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Viertes Buch. Die Entwickelung des volkswirtschaftlichen Lebens im ganzen.
ihr geringen Vorteil gehabt hatten, alle, die an den endlichen Sieg der Vernunftglaubten, alle, die von den idealistischen und individualistischen Ausklärungsidealen1750—1850 erfüllt waren, stellten sich in den Dienst der Freihandelsideen.
Einen freieren Verkehr von Land zu Land hatten schon einzelne der großenenglischen Handelsschriftsteller des 17. Jahrhunderts, dann zu Anfang des 18. dieenglischen Tories wie Bolingbroke verlangt. Noch mehr thaten es die Physiokraten, dievor allem sreie Ausfuhr für das französische Getreide wünschten (I, S. 89. 90). Hume hatte die Handelsbilanz- und Geldlehre der Merkautilistcn angegriffen. Aber erstA. Smith (vgl. 1, S. 90) gab der Freihandelslehre ihre siegreiche Formulierung. Zwarläßt er Zölle für Industrien, die der Landesverteidigung dienen und für die heimischeMarine, auch Retorsions- und Steuerausgleichszölle zu und empfiehlt die Aufhebung derSchutzzölle für von alther geschützte, viele Menschen beschäftigende Gewerbe in langsamschonender Weise. Aber alle übrigen Maßnahmen des Merkantilsystems erscheinen ihmfalsch, durch Klassenherrschaft der Interessenten erschlichen; die Schutzzölle, die Aus-uno Einfuhrverbote, das Kolonialsystem leiten Kapital und Arbeit in falsche Bahnen,verteuern, schaffen ungerechte Monopole. Seine Hauptvorstellung, die er wesentlichdem Unterschied der Klimate, der geographischen Ausstattung der Staaten entnimmt,ist folgende: die einen Staaten können diese oder jene Waren billiger und besserals andere herstellen; alle gewinnen, wenn jede Nation das produziert, was siebilliger und besser machen kann, wenn jede da verkauft, wo sie höheren Preis er-hält, da einkauft, wo die Ware billiger als zu Hause ist. Wo man nicht darnachhandelt, verteuert man das Leben, vermindert die Konsumtion. Die Schutzzöllekönnen die Gesamtproduktion gar nicht erhöhen, da sie von der vorhandenen Kapital-mengc abhängt. Das Interesse der Konsumenten an der größtmöglichen Billig-keit der Ware» soll allein die Handelspolitik beherrschen. Die Gefahren, die derMerkantilist sieht, scheinen A. Smith gar nicht vorhanden. Nur eine kleine Zahl vonIndustrien kommt für den internationalen Handel in Betracht. Der Transport vonGetreide, Vieh, allen schweren Waren ist von Land zu Land viel zu teuer; England führt höchstens !/ö?i seines Jahresbedarfes an Korn ein; wie foll ihm da freier Handelgefährliche Konkurrenz machen. Auch werde der Freihandel kaum je Arbeiter brotlosmachen. Die wenigen etwa entlassenen fänden stets leicht wieder andere und zwar pro-duktivere Beschäftigung.
Der geographische Kern der neuen Lehre war ebenso wahr wie der Vorwurf derVerteuerung und der Monopole infolge vieler merkantilistischer Maßnahmen und dieBetonung der damaligen Transportverteuerung, die schon ganz genügend fremde Konkurrenzabhalte. Vor allem, die Lehre war zeitgemäß für das damalige England , das Smithallein näher kannte, aus dessen Zuständen heraus er allein argumentierte. Ihre großeWirksamkeit erhielt die Lehre aber dadurch, daß sie mit dem großen Befreiungskampfgegen die Mißbrauche und die maßlose Vielregiererei der Zeit zusammentraf, daß sieder Mirlelvunk: eine.; großen optimistischen l^edantensystems wurde, das .'vreilieit desWirtschaftlichen Handeln« auf allen Gebieten sorderte. Die Verkündigung dieser all-gemeinen Freiheitslehre entsprach den politischen und philosophischen Tendenzen der6-', ">nr>e der «ternpunkr der ganzen Naturlehre der Volkwirtjetuvt; sie wurdeVon den fähigsten Köpfen der Zeit mit Enthusiasmus, fast als eine neue Offenbarungaufgeuommen, entsprach dem theistischen Optimismus, den besten Instinkten der Zeit.Sollte man nicht jubeln, wenn Hume, den Handelsneid verurteilend, erklärte, England könne sich nur freuen, wenn auch Frankreich, Deutschland und andere Länder wirtschaft-lich emporkämen, wenn A. Smith die Thorheiten des Merkantilsystems, die Brutali»täten des Kolvnialsystems geißelte. Das neue Zeitalter der Bölkerharmonie und desFriedens schien mit dieser Lehre auzubrechen. Wie Quesnay schon sich auf den „ge->rechten und guten Gott" berief, der mit jedem freien Handel einen gegenseitigen Handels-vvrteil verknüpfe, so ließ noch Csbden in feinen Reden einstießen, daß „Gott und dieNatur" den freien Handel wollten. Alles was der siegreich vordringende politische und