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werden konnte, so lag in deren Vorhandensein die Aufforderungzum Versuch. Freilich konnte eingewendet werden, daß auch ein Deut-scher seinerseits wieder zu sehr Partei sei. Aber einmal paßt das über-haupt nicht auf uusere so sehr zur Selbstkritik hinneigende Denk-weise; und zum andern lebt nothwendig in der Empsiuduug einesJeden, der lange uud gerne in jenem Lande geweilt, das Andenkenan die jetzt total abgewandte Lichtseite des französischen Wesensnachhaltig fort, so daß ihm vorgefaßte Unguust zur moralischen Un-möglichkeit wird. Manches Urtheil übrigens, das vor zwei Mo-naten Einem oder dem Andern noch scharf erschien, erregt heutegewiß keiueu Anstoß mehr. Vor der Kritik, welche die Geschichte derCommuue zu der Geschichte des öffentlichen Geistes in Frankreich geliefert bat, erblaßt jeder geschriebene Kommentar. Denn erwar es, der Geist dieser Commnne war es (wenn es erlaubtist, hier vou Geist zu reden), der seit Ausbruch des Krieges, na-mentlich aber seit dem Sturz des Kaisers, die Mitherrschaft überParis und dadurch über das Laud führte. Er drückte aufdie Regierungen und auf die Regierten. So lange man imKampfe mit den Deutschen lag, fanden Unterdrücker und Unter-drückte ihre Rechnung darin, die Spitze aller uneingestehbarendunkleu Triebe gegen den Ausländer zu kehreu. Was vön Decla-matiou, Prahlerei, Rachegefühl, Bosheit und Eigennutz da war,richtete sich zunächst gegen die Deutschen . Jene Verachtung vonMenschenwohl, mit der ein hoffnungsloser Widerstand noch Mondelang fortgesetzt wurde, hat sich iu dem fünften Akt dieser grau-samen Tragödie nicht bloß als Gleichgültigkeit, sondern alsFeindschaft gegen die gesammte bürgerliche Existenzweise enthüllt.Bis zur Kapitulation mit dem deutschen Hauptquartier ging dasAlles als „admirabler Patriotismus" mit. Aber schou als ThiersEude November in Versailles unterhandelte, sprach er un-