,Forbonnais , Galiani aufgedeckt. Im ganzen aber herrschte freilich der Aberglaube biszu Adam Smith unbedingt vor, daß jedes Land verarme, das nicht seinen Geldabflußdurch hohe Zölle und Verbote hindere. Der berechtigte Kern aber, der in salscherFormulierung in dieser Lehre steckte, war der: man sah, daß die ärmeren zurück-gebliebenen Staaten (wie es England noch bis in die erste Hälfte des 17. Jahrhundertsgegen Holland und Frankreich war) im Handelsverkehr mit reichen leicht verlierenkönnen; nian sah, daß manche Staaten, besonders die ohne Industrie, ohne aktivenHandel, durch die übermäßigen Luxuskonsumtionen ihres Hofes und Adels oder andereUmstände zeitweise von ihrer Geldcirkulation zu viel verlieren; man sah, daß aktivevoranschreitende Staaten mit reicher lebendiger Geldcirkulation Fabrikwaren exportierenund hielt ihre Geldmenge für die wesentliche Ursache des Wohlstandes, während sie nureines der Hülssmittel, teilweise nur die Folge des wirtschaftlichen Fortschrittes war.Nicht im Sinne des momentanen Geldverlustes, sondern im Sinne dauernder Handels-und Wirtschaftsblüte ist der Satz von Forbonnais wahr: l-i dal-i-nes eomrosroe vstvöritülzlömöiit I» tialanos «lös ^ouvoirs.

Auf die neuere Kritik der Handelsbilanztheorie und ihre heutigen Kontroversenkommen wir unten (S. 649) zurück.

263. Die Entstehung der Freihandelstheorie und ihre schutz-zöllnerische Kritik 17S01860. A. Smith, Fr. List, Marx. Wenn dieBetonung der Handelskämpfe und des Handelsneides, die schutzzöllnerische Absperrungder Staaten unter einander und die Leitung alles Handels und aller Produktion durchstaatliche Maßnahmen das Wesen des Merkantilsystems ausmachte, so mußte eine neueTheorie, welche das alte System beseitigen wollte, ebenso von der individuellen Freiheitund von der natürlich-harmonischen Ordnung des wirtschaftlichen Lebens ausgehen;wie man bisher vom Staate, von seinen Eingriffen, vom Zwange, vom National-interesse allen Fortschritt erwartet hatte, so jetzt vom Erwerbstrieb, vom geläutertenindividuellen Egoisnius. Alle die bisher unter der staatlichen Ordnung gelitten, von