Druckschrift 
Zur Naturgeschichte des französischen Krieges / Ludwig Bamberger
Entstehung
Seite
62
Einzelbild herunterladen
 

- 62 -

darauf verließ, daß nicht er, sondern andere die Preußen schlagenwürden, so die ganze Gesellschaft, welche für sich vorerst den thea-tralischen Theil des Geschäfts zurückbehielt, und in der Oper vorden Bänken des Parterre's und den Sesseln der Logen sich vonden Damen Saß und Teresa die Marseillaise vorsingen ließ. Ge-rade in der Armee war verhältnißmäßig der Glaube an den leich-ten Sieg am wenigsten vertreten. General Trochu, zu seiner Ehresei es gesagt, war außer sich über die Kriegserklärung; er schrieso zu sageu auf offener Straße: dieser Krieg sei ein wahnsinnigesVerbrechen. Und noch manche Stimme lautete bang und miß-billigend in den Reihen der Officiere. Die Masse der Soldatenwar nicht begeistert bei ihrem Auszug. In den Straßen, nament-lich an den Bahnhöfen, sah man sie matt und müde herumlungernund lagern, und die Völlerei, welche seitdem eine so auffällige Er-scheinung in den Reihen der Armee dieses sonst mäßigen Volkesward, zeigte sich von der ersten Stunde an. Karl Vogt ist nichtverdächtig, den Franzosen zu uahe zu treten. Es scheint die ganzeUmwandlung, die Deutschland und die europäische Politik seit1859, und namentlich seit 1866, durchgemacht, ist ihm über demVerkehr mit seinen Lacustervölkeru und hinter deren Pfählen un-bemerkt vorübergegangen; er redet zu uns aus dem Jdeenkreise dereinstmals recht witzigeu, aber jetzt gewiß veraltetenThierstaaten"heraus; und wir verstehen den nicht mehr, welchen die weltum-wälzenden Ereignisse dazu begeistern, Fastnachtsknittelverse zumSpott auf die deutschen Heere in den BieterHandelseourier" zudichten. Sein Zeugniß also, wenn es gegen die Franzosen geht,ist classisch. Und auch er sagt uns, daß die Berichte über massen-hafte Völlerei in ihrer Armee ihm von allen Seiten zu Ohren ge-kommen. Auch mag er recht haben, wenn er dies als einen Be-weis anführt, daß der gemeine Soldat nicht willig ins Feld zog.