Teil eines Werkes 
2 (1904) Verkehr, Handel und Geldwesen : Wert und Preis ; Kapital und Arbeit ; Einkommen, Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik ; Historische Gesamtentwickelung
Entstehung
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628 Viertes Buch. Die Entwickelung des volkswirtschaftlichen Lebens im ganzen. ^1086

und 1828, verwandelte sich, als die amerikanische Handelsmarine von 1860 an zurück-ging, schon von 1864 an in einen Zollzuschlag von 10°/o sür alle Waren, die infremden Schiffen kommen, wovon freilich die Reciprocitätsstaaten frei blieben. Von1884 an begünstigte man in den Tonnengeldern die Schiffe, die aus andern amerikanischen Häfen kommen, von 1891 an zahlte man Postsubsidien und wollte die Begünstigung desSchiffsbaues durch freie Einfuhr von Schiffsbaumaterialien in den letzten Jahren durcheinen großen Plan der Subvention der inländischen Marine ergänzen. Da dies dengroßen Eisenbahn- und Bankkönigen zu langsam ging, kauften sie einen großen Teilder englischen Dampferlinien und vereinigten sie mit den amerikanischen zu dem großenMorganschen Schiffstrust, der bestimmt und sähig ist, den Vereinigten Staaten einesestc und große Stellung in der Welthandelsmarine zu geben (19021903).

Und all' diese Anläufe gipfelten zuletzt in dem Streben, die großen Erwerbungenvon 18451853 fortzusetzen, einen steigenden Teil des übrigen Amerika in direkte oderindirekte Abhängigkeit von der Union zu bringen, die Europäer aus ganz Amerika zuverdrängen, den Stillen Ozean zu beherrschen. Die Hoffnung auf eine AnnexionKanadas ist weit verbreitet. Das seit 1824 begehrte Cuba wurde Spanien abgenommen,die Hawaiinseln, Portorico und die Philippinen wurden annektiert. Ein Gleiches drohtSt. Domingo. Die Engländer wurden aus dem Vertrag von 1850 über den Kanalzwischen beiden Weltmeeren herausgedrängt, der künftige Panamakanal kommt in volleund alleinige Abhängigkeit von der Union. Die Unionsregierung hat eine große im-perialistische Kolonial- und Eroberungspolitik unter dem Jubel fast der ganzen Nationbegonnen. Die Union steht heute vor derselben Frage, wie die Römer, als sie Sicilien,Karthago, Griechenland, Kleinasien und Syrien unterwerfen mußten, um Ruhe zu be-kommen damals wollten die besseren Aristokratenhäuser daraus ein gerechtes Bundes-system machen, die beutegierigen Publikanen machten aber rasch brutal beherrschte, aus-zusaugende Vogteilande daraus. Die Monroedoktrin, 1823 gegen die heilige Allianzerlassen, welche Spanien seinen Kolonialbesitz in Amerika retten wollte, ging nur dahin,europäische Eingriffe in unabhängige amerikanische Staaten nicht zu dulden, versprachaber Nichteingriff in die europäischen Kolonien und Dependcnzen der neuen Welt undin die europäischen Fragen. Jetzt ist die Losung: ganz Amerika für die Amerikaner resp, für die Vereinigten Staaten und Einmischung derselben in alle VerwickelungenEuropas, Afrikas, Australiens und Asiens .

Die Macht und die Größe der Union, der Reichtum derselben erklären die ver-änderte Stellung. Das riesenhafte Wachstum und der nationale Stolz, der Überschußan Energie, an politischer und wirtschaftlicher Fähigkeit erklären die Betretung derBahn, auf der das Schutzzollsystem, die Trusts, die Eroberungspolitik ebenso wie dasParteitreiben, die Mißstände des Verfassungslebens, die Gefahren für die politischeFreiheit liegen. Auf dieser Bahn nationalen Fortschritts ringen zwei Geistesrichtungenmiteinander: der alte politisch-moralische Idealismus der Begründer der Union, wieer heute noch weit verbreitet, vor allem in den alten Neuenglandstaaten lebt und z. B.in Roosevelt sich repräsentiert, und der Wuchergeist der Geldmacher, der nur den momen-tanen Gewinn kennt, rücksichtslos und skrupellos alle Grundsätze preisgiebt, wennMillionen zu sammeln sind. Er schuf das Beutesystem in der Ämtervergebung, dieWahlbcstechungen (1888 6 Mill. Doll. Kosten für die Präsidentenwahl), die Erkaufungder politischen Parteien (Tamannhhall in Newyork), er stand Pathe bei dem Schutz-system von 1890 an; er wird überstürzt weiter auf Eroberungen und Annexionen dringen;er entrechtet die Neger, er führt das Geschäftsleben in immer neue größere Krisenhinein; er versucht die Preise künstlich zu heben und zu senken zu Gunsten einer kleinenMinorität. Die große Frage der Zukunft ist, ob die Geldmacher oder die anständigenauf die Zukunft sehenden Leute die Oberhand behalten. Davon wird es auch abhängen,ob der Schutzzoll wieder auf ein vernünftiges Maß ermäßigt, einem billigen handels-politischen Verhältnis zu anderen Staaten weichen wird. Davon wird es weiter abhängen,ob die Eroberungspolitik und der Imperialismus zu einer korrupten Oligarchie derKapitalmagnaten oder gar zur Despotie sührt, ob mit weiterer sich überstürzender