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Zur Naturgeschichte des französischen Krieges / Ludwig Bamberger
Entstehung
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Man mußte, meint er, denselben erst betrunken machen. Jedenfallsist ihm in beiden Punkten beizustimmen, daß Nöllerei und Kriegs-unlust in dieseu Reihen vielfach vorkamen, ob in dem Zusammen-hang, den er angibt, stehe dahin. Ueberall in den östlichen Pro-vinzen erzählen die Bewohner von dem maßlosen Saufen, demsich der französische Troupier beim Auszug hingab, und zu demihn die wohlhabende Bevölkerung durch endlose Spenden stimulirte.Im Elsaß hört' ich aus unverdächtigein Muude, daß namentlichdie Pfarrer sich an solchen berauschenden Liebesgaben überboten.Und auch in Paris ist durch mehrere strenge Tagesbefehle die Thatsacheder rottenweise vorkommenden Betrunkenheit im Dienst constatirt.

In einem Artikel, überschriebenIiö Viu", enthielt dieOpi-nion nationale" vom 8. November einen Aufruf an die National-garde, sich doch nicht zu betrinken, in den beweglichsten und zärt-lichsten Redewendungen abgefaßt. Im December wurde eine Com-pagnie wegen Betrunkenheit der Officiere nnd Soldaten beim Aus-marsch aufgelöst.*)

Sonderbarer aber bezeichnender Weise war von dem Laster,dem sonst die Germanen so viel mehr ergeben sind, den ganzenKrieg hindurch im deutschen Heere nichts zu entdecken und zwarobgleich unsere vielfach nur an Bier oder höchstens an saurenweißen Wein gewöhnte«: Soldaten in das Land kamen, wo dieKeller, angefüllt mit den edelsten Gewächsen aus Burguud undBordelais, oft gewaltsam erbrochen werden mußten. Ich habewährend meines Aufenthalts in Lothringen, im Elsaß, vor Paris ,mit Ausnahme eines einzigen Mannes, niemals einen betrunkenendeutschen Soldaten gesehen. Und für die zweite Annahme, daß

*> Während der Herrschaft der Commune kehren von allen Seiten dieKlagen über Völlerei wieder.