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Paris gebraucht, um den schlummernden Geist des Uebermuths zuentfesseln. Ollivier selbst ist das getreue Spiegelbild jener allesmit sich fortreißenden Fluth. Thatsächlich mit friedfertigen Ab-sichten zur Macht gelangt, noch an dem Tage der AbdankungHohenzollerns überzeugt, daß der Conflict vermieden sei, ergriffihn, sobald er den bacchantischen Ausbruch von Paris und dessenWirkung auf Frankreich gewahr ward, der allgemeine Taumel;auch er sah sich im Geiste schon auf irgendeinem hohen Balcon,umrauscht von Fahnen und Musik, seinen Theil am Ruhm undVerdienst der heimkehrenden Sieger ernten. Am K. Juli schrieb erjenen in den kaiserlichen Papieren vorgefundenen Rapport, der,noch zwischen einem gewissen Bangen vor dem Friedensbruch unddem Vorgefühl der unwiderstehlichen Uebermacht der nationalenKriegslust schwankend, schon ahnen läßt, auf welche Seite er fallenwird: „Die Gramont'sche Erklärung hat große Aufregung undungeheuren Beifall hervorgerufen. Selbst die Linke, mit geringenAusnahmen, hat sich für das Gouvernement erklärt. Die Bewegungdrohte sogar im ersten Augenblick übers Ziel hinauszuschießen.Man konnte denken, es handle sich bereits um eine Kriegserklärung.Doch durfte ich nicht zugeben, daß man uns als mit VorbedachtKrieg wollend ansehe. Auch im Publicum ist Aufregung, aberdiese Aufregung ist edel und patriotisch. Ja, dies Volk hat dasHerz auf dem rechten Fleck. II ^ a äu oosur äans es psupls."Damals schon der Stromschnelle nahe, die ihn fortreißen sollte,wehrt er sich noch mit einem Arm. Zehn Tage später bethört,trunken wie alle, schreit er: „Mit leichtem Herzen gehen wir indiesen Krieg hinein!"
Die oberen und mittleren Schichten der Pariser Gesellschaft, ob-gleich ihrer Stellung und Bildung nach verantwortlicher, betrugensich frivoler und leichtsinniger als das Volk. Wie Ollivier sich