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Zusammenhang der wirtschaftlichen mit der sonstigen Kulturentwicketung.
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sellschaft an die Grenze ihres Nahrungsspielraums mit ihrer hergebrachten Technik undOrganisation kommt, desto mehr steht sie vor der schwierigen Ausgabe neuen technischenFortschrittes, neuer Bctriebsorganisation, vor dem Problem der Auswanderung, derMarkteroberung; das sind komplizierte gesellschaftliche Prozesse, die meist nur aus Grundsocialer Kämpfe und Reibungen, großer socialer Reformen, neuer Gesetze und staatlicherAktionen und zuletzt großer geistig-sittlicher Fortschritte gelingen.
Sie gelingen ebenso oft nicht, gerade weil der wirtschaftliche Fortschritt an soviele Bedingungen und Umbildungen socialer und staatlicher Natur, an so viele indi-viduelle, körperliche und psychologische Fortschritte, an so viele Änderungen der Sitten undGewohnheiten gebunden ist. Die niedrig stehenden Rassen sind viele Jahrtaufende oderJahrhunderte auf demselben Niveau der Bedürfnisse, der Technik, der wirtschaftlichenKultur geblieben. Auch die höher stehenden sind oft zeitweise mehr stabil geblieben,sind dann erst wieder langsamer oder schneller vorangekommen. Und deshalb vollziehtsich der wirtschaftliche Fortschritt nicht in einer geraden Linie, nicht stets bei denselbenStämmen, Völkern und Rassen, sondern in tausendfach stockenden Auf- und Abbewegungen,in Kämpfen, Siegen und Untergang aller Art. Im Kampfe der Stänime und Völkergehen immer wieder die schwächeren unter; wahrscheinlich ist eine viel größere Zahl sovon der Bühne der Geschichte abgedrängt und vernichtet worden als vorangeschrittenund emporgekommen. Aber auch die zeitweise gewachsenen, zu Macht und Wohlstandgekommenen werden mit der Zeit von anderen überholt. Neue Völker und Volkswirt-schaften kommen empor, übernehmen die Führung im Fortschritt. Und je weiter dieKultur steigt, desto mehr berühren sich die Stämme und Völker untereinander, destomehr vollzieht sich dieses Aus- und Niederstcigen in friedlicher oder feindlicher Be-rührung und Wechselwirkung. Gerade diese Berührungen und Kämpfe, diese Wechsel-wirkungen zeigen uns deutlich, daß ein einheitlicher Zusammenhang, eine Gesamt-entwickelung der Menschheit bestehe; wir sragen heute nach dem Sinne und den Ur-sachen derselben. Wir versuchen dieses große Rätsel irgendwie zu lösen oder zu deuten.
Wir glauben zu beobachten, daß die wechselnde Führung der Menschheit denVölkern zusalle, die dem Fortschritt am besten dienen. Wir sehen aber auch, daß diesernie ein bloß wirtschaftlicher ist, daß der wirtschaftliche aufs engste mit den Fortschrittenauf den übrigen Gebieten des Lebens zusammenhänge. Und so weit die einzelnenVölker als Glieder der Gesamtentwickelung in Betracht kommen, soweit sie aufsteigen,blühen und wieder verfallen, glauben wir zu beobachten, daß ihre gesamten körperlichenund geistig-moralischen Eigenschaften dies bedingen. Wir sehen, daß kein Volk mächtigund reich wurde, dessen Moral, Religion, Recht und Verfassung tiefstehend war, daß höhereKunst und Wissenschaft immer mit der Blüte anderer Seiten der Kultur verknüpft war.Dieser innere Zusammenhang der gesellschaftlichen Kulturgebiet- ist gewiß heute nochwenig erforscht. Aber so viel hat uns Geschichte, Staatswissenschast, Litteratur, Religions-und Kunstgeschichte doch schon gelehrt, daß der Zusammenhang besteht, und daß er ausgemeinsame Ursachen zurückgeht. Wir wissen auch schon ziemlich sicher, daß meist diehistorische Absolge der Blüte der einzelnen Kulturgebiete bei den verschiedenen Vollerneine ähnliche ist, z. B, daß die religiöse und kriegerische Kulturblüte in der Regel dertechnisch.wirtschaftlichen und künstlerischen vorausgeht. Aber das einzelne dieser Zusammen-hänge ist doch meist noch dunkel; ebenso wie die langsame Umbildung der seelischenund körperlichen Grundkräfte der Völker, die wir als die Ursache der einheitlichen Ent-wickelung und ihrer einzelnen Stufen ansehen. Auch das Verhältnis der einzelnen inder Kulturblüte sich folgenden Völker werden wir verflicht sein, auf analoge seelischeUrsachen und ihre Folgen zurückzuführen. Wenn wir nur schon mehr Gesicherteresüber diese Znsammenhänge wüßten!
Immer würden wir unvollständige Rechenschaft von nnfrer Wissenschaft und vonihrem Zusammenhang mit deni allgemeinen Problem des menschlichen Wissens ablegen,wenn wir nicht versuchten, kurz vorzuführen 1. wie man sich bisher die Gesamtentwickelungdes wirtschaftlichen Lebens für sich und in ihrem Zusammenhang mit den psychischen Grund-kräften und anderen Seiten der Kultur zurecht gelegt habe, und 2. was wir über Auf-