Teil eines Werkes 
2 (1904) Verkehr, Handel und Geldwesen : Wert und Preis ; Kapital und Arbeit ; Einkommen, Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik ; Historische Gesamtentwickelung
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Technische Geschichtseinteilung. Morgan, Marx.

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Man wird nicht leugnen können, daß dieses Schema des wirtschaftlichen Stufengangesgewisse große Züge der Entwickelung richtig erfaßt; aber andererseits sind mancheandere Teile desselben, besonders die älteren schief oder falsch, wie wir in der Geschichteder Technik (I Z 76 ff.) sahen, und das Schema stellt die Epochen neben einander, ohnedie kausalen Fäden des inneren Zusammenhanges klarzulegen; zu schweigen davon, daßeine Reihe der wesentlichsten Unterschiede wirtschaftlicher Epochen und Zustände damitgar nicht erfaßt werden: so z. B. die Größe der wirtschaftlichen Körper, die ganze Ver-schiedenheit gesellschaftlicher Organisation der Wirtschaft auf den einzelnen Stufen undanderes mehr.

ä. Die Prähistoriker und Anthropologen haben neuerdings die Geschichtedes technischen Fortschrittes nach dem Stoffe der Werkzeuge 'eingeteilt und so ein Stein-,Bronze- und Eisenzeitalter unterschieden, wie ähnlich ja schon die Alten vier Zeitalterder Welt nach den Metallen unterschieden hatten. Was einst eine spielende Analogie,wurde jetzt zu einer technisch-historischen ernsten Theorie; aber sie war nirgends fähig, dasGanze der Geschichte und ihre einzelnen Epochen zu erklären. In gewissem Sinne schloßsich L. H. Morgan an die Anthropologie und ihre technische Geschichte an. Er unter-scheidet die wilden, die barbarischen und die Kulturvölker mit je drei Stufen: dieWilden aßen auf der Unterstufe rohe Früchte, kamen auf der Mittelstufe zur Fisch-nahrung und Feuernutzung, auf ihrer Oberstufe zur Töpferei; die Barbaren auf ihrerUnterstufe zur Tierzähmung, sowie zum Mais- und Getreidebau, auf ihrer Mittelstufezu den Bronze- und Eisenwerkzeugen und auf ihrer Oberstufe zur Erfindung desAlphabets und zur Schreibekunst; damit beginnen die Kulturvölker. Morgans großesWerk ist ein epochemachender Versuch, die Geschichte der älteren Technik im Zusammen-hang zu begreifen, aber er generalisiert, wie Ratzel gezeigt hat, viel zu sehr, übertreibtdie grenzbildenden Kriterien seiner Einteilung. Er hat Bausteine zu einer Geschichte derTechnik geliefert, wie Tylor, Lubbock, Lenormant, Hehn, Schrader, Jhering und andere.Aber einen ganz einheitlichen Zusammenhang hat er nicht in diese Reihen gebracht,noch weniger die Folgen der Technik für die sociale Struktur der wirtschaftlichenGesellschaft ganz klar erkannt; in dieser Beziehung überläßt er sich socialistischen Träumenvon einem kommunistischen Anfang der Geschichte, zu welchem sie zurückkehren werde.Wir haben oben versucht (I § 7686), ein Bild der technischen Entwickelung zu geben,und für die Kulturrassen ein Zeitalter der Werkzeug- und der Maschinentechnik unter-schieden. Wir suchten zu zeigen, daß wohl in ganz großen Zügen die erheblichen Fort-schritte der Technik die Stufen des wirtschaftlichen Lebens abgrenzend und maßgebendbestimmen, daß aber jede große Thatsache der Technik (z. B. Ackerbau, Metallwerkzeuge,Maschinen) sich in einer langen Reihe kleiner Fortschritte mit recht verschiedenen Folgenvollzieht, daß die verschiedenen Teile der Technik (Kriegstechnik, Bau-, Schiffs-, Acker-bautechnik) oft ein recht verschiedenes Tempo des Fortschrittes zeigen. Bücher betonte,daß Völker die Beile aus Eisen machen, doch oft ohne Pflug und eiserne Pflugscharden Boden mit hölzernem Grabscheit bebauen. Wir wissen, daß Rasse, Moral, Religion,Sitte und Recht, Wohnsitz und Landesgröße auf analogen Stufen des technischenKönnens doch recht verschiedene Volkswirtschaften erzeugen. Wir sahen bei unserer Er-örterung (I S. 228) zuletzt, daß der Sprachgenius mit dem Begriff der Kulturvölkereine Klassifikation vorgenommen hat, die mit Kultur im Sinne Herders, Burkhardts,Jodls, Gotheins ebenso eine gewisse Höhe der Technik wie der geistig-moralischen und derstaatlichen Entwickelung (Humanität, persönliche Freiheit, Verfassung, Rechtsschutz) aus-drücken will. Ähnlich verhält es sich ja auch mit den Morganschen Begriffen derWildheit" und derBarbarei".

s. Marx' Ableitung der Wirtschafts- und Socialgeschichte aus denmateriellenProduktivkräften" ist im ganzen ebenfalls eine technologische Konstruktion. Ursprünglichfreilich ging er von der Hegelschen Dialektik aus: die wirtschaftliche Geschichte verläuft nachihm in der Thesis: Arbeiter im Besitze der Produktionsmittel, der Antithesis: Arbeiter vonden Produktionsmitteln getrennt, und der Synthesis: Arbeiter und Produktionsmittel aufhöherer Stufenleiter wieder vereinigt. Auch fpäter giebt er und Engels keine ganz ein-

Schmoller, Grundriß der Volkswirtschaftslehre. II. 1.-6. Ausl. 42