Teil eines Werkes 
2 (1904) Verkehr, Handel und Geldwesen : Wert und Preis ; Kapital und Arbeit ; Einkommen, Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik ; Historische Gesamtentwickelung
Entstehung
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658 Viertes Buch. Die Entwickelung des volkswirtschaftlichen Lebens im ganzen.

heitliche Geschichtskonstruktion: die Gedanken über Arbeitsteilung, sociale Klassenbildung,rechtliche Stellung des Arbeiters mischen sich in seine technische Geschichte ein. Aberim ganzen und überwiegend versteht Marx doch unter den alles Wirtschafts- undGeistesleben beherrschendenProduktivkräften" die jeweilige technische Gestaltung desWirtschaftslebens. Er sagt:Die Handmühle ergiebt eine Gesellschaft mit Feudalherren,die Dampfmühle eine Gesellschaft mit industriellen Kapitalisten. Nicht was gemachtwird, sondern wie, mit welchen Arbeitsmitteln es gemacht wird, unterscheidet die öko-nomischen Epochen", d. h. ein bestimmter Stand der Technik ergiebt bestimmte Betriebs-formen und Klafsenverhältnisse, diefe ergeben Eigentums-, Gesellschafts- und Bewußt-seinsformen (Verfassung, Ideen, Religion u. s. w.).

Wir haben die Marxschen Theorien schon öfter berührt und kritisch besprochen(I, 97; II, 302 ff., 537 ff.). Wir haben anerkannt, daß die Betonung wirtschaftlicherUrsachenreihen eine Berechtigung gegenüber der früheren überspannten idealistischen Methodegehabt habe. In der Form aber, wie Marx und Engels, noch mehr wie ihre Nach-treter die Theorie ausstellen, ist sie falsch oder einseitig. Sie verkennt, daß alle öko-nomisch-technischen Verhältnisse nur durch das Mittelglied menschlichen Denkens, Fühlensund Handelns auf die weitere historische Entwickelung wirken, daß alle neuen ökonomischenEindrücke in der Seele sich mit allen anderen vorhandenen seelischen Vorstellungen,Erinnerungen, Kräften verbinden, daß so in jedem Augenblick moralisch-politischeUrsachen in Verbindung mit den technischen wirken. Marx macht den Menschenzu einem Automaten der technisch-ökonomischen Zustände; in Wirklichkeit gestaltet derMensch diese nach Ideen und höheren Zielen. Schon alle Betriebsformen, Klassen-verhältnisfe, Eigentumsformen sind neben ihrer technischen Bedingtheit nur aus denimmer wachsenden, geistig-moralischen Ursachen zu erklären.

k. Wenn schon Engels und Marx teilweise versuchen, die Arbeitsteilung zumGradmesser des wirtschaftlichen Fortschrittes und der menschlichen Kultur zu machen, sohat Dürkheim das noch einseitiger versucht: eine Gesellschaft ohne Arbeitsteilung hatnur eine mechanische, eine mit Arbeitsteilung eine organische Solidarität; jene wirddurch Strafrecht und Religion, diese durch Kontraktrecht zusammengehalten. Nicht dieIdeen erzeugen den Fortschritt, sondern die Arbeitsteilung mit ihrer größeren Güter-erzeugung. Es ist eine äußerliche Betrachtungsweise; die psychologischen Bedingungenund Folgen der Arbeitsteilung werden verkannt, wie die gesellschaftlichen Schwierigkeitenund Kämpfe, die aus der Arbeitsteilung zunächst sich ergeben, die nur durch moralisch-politisch höherstehende Institutionen überwunden werden können. Die politisch-radikalenund socialistischen Ideale Dürkheims bestimmen mehr als die historisch-realistische Unter-suchung seine Ergebnisse.

Tiefer als die angeführten Einteilungsverfuche greift derjenige, welcher an denwirtschaftlichen Verkehr und feine technischen Mittel anknüpft; der Verkehr ist eineFolge der Arbeitsteilung, er beeinflußt die gesellschaftlichen Beziehungen des Menschenvon Grund aus, er gestaltet alles wirtschaftliche Denken und Handeln der Menfchen um.Freilich geschieht das nun noch mehr als bei der Produktion unter Einwirkung nichttechnischer, sondern geistig-gesellschaftlicher Ursachen. Wir haben oben (II § 148151)eine älteste Epoche des zufälligen Nachbarverkehrs, eine zweite des regelmäßigen Klein-und Lokalverkehrs (in der Zeit der Stadtwirtschaft) und eine dritte des Groß- undFernverkehrs unterschieden; letztere ist in Anfängen schon im alten Orient, bei Griechenund Römern, im mittelalterlichen Mittelmeer - und nordischen Handel vorhanden; aus-gebildeter tritt sie uns erst seit den letzten Jahrhunderten, seit es eine Territorial-,Volks- und Weltwirtschaft giebt, entgegen. Aber noch wichtiger erscheint die Einteilung inNatnral- und Geldwirtschaft, oder wie Hildebrand sagt, in Natural-, Geld- und Krcditwirt-fchaft. Wir haben oben (II § 162169) versucht zu scheiden ->,) die Epoche der Zahlungmit Waren, hauptsächlich mit typischen Waren, mit Metallstücken, die nicht gemünztsind; b) die Epoche der ersten, mehr nur periodischen Münzprägung (in Deutschland bisins 12.14. Jahrhundert), sie entspricht den stadtwirtschaftlichen Zuständen; e) dieEpoche regelmäßiger Prägung von Groß- und Kleinmünze (14.18. Jahrhundert in