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als zweites großes Argument, daß wir so über alle Maßen gesiegthaben. Um unsere Unschuld zu beweisen hatten wir nur einMittel: wir mußten uns schlagen lassen. Dann vielleicht hättensie uns zugegeben, daß nicht wir den Krieg angefangen und zuverantworten hätten. Uns die Unschuld, ihnen der Sieg, so etwahätte die Sache sich ausgleichen lassen, gerade wie es jetzt heißt:sux 1a vicwir«, a nous 1a Zloii-ö." „Die Capitulation vonMetz," sagte jüngst ein alter französischer Officier in Versailles zueinem seiner Freunde, „die Cavitulation von Metz ist schimpflichfür uus, aber rühmlich für die Preußen ist sie nicht;" e'östliontöux xour iwus, iuai8 es n's8t Ms Zloi'isux xour lös ?rus-sislls". Auch Victor Hugo ist uur ein krasser Prototyp, durchauskeine besondere Species. Uns schlagen zu lassen, das war über-haupt unsere sittliche Pflicht. Von dem Augenblick an, da wir inder ersten Begegnung nicht dieser Schuldigkeit nachkamen, wurden wirangesehen wie Rebellen niedriger und boshafter Art gegen Recht undVernunft, dämonische Empörer gegen alle höheren Mächte. Am6. August, als die Niederlage von Weißenburg dem Volke bekannt wurde,heulte eine Zeitungsverkäuferin des Boulevard des Capucines einemmeiner Bekannten init geballter Faust und strömenden Augen entgegen:„^li ess ?rus8isii8, si ^js lös tsuais, ^js löur arraeliörais lösz^öux!" Schlechte Kerle waren wir von dem Augenblick an, dawir uns unterstanden zu siegen. Mit keiner klugen Wendung werdensie das wegdeuteln können; es ist eine grobe Wahrheit, die überallnaturalistisch im Volke durchbrach, sich mit unmittelbarer Wuth undGewalt Luft machte, wie bei jenem Weibe. Die ganze Austrei-bungsgeschichte, an der Hoch und Niedrig sich betheiligte, das ganzelamentable Klagegeschrei von der Spionage und Verrätherei derDeutschen — sie waren nichts als Abzugscanäle für den anima-lischen Haß, der aufloderte gegen die Unverschämten, die sich nicht