1087^ Der Hochschutzzoll Frankreichs 1385—1900, «Z29
Eroberungspolitik große Kriege und die von Alexander von Humboldt schon bei derAnnexion von halb Mexiko prophezeite Zerreißung der Union kommen werden. DieIdee einer Welthandelsherrschaft, die einst Spanien, dann Frankreich und England be-seelte, zu großen Thaten, aber auch zu falscher ungerechter Politik lockte, ist die neueFata Morgona, welche jetzt die Hankeewelt blendet, berauscht und versührt. Wenn dieDinge so weiter treiben, so ist die Zeit nicht fern, da die Weltherrschaftskämpfe,einstens im Altertum und Mittelalter an den Mittelmeergestaden, von 1500—1815in der Atlantis ausgefochten, im Stillen Ozean, den die Union für ihre Domäneansieht, zwischen ihr und den übrigen Großmächten entschieden werden müssen. Deutsch-land wird an diesen Kämpfen weniger beteiligt sein als England, Rußland, Frankreich ,China und Japan .
Als charakteristisch verdient hier noch angemerkt zu werden, daß sowohl der amdespotischsten, wie der am demokratischsten regierte Großstaat europäischer Rasse demhöchsten Schutzzoll und der aggressivsten Eroberungspolitik huldigt. Die republikanischeDemokratie wie der Absolutismus münden in die gleichen Wege ein.
267. Die neuere Hochschutzzollpolitik Frankreichs . Ganz im Gegensatzzu den zwei jugendlich wachsenden agrarischen Riesenreichen steht Frankreich mit seineralten Kultur, seinen alten Gewerben, seiner stabilen Bevölkerung. Und doch macht esin der Rückkehr zum Hochschutzzoll von 1885 an den beiden sast den Rang streitig.Ein reiches Land der Kleinbürger und Kleinbauern wird es doch seit 1815 beiwechselnder Regierungsform stets plutokratifch im Interesse der Großgrundbesitzer, Groß-sabrikanten und Großbankiers regiert. Die alte merkantilistische Politik wird vonNapoleon I. und den beiden folgenden Regierungen überboten; erst Napoleons III.Diktatur bringt eine Milderung des Systems (S. 614), aber in der Mehrzahl dermaßgebenden Personen nicht eine Änderung der schutzzöllnerischen Überzeugungen. DieWorte Thiers von 1851 gegen die internationale Arbeitsteilung bleiben unvergessen:mit unserm Wein, unserer Seide, unseren Luxuswaren können wir nicht gegen die eng-lischen Riesen Kohle, Eisen, Baumwolle aufkommen; die Natur des Landes fordere gleich-mäßige Ausbildung aller Erwerbszweige; der Freihandel, der alles dem Zufall über-lassen wolle, meinte er, sei eine Beleidigung der Gedanken Gottes.
Schon in den 60er Jahren hatte man bei jeder kleinen Stockung nach dem Schutz-zoll gerufen. Nach dem Kriege von 1870—1871 machte die Steigerung der Staats-schuld eine Zollerhöhung nötig. Thiers war Präsident und der schutzzöllnerische Baum-wollspinner Pouyer-Quertier sein Finanzminister; er hatte Bismarck in Frankfurt dieewige Meistbegünstigung Deutschlands in Frankreich , statt eines vieljährigen Handels-vertrags vorgeschlagen, weil der letztere die sofortige Erhöhung der Schutzzölle hindere,die ewige Meistbegünstigung aber nicht.
Die Gesetzesentwürfe von 1871 zielten auf hohe Rohstoffzölle, kompensatorische Zöllefür Textilwaren, Ausfuhrzölle, eine schutzzöllnerische Marinepolitik; sie wurden in derHauptsache im Parlament durchgesetzt, scheiterten aber an dem Widerspruch der Vertrags-staaten 1873—1875. Um so mehr Pflegte man die indirekten Ausfuhrprämien, die rechtlichnoch bestanden, die Emission tsrnxoririrs von fremden Rohstoffen (die Scheine dafürwurden gehandelt und mißbraucht). Thiers war 1873 gefallen. Unter der Präsident-schaft von Mac Mahon (1373—1879) hatte die Regierung keinen fest ausgesprochenenStandpunkt. Man machte Rußland 1874, Spanien 1377 handelspolitische Konzessionen,suchte die Verträge mit den anderen Staaten zu verlängern, bereitete endlich 1877—1379einen neuen Tarif vor, der nur mäßige Erhöhungen hatte. Oberhandelsrat und Corpslegislatif waren noch für die Fortsetzung des Handelsvertragssystems. Und wenn dann1879—1881 die schutzzöllnerische Stimmung wuchs, die Kammerkommission viele wichtigeZollpositionen weit über den Regierungstarif erhöhte, so wußte der Minister Tirarddoch eine Majorität von Agrariern und Freihändlern gegen die gewerblichen Schutzzöllnerzu vereinigen. Das Zollgesetz vom 7. Mai 1881 hat einen Generaltarif für die Staatenohne Vertrag, der 24 °/o höher im Durchschnitt ist als der bisherige Vertragstarif. Derneue Vertragstarif enthält nur geringe Erhöhungen. Immer hat er in den wichtigsten