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Die neuere Volkswirtschaft. Blüte und Versall der Völker.
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klüger, edler, selbstloser, die Institutionen immer vollendeter werden. Dies führt unsauf die letzte hier zu behandelnde Gedankenreihe.
276. Aufsteigen, Blüte und Verfall der einzelnen Völker und ihresWirtschaftslebens. Haben wir versucht, die historische Stufenfolge der wirtschaft-lichen Organisationsformen darzulegen und damit einen Überblick über den allgemeinenGang des wirtschaftlichen Lebens der Menschheit zu gewinnen, so bleibt nns noch dieFrage der speciellen Ursachen des Auffteigens, der Blüte und des Niederganges dereinzelnen Stämme, Völker, Staaten und Volkswirtschaften zu erörtern übrig.
1. Die Thatsache, daß die einzelnen Gemeinwesen emporsteigen und wieder vergehen,daß jeweilig die vorangeschrittcnsten eine Führer- und Herrscherrolle spielen, diese aberdann wieder nach Generationen oder Jahrhunderten anderen abtreten müssen, war schonden Alten klar. Am Nächstliegenden war die Erklärung durch die Analogie mit denmenschlichen Lebensaltern. Man sprach von einer Jugend, einem Mannes- und Greisen-alter der Völker und nahm an, daß diesem Gesetze alle gleichmäßig unterliegen. Aberes ist mit diesem Vergleich nicht viel gewonnen; er giebt uns nicht die speciellenUrsachen, er erklärt uns nicht, warum manche Stämme niedrigerer Rasse seit Jahr-tausenden in gleicher Größe, Verfassung und Wirtschaftstechnik und -organisation ver-harren, andere rasch vorankommen und wieder zu Grunde gehen. — Zunächst ist fürden Niedergang der Stämme und Völker zu unterscheiden, ob sie nur politisch alsselbständige Gemeinwesen verschwinden, oder ob sie zugleich wirtschaftlich und kulturellzurückgehen, an Zahl abnehmen, mehr oder weniger vernichtet werden.
Nach dem, was wir über den notwendigen Vergrößerungsprozeß der Staaten,über das stetig sich wiederholende Verschwinden der kleineren in den größeren politischenKörpern wissen, werden wir annehmen können, die Mehrzahl aller Stämme, Klein- undMittclstaaten seien überhaupt nicht eines natürlichen Todes gestorben, sondern durchUnterwerfung und Einverleibung in größere politische Körper verschwunden. Das kannihr Schicksal gewesen sein, weil sie bereits geschwächt, an Zahl und politischer Fähigkeit,an Wohlstand und physischer Kraft zurückgegangen waren, wie die Griechen, als sieMacedonien und Rom erlagen. Das gleiche Geschick hat aber auch das kräftige Sachfen-volk ereilt, als Karl d. Gr. es unterwarf. Und unzählige andere aussteigende jugend-kräftige Stämme und Völker sind in ähnlicher Weise als politische Gesamtpcrsönlichkeitenvon der Weltbühne abgetreten.
Der heutige Begriff der Nation ist in gewissen Anfängen bei den Griechen undJtalikern vorhanden, ausgebildet tritt er uns erst infolge des Geistes-, Staats- undWirtschaftslebens der europäischen Völker seit dem späteren Mittelalter entgegen; imOrient, im früheren Mittelalter fehlte er, wie bei den Naturvölkern teils ganz, teilswenigstens in der heutigen Ausbildung. Daher können wir für diese Zeiten auch nichtvon einem Aufsteigen, Blühen und Untergehen der Nationen reden.
Was in den altorientalischen Reichen emporkam, war eine despotisch-kriegerischeund theokratische Staatsgewalt, und ihre gewaltthätige, centrale Wirtschaftsverfassung;die unterworfenen Stämme, Dörfer, Städte, Gebiete nahmen daran mehr Passiv alsaktiv teil. Bei dem meist durch Kriege herbeigeführten Zusammenbruch der älterenReiche trat meistens eine neue andere Gewalt an die Stelle der vorher herrschenden, diebesser wie schlechter sein konnte, für die Unterworfenen Erleichterung oder Erschwerungihrer wirtschaftlichen Existenz und Kultur, aber nicht notwendig neue Blüte oderVerfall bedeutete. Nur für den Kern, die herrschenden Stämme dieser Reiche könnenwir deutlich ein Aufsteigen, eine Blüte, einen Verfall behaupten, die erst das Entstehender kriegerisch-theokratischen Herrschaft und damit Macht, Reichtum, Kultur bedeuteten,während dann mit dem Untergang der Herrschaft auch diese ihre Folgen verschwanden.
Die typischen Beispiele des Auffteigens und des Verfalles großer Kulturvölker sinddie Griechen und die Römer. Ihr Vorbild hat man meist auch für das Schicksal derneuern Völker im Auge. Und doch ist der Vergleich gerade nach der Seite des Unter-ganges ein hinkender. Die Griechen haben es insolge ihrer geographischen Lage und Ge-schichte nie zu einem größeren Einheitsstaat gebracht. Ihre wunderbar rasch und
Schmoller, Grundriß der Volkswirtschaftslehre, II, I.—<i. Ausl. 43