Teil eines Werkes 
2 (1904) Verkehr, Handel und Geldwesen : Wert und Preis ; Kapital und Arbeit ; Einkommen, Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik ; Historische Gesamtentwickelung
Entstehung
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Viertes Buch. Die Entwickelung des volkswirtschaftlichen Lebens im ganzen. ^1124

wieder zu einem Ganzen zu vereinigen, haben wir allerdings auch einen bescheidenenVersuch gemacht; ihn hier nochmals aufzunehmen, ist die Ausgabe des folgendenParagraphen.

275. Die historische Stusensolge der wirtschaftlichen Verfas-sungsformen. Der Grundgedanke unserer Volkswirtschaftslehre ist der, daß dasWirtschaftsleben der Menschheit sich vollzieht in einer Summe von politisch-gesellschaft-lichen Körpern, die teils neben-, teils nacheinander als Einheiten sich unserem Blickedarstellen. Jeder dieser Körper erhält für unsere Vorstellung seine Einheit Wohl auchdurch Gebiet und Grenzen, durch die jeweilige Technik und Ähnliches, aber doch inerster Linie durch die Bluts- und geistige Einheit, durch die Vergesellschaftung der Be-teiligten, als deren sichtbare Symptome Rasse, Sitte, Recht, Moral und Religion, dannund hauptsächlich politische und volkswirtschaftliche Institutionen erscheinen.

Um den Entwickelungsgang des volkswirtschaftlichen Lebens und seine Formenim ganzen zu erklären, hatten wir uns also eine Vorstellung davon zu machen, wiedas menschliche Gesellschastsleben sich überhaupt von Horde zum Stamm, dann zuStammesbündnissen und Eroberungsreichen, weiterhin von Stadt und Klein- zum Mittel-oder Tcrritorialstaat, von diesem zum neueren Nationalstaat, endlich zu den modernenRiesenreichen und der Weltwirtschaft entwickelte; und wir hatten weiter uns klar zuwerden, wie diese verschieden großen und verschieden organisierten Körper sich nach außenteils seindlich kämpfend teils friedlich tauschend berühren, wie sie nach innen gegliedertsind in die Individuen, Familien, Gemeinden, Körperschaften, Unternehmungen, Re-gierungen, wie diese Organe die wirtschaftlichen Funktionen unter sich teilen, ferner wieinnerhalb der Staaten die Individuen und deren Gruppen und Klassen sich untereinanderbekämpfen und mit der Regierung ringen oder friedlich miteinander Verkehren und zu-sammen wirken.

Zu dem über diese Punkte in unserem ganzen Grundriß (hauptsächlich Z§ 3 und5, 87 ff., 101147, 245252) Gesagten fügen wir teils ergänzend, teils resümierendhier noch einiges bei:

Die Menschheit hat unendlich lange Zeiträume, in kleine Horden und Stämmegegliedert, ohne feste Verknüpfung mit dem Boden, wandernd gelebt. Die innere Ver-bindung derselben war sehr lose; aufs leichteste fielen Horden und Stämme auseinander.Auch wo die Stämme etwas größer, bis zu 5000 und 10 000 Personen stark wurden undbereits seßhast wäre», kam es nur selten und an begünstigter Stelle, durch große Führerund glückliche Institutionen zu Stammesbündnissen von 20 000 Personen und mehr; eswar damit ein ebenso großer als schwieriger Fortschritt vollzogen. Die Mehrzahl derälteren Stämme aber ist nie so weit gekommen; es giebt viele, die seit Jahrtausendenes nicht über Körper von 1000 Personen und Dorffürstentümer hinausgebracht haben.Offenbar weil ihnen der nötige wirtschaftliche Fortschritt, die sociale Zucht und Unter-ordnung, die kriegerischen und politischen Institutionen, die für die Bündnisse, die Ver-schmelzung nötig waren, nicht gelangen; an Zahl zunehmend, teilten sie sich immerwieder oder beschränkten absichtlich ihre Geburten. ,

Eher gelang aus günstigem Boden einzelnen höher stehenden Stämmen undRassen, zumal den Hirtenvölkern die starke kriegerische Organisation, welche zur Unter-weisung anderer Stämme führte. So bildeten sich die ersten größeren Gemein-wesen und Staaten; meist freilich auch so, daß der innere geistige und wirtschaftlicheZusammenhang zunächst ein loser blieb; die Zusammenfassung der Eroberungsstaaten be-ruhte nur auf Gewalt, daher drohte die Auflösung immer wieder. Auch später, alslängst einzelne größere Staaten gezeigt hatten, wie vorteilhaft für Verteidigung, Er-oberung, wirtschaftlichen und anderen inneren Fortschritt die Vergrößerung sei, als längsteine starke Vergrößerungstendenz im Leben der politisch-socialen Körper vorhanden war,trat immer wieder die Thatsache ein, daß die immer erneuten Anläufe zu größerenStaatsgebilden zwar zunächst den besser organisierten Stämmen äußerlich gelangen, daßaber die Mittel des dauernden Zusammenschlusses falsch oder zu schwach warcn. Dieso hergestellten Gemeinwesen unterlagen immer wieder über kurz oder lang ihren kräftigeren