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2 (1904) Verkehr, Handel und Geldwesen : Wert und Preis ; Kapital und Arbeit ; Einkommen, Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik ; Historische Gesamtentwickelung
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1069) Die Anfänge des Freihandels und der schutzzöllnerische Rückschlag 17931840,

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Immerhin, Amerika, Rußland, Österreich waren wirtschaftlich unentwickelte, weitgegen Westeuropa zurückgebliebene Agrarstaaten, für die eine große fremde Konkurrenzleicht als schädlich, Erziehungszölle Wohl angezeigt erscheinen konnten. Aber die altenreichen merkantilistischen Staaten, Frankreich und England , wetteiferten mit ihnen inder Sperr- und Schutzpolitik.

Vergeblich harten die Bourbonen in Frankreich März und April 1814eine Rückkehr zum Zollgesetz von 1791 geplant. Der Bund der Großgrundbesitzer undder Großindustriellen rettete die Prohibitionen Napoleons ; 1814, 1316, 1820, 1822wurde das sogenannte Solidarschutzsystem für Gewerbe, Landwirtschaft, Bergbau undReederei ausgebildet: zahlreiche Verbote, Zölle bis 120 °/o des Wertes, ein kompliziertesRückzollsystem für die hoch belegten auswärtigen Rohstoffe, Baumwolle, Wolle u. s. w.Das System war so maßlos, daß man schon 18271830 eine Milderung vorbereitete,daß Louis Philipp 18301834 mit dem freihändlerischen Versuch einer Reform begann.Vergeblich; es wurde gemäß den Wünschen der geldoligarchischen zweiten Kammer 1841bis 1842 nochmals verschärft.

In Großbritannien hatte das engherzig reaktionäre Toryregiment nach1315 die seit 1791 bestehenden Getreideeinfuhrzölle wesentlich erhöht, als mit Wieder-Herstellung des Friedens die Absperrung Englands aufhörte, und die Getreidepreisesanken. Als die Zollerhöhungen nicht genügten, wurde 1328 die sogenannte gleitende Ge-treidezollskala eingeführt, welche den hohen Zoll von 31 sli. pro Quarter, der bei einemPreis unter 51 sli. galt, stufenweise mit dem Steigen der Preise ermäßigte. Wurde sodie industriell-agrarische Koalition im Parlament verstärkt, so hatte doch schon 1820 dievon Tooke verfaßte Bittschrift der Londoner Kaufmannschaft ans Parlament eine Erwägungfreihändlerischer Reformen angeregt; Canning und Huskisson führten sie dannhauptsächlich 18231825 durch: Verwandlung des Einfuhrverbotes für Seidenwaren ineinen Zoll von 30°/o, Aufhebung des Verbotes der Wollausfuhr, Ermäßigung mancherZölle auf Rohstoffe und Kolonialwaren, definitive Zollvereinigung Großbritanniens mit Irland , allerlei Erleichterungen der Navigationsakte, um den Handel hauptsächlichnach den befreiten südamerikanischen Staaten zu erleichtern. Es war nicht viel; undnur unter den heftigsten Kämpfen war das Wenige der herrschenden Schutzzollmajoritätabgerungen; Huskisson mußte 1828 gehen. Aber es war doch ein Anfang der frei-händlerischen Reform.

o. Ein ganz anderer, viel größerer und dauernderer Erfolg der liberalen Handels-politik war es, daß Preußen im Zollgesetz vom 25. Mai 1818 sich zu ihr bekannte.Preußen war 18141815 von 154100 qkm auf 273 750 angewachsen; der neueStaat mit seinen 10'/s Mill. Menschen bestand aus 117 früher geschiedenen Gebiets-teilen; die alten Provinzen, in denen einst das starre Sperrsystem geherrscht, machtennicht die Hälfte des Staates aus. Auch in ihnen war es 18071315 schon durch-löchert; die neuen Provinzen waren nach Lage und Herkommen nicht sähig, es an-zunehmen; für die östlichen Grenzprovinzen hatte man (3. Mai 1815) schon einenStaatsvertrag mit Rußland über relativ freien Verkehr abgeschlossen. Immer war18161813 zu überlegen, ob man nicht gegen die östlichen und westlichen Sperrsystemezu einem System der Zollretorsionen greisen solle. Man verzichtete teils aus principiellenGründen daraus, teils weil die äußere Politik zu friedlichem Verhalten, zum Vermeideneines Zollkrieges nötigte. So rieten die äußere Lage, das Bedürfnis, dem ganzenStaat eine einheitliche Zoll- und Handelsverfassung zu geben, die Rücksicht auf diedeutschen Nachbarn, die man durch hohe Zölle sehr geschädigt und gereizt hätte, ebensowie die Finanzen des Landes, die bei mäßigen Zöllen höhere Erträge versprachen, unddie liberalen Überzeugungen der leitenden Staatsmänner zur Annahme des freiesteneuropäischen Zollgesetzes. Eine konstitutionelle Verfassung hätte durch die Wünsche derFabrikanten und Grundbesitzer sicher höhere Zölle gebracht. In dem absoluten Staateentschieden der König, Hardenberg, W. v. Humboldt, Maaßen und die anderen leitendenMänner. Es war eine große That für die Zukunft Preußens und Deutschlands , fürdie ganze europäische Handelspolitik.

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