Teil eines Werkes 
2 (1904) Verkehr, Handel und Geldwesen : Wert und Preis ; Kapital und Arbeit ; Einkommen, Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik ; Historische Gesamtentwickelung
Entstehung
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668 Viertes Buch. Die Entwickelung des volkswirtschaftlichen Lebens im ganzen.

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arm, ausgepreßt, ihr wirtschaftliches Leben geht bei niedriger Technik, geringen Bedürf-nissen fast ohne Erwerbstrieb in demütiger Hantierung, Aberglauben, Unwissenheitdahin. Es ist eine Art Staatskommunismus, der Wohl einmal in den Händen einzelnerweniger großer Herrscher, wie Kyros , auch den Massen, meist nur dem Hofe und einerkleinen Aristokratie, daneben freilich gewissen großen Staatszwecken zu gute kommt.Die ersten großen, äußerlich befestigten Religionssysteme, riesenhafte Tempel', Straßen-,Wasserbauten entstanden. Auch einzelne Einrichtungen sür Handel und Verkehr wurdendamals geschaffen; die Anfänge der Wissenschaft, die erste höhere Kriegsversassung undFlottenbildung wurden durch die Auspressung und Mißhandlung von Millionen ermöglicht.So beruhten die ersten großen politisch-militärischen, theokratischen, staatswirtschaftlichenBildungen auf einer kleinen emporgestiegenen Aristokratie der Regierenden und auf dergänzlichen Rechtlosigkeit der Massen; diese wurden dem Moloch der Gemeinschaft ge-opfert. Daher konnten auch diese Gemeinschaften nur da länger dauern, wo sie un-bedroht von außen, in Sitten und Herkommen streng fixiert waren, damit aber auch ver-knöcherten, jeden Fortschritt ausschlössen. Mit der Zeit mußten alle diese natural-wirtschaftlich-despotischen Reiche sich auslösen, zerfallen und vergehen.

2. Die zweite große weltgeschichtliche Entwickelungsreihe, zu der die griechisch-römische Kultur sich als Anfang und Einleitung verhält, deren Haupterschcinung aberdie romanisch-germanische Staaten- und Wirtschaftswelt seit der Völkerwanderung aus-macht, unterscheidet sich von der älteren 1. durch einen günstigeren historischen Schau-platz, 2. durch das reiche Erbe sittlicher, rechtlicher und religiöser, technisch-künstlerischerund wissenschaftlicher Kultur, das sie von der Vorzeit, die germanische hauptsächlichvon Griechenland und Rom empfängt, 3. dadurch, daß ihre Träger den hochstehendenRassen angehören. Ihre Entwickelung kam so im ganzen rascher voran und blieb dochmannigfach auch wieder auf den großen Flächen, in nördlichem Klima langsamer und deshalbgesünder als die ältere und die griechisch-römische. Die Hauptsache ist, daß die Ent-wickelung vom barbarischen Stammesleben zu Klein-, Mittel- und Großstaaten besser gelingt,daß trotz aller Ansätze zu barbarischen Weltherrschaftsreichen viel mehr und viel längersich eine Staatengesellschaft erhält, welche sich in der Form der befruchtenden Wechsel-wirkung und Koexistenz kleinerer und größerer Geineinwesen darstellt. Die Kirche alschristliche Oberbehörde im Mittelalter, das Völkerrecht seit den letzten Jahrhundertenhalfen dieses Ziel verwirklichen. Und aus der Wechselwirkung und den Kämpfen dieserWirtschafts- und Staatskörper heraus entwickelten sich nun die Nationen zu körperlichenwie geistig-sittlichen großen Gemeinschaften, und es gelang eine Ausbildung höherer poli-tischer, kirchlicher, wirtschaftlicher und socialer Formen, als die Vorzeit sie gesehen. Wirnennen unter diesen Formen als die wichtigsten: die bessere Ausbildung der Geldwirtschastund der Arbeitsteilung, das höher stehende Arbeitsrecht und die gesündere Klassenbildung,die bessere Sicherung der individuellen Freiheit von Person und Eigentum, die Ver-sassungsformen mit einer Teilnahme des Volkes an Regierung und Verwaltung, diegroßen centralisierten Staatshaushalte neben der freien Unternehmung von einzelnen,Gesellschaften und Genossenschaften. All' Derartiges hatte früher gefehlt oder war un-vollkommen gewesen.

Diese ganze Entwickelnngsreihe glaubten wir nun am besten vom specifisch-wirt-schaftlichen Standpunkt aus in die vier oder süns folgenden Abschnitte zu zerlegen:

I. die Epoche der agrarischen Eigenwirtschaft und des Stammeslebens (wobei einekriegerische Zusammensassung von Stämmen zu politischer Einheit nicht ausgeschlossenist); es handelt sich für die abendländische Geschichte um die Zeit bis ins 10. und

II. Jahrhundert; 2. die Epoche der Stadtwirtschast und der stadtwirtschaftlichen Gebiete,die wieder nicht ausschließt, daß eine Anzahl solcher Gebiete unter schwachen feudalenObergewalten steht; es ist die Zeit vom 12. bis 16. Jahrhundert; 3. die Epoche derMittel- und Territorialstaaten vom 14. bis 18. Jahrhundert; 4. die Epoche der größerennationalen Staaten- und Volkswirtschaftsbildung vom 16. Jahrhundert beginnend, haupt-sächlich erst im 18. und 19. Jahrhundert sich vollendend; 5. die Epoche der neuen Welt-staaten und der vordringenden weltwirtschaftlichen Beziehungen, die mit dem Kolonial-