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Zur Naturgeschichte des französischen Krieges / Ludwig Bamberger
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später. Während der Rede Prim'S war die Diplomatenloge in denCortes angefüllt mit aufmerksamen Lauschern, nnd als von demvierten Cnndidatcn die Nede war, neigte sich einer der Anwesendenin dieser Loge zu seinem Nachbar und fragte: Wen meint er?Die Antwort war: Wen fönst, als den Prinzen von Hohenzollcrn!Wer meinen Sie schließt der Corrcspvndent waren diesePersonen? Niemand anders, als der britische Gesandte, welcherdie Frage stellte, und Baron Mercier, der französische Gesandte,welcher so rasch Antwort gab!" Derselben Mittheilung ent-nehmen wir auch die an sich äußerst wahrscheinlich klingendeAngabe, daß Prim mit diesem Porhaben vor Napoleon gar keinGeheimniß gemacht, vielmehr es bereitwillig auf dessen erstemißfällige Aeußerung aufgegeben hätte.

Seitdem alle diese Umstände ans Licht getreten, seitdem sichin diesem Kriege noch ungleich mehr als zuvor herausgestellt, daßiin heutigen Frankreich das Aufschneiden als das eigentliche Ar-cannm der Regiernngskunst gilt, kaun daher als ausgemacht an-genommen werden, daß die erste Scene des Vorspiels zu deuFeindseligkeiten, charakterischer Weise für alles Folgende, in einergroben Erfindung bestand. ' Das französische Cabinet wußte seitMonatsfrist um die Caudidatur Leopold's, wußte mithin auch, daßsie nicht von ehrgeizigen Plänen des preußischen Köuigs, soudernvon verschiedenen spanischen Projeetenmachern ausgegangen war.Aber andere, zum Theil geahute, zum Theil vielleicht heutenoch ungeahnte Gründe hatten endlich den schon so lange hinund her gewälzteu Beschluß, Krieg auznfangen, zur Reife ge-bracht, und fo mußte der plumpe Lügenvorwand herhalten. Am5. Juli des Morgens brachte der Constitutioncl," Gramont'sLeiborgan, aus heiterm Himmel eine wuthschnaubende Notiz überdiese nagelneue bedrohliche Borfallenheit. Sie enthielt bereits