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Losung war, daß die Franzosen in den drei Schlachten vom 4. und6. Aug. unendlich viel ruhmreicher gefochteil als die Deutschen.Damit Niemand daran zweifle, ward beschlossen, dem MarschallMac Mahon einen Ehrendegen auf Nationalsubscription zu widmen.Allgemeiner Beifall. Alle Zeitungen legen Listen auf. Gewiß,nun waren die Deutschen beschämt. Darüber kamen die Schlachtenum Metz heran. Der echte Franzose zweifelt noch heute nicht, daßes drei Siege für feine Landsleute waren. Damals galt dieß fürausgemachte Sache. In diese Zeit fällt die vielleicht merkwürdigsteFabel der ganzen Reihe; es ist die Sage von den Steingrubenvon Chaumont . Als ich Ende Septembers mit den ersten Fran-zosen in der Schweiz zusammenkam, war eine der ersten an michgerichteten Fragen stets: Wie es sich denn des genaueren mit den„Carrisres de Chaumont" verhalten habe? Anfangs verstand ichdie Frage nicht. M hatte aber damit folgende Bewandtniß.
Um die Zeit, da jene Schlachten vor Metz geliefert wurden, verbrei-tete sich eines Morgens in Paris die Nachricht, große preußische Truppen-massen seien von Bazaine absichtlich, auf ein Terrain gelockt worden,das sich rückwärts von den Steinbrüchen von Chaumont in jenerGegend ausdehne. Der Marschall nun habe dieses Erdreich künst-lich aushöhlen und mit Balken stützen lassen. Wie also die Preußen,nichts Böses ahnend, aufmarschirt waren, fingen die franzö-sischen Kanonen an, auf die stützenden Balken zu feuern, uud imMoment stürzte die ganze preußische Truppenmasse in den Abgrund,wo sie durch den Fall und die Kanonen zu Brei zermalmt wurden.Die Angaben der da Geopferten schwanken zwischen der bescheidenenZiffer von 20,000 und dem etwas angezweifelten Maximum von100,000. Aber daß die Blüthe der deutschen Jugend da kläglichzu Grunde ging, ist gewiß. Ich habe leider immer vergessen, zufragen, ob es etwas gibt, was den Namen „Steinbrüche von Chau-