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Zur Naturgeschichte des französischen Krieges / Ludwig Bamberger
Entstehung
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Von Saigon bis Singapur war es vor Renommiren undJul'iliren uicht auszuhalten. Wie wir in Singapur aukamen, gingich ans Land und hörte von den ersten deutschen Siegeu. Ich ließuichts verlauten, als ich aufs Schiff zurückkam, aber die Franzosenmochten auch etwas vernommen haben und singen an, spitze Be-merkungen einzustreuen, über die Preußen und die Deutschen zuschimpfen und mir das Leben sehr unbehaglich zu machen. Sokamen wir nach Suez und dort erfuhren wir die Kapitulation vonSedan. Nun brach aber die Wuth gegen Deutschland so gewaltiglos, daß mir anfing, für mein Leben bange zu werdeu und das Essenam gemeinsamen Tisch mir geradezu unmöglich wurde. Ich er-klärte dem Capitän, daß ich lieber den Rest meines Fahrgeldes bisEngland verlieren als länger an Bord bleiben wolle, da ich dereinzige Deutsche auf dem Schiffe sei, er selbst müsse einsehen, wie be-denklich meine Lage geworden. Der Capitän, ein Ehrenmann, beschwormich, ihm das nicht anzuthun, ich stehe unter seinem Schutz und erwerde mich zu vertheidigen wissen. So blieb ich; aber kaum warenwir wieder in See, so bereute ich es bitter. Das Toben gegendie Deutschen mit persönliche,: Anzüglichkeiten auf mich wurdeschlimmer als je und das Einschreiten des Capitäns blieb frucht-los. Mehrfach erhielt er zur Antwort, in Frankreich sei jetzt dieRepublik erklärt und man habe sich auch von ihm nichts mehr be-fehlen zu lassen. Auf deu Kaiser wurde maßlos geschimpft, ebensowie in Saigon ihm Vivats ausgebracht worden waren. Als wirglücklich in Alexandria ankamen, hatte ich die Sache überdrüssig. Trotzwiederholten Einspruchs des braven Capitäns ließ ich mein Fahr-billet für den Rest der Reise uutergehen und bestieg den englischenDampfer."