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Zur Naturgeschichte des französischen Krieges / Ludwig Bamberger
Entstehung
Seite
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Schneider bittet, vor allen Tagesgeschäftcn den Minister zu hören.Dieser besteigt die Rednerbühne. Seines Zeichens ein Lebemann,der keinen andern Ruhm gesammelt, als den, die Couplets sämmt-licher Vaudevilles auswendig zu wissen und in der Unterhaltunganzubringen, einer jener Sportsdiplomaten, welche ihren Beruf ausGeburt, elegantem Wuchs und Bartschnitt ableiten und die würdigenVertreter dieser heutzutage ziemlich überflüssigen Gesandschaftsappa-rate sind, war er eben frisch von Wien gekommen, noch mit derGlorie der Liebes- und Jnnigkcitsbezeugungen umstrahlt, uuterwelchen man ihn daselbst eutlasseu hatte. So war er ganz undgar geschaffen, in diesen: traurigeu Possenspiel die Haupt- undHeldenrolle auszufüllen, während Emil Ollivier den naiven ^sunsprswisr, den gefühlvollen und im Ernst getäuschten Lieb-haber des Friedens darstellte. Noch hat sich niemand die Mühegegeben, durch einen Rückgriff auf ältere Ereignisse nachzuweisen,wie ganz ohne Vorgang die Erklärung Gramonts in der Geschichteder Diplomatie ist. Seitdem Parlamente bestehen, ließ sich schwer-lich jemals ein Minister beikommen, gegen eine Macht, mit dersein Land seit einein halben Jahrhundert bis zur Stunde in Friedeuud Freundschaft gelebt, ohne voraufgegangenen Notenwechsel, ohneabgewartete Erklärung, ohne Versuch der Ausgleichung auf ver-traulichein Weg, ohne Anfrage, in der beleidigendsten Form miteiuer öffentlichen Deuuneiation vorzugehen, die nichts weniger be-deutete, als daß die angeklagte Regierung sich mit rechtswidriger,vorbedachter Treulosigkeit benommen habe. Nicht als ein Verdacht,sondern als eine Thatsache war dies ausgesprochen, und vou vorn-herein damit bedeutet: Nicht Einwendungen, sondern nur feierlicheAbbitte und Genugthuuug werde helfeu können, sofern nach denausgesprochenen Drohungen so etwas überhaupt noch denkbar ge-wesen wäre. Da die Wucht des in der Zwischenzeit Erlebten die