Teil eines Werkes 
2 (1904) Verkehr, Handel und Geldwesen : Wert und Preis ; Kapital und Arbeit ; Einkommen, Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik ; Historische Gesamtentwickelung
Entstehung
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Haus-, Stadt-, Tcrritorialwirtschaft.

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eine Hauswirtschaft, die in der Hauptsache nur sür den eigenen Bedarf, nicht für denMarkt Produziert; aber er steht in genossenschaftlicher Abhängigkeit von der Dorfwirt-schaft und kommt nach und nach in grundherrliche von dem Feudalherrn, dem er zinstund front. Auch die Fürsten , die Bischöfe, die Ritter haben vergrößerte ähnliche Haus-und Ackerwirtschaften, die zunächst auf Eigenwirtschast beruhen, aber durch Abgaben undDienste ergänzt werden. Der Bauer hat kaum je, auch der Grundherr nur vereinzeltgroße Überschüsse. Die Kapitalbildung ist gering, wie der wirtschaftliche Fortschritt.Alles wirtschaftliche Leben ist stets von Fehden, Mißwachs, Viehsterben bedroht.Dauernde politische und kirchliche Gewalten, kriegerische Organisationen zu bildenist nur möglich durch das Obereigentum an großem Grundbesitz. Aber der Bauer istdoch vielfach gegen den Druck der Herren durch seine genossenschaftliche Verfassung ge-schützt. Immer entstehen aus dem Spannungsverhältnis zwischen Bauern und Grund-aristokratie sociale Kämpfe, die Bauernkriege. Bis zur Gegenwart ist die große agrarisch-sociale Frage, ob und wo und wie der Bauer sich erhalte, ob und wie Großgrundbesitzund Pachtwesen nebst besitzlosen Landarbeitern entstehe.

b) Auf dem städtischen Markt, auf dem Adel und Bauern die Überschüsse ihrerverbesserten Ackerwirtschaft, städtische Händler und Handwerker ihre Waren, ihre Arbeitund ihre Produkte verkaufen, entsteht der erste erhebliche freie Verkehr in Form lokalenGüterumlaufes; dabei bleibt der Städter und der Landmann lange doch überwiegend aufseine Eigenwirtschaft angewiesen; nur für wenige Luxuswaren entsteht ein Fernhandel;Produzent und Konsument bleiben sich als Kunden nahe, meist persönlich bekannt. Nurlangsam bildet sich der Unternehmungsgeist, der Erwerbstrieb, der Kapitalbesitz undseine Geldrente im Kreise der Patricier, Kaufleute, größeren Meister aus. Aus derselbenFläche leben jetzt mehr Menschen als srüher, die Arbeitsteilung ist größer, der Klassen-gegensatz wächst, centrale Wirtschaftsorganisationen in der Hand der Fürsten , Bischöfe,Stadträte, die über dem älteren ländlichen Fronhof stehen, bilden sich. Die Stadträteder größeren Städte schaffen mit ihren Speichern, Ratskellern, Bauten, Banken, Steuern,Kriegsvorräten einen weitausgreifenden großen Haushalt, der alle Bürger berührt; sieschaffen mit ihrer Handels-, Markt«, Zunftpolitik eine neue Abhängigkeit der Stadt-bürger und Landbewohner von der Stadtgewalt. Jnteressenkonflikte und sociale Kämpfe,Zunftrevolution und patricische Reaktionen, Handelskämpfe zwischen Nachbarstädten, Markt-kämpfe zwischen Stadt und Land bedrohen den ruhigen Gang des Wirtschaftsprozesses;im ganzen aber bewegt sich Angebot und Nachfrage auf engem Raum, in gleichmäßigemGeleise, bis die starke interlokale Arbeitsteilung beginnt. Die daran teilnehmendenStädte wachsen weiter, die anderen stagnieren und gehen zurück; kurzsichtiger Stadt-egoismus, anarchische Krähwinkelkämpfe, bornierte Patricierherrschaft, verrottetes Zunft-leben herrscht leicht, bis die Stadt einem größeren staatlichen Körper eingefügt wird.

<-) In den Mittel- und Territorialstaatcn deS 15.18. Jahrhunderts erhielt sichvielfach die alte Haus- und Eigenwirtschaft, die alte Dorfwirtschaft, die alte Feudal- undgrundherrliche Verfassung, sowie die Stadtwirtschaft. Aber wie wir (Z 106 S. 300u. § 257) sahen, tritt doch über all' die lokalen und Klassengegensätze eine stärkere Ge-walt, ein mächtiger bereits geldwirtschaftlicher Haushalt der erstarkten Fürsten, teilweiseauch ein solcher der Stände; die fürstliche Verwaltung ahmt die stadtwirtschastliche aufbreiterer Grundlage nach, bereitet die merkantilistisch -staatliche vor; Arbeitsteilung, Geld-wirtschaft, Kapitalbildung nehmen zu; neue Betriebsformen, Hausindustrie, fiskalischesBerg-, Hütten- und Salinenwesen, großindustrielle fürstliche Musterbetriebe entstehen;die Bauern werden teilweise schon von der Staatsgewalt geschützt. Und gerade, daßdiese Umbildungen und Neuerungen in mittleren, nicht gleich in übergroßen Gebietengeschehen, ermöglicht die gesunde Überführung der alten Eigen- in die beginnende neueErwerbswirtschaft. Soweit die Regierungen zu schwach sind, die alten Institutionenzu zähe sich erhalten, die Stände in Stadt und Land durch ihre Herrschast den Fort-schritt henimen, wird der Absolutismus , die nationale Staatenbildung, der Merkantilismusals Mauerbrecher einer neuen Zeit nötig.

ä) Die moderne Volkswirtschaft entsteht Vom 15.19. Jahrhundert in einer Zeit