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nicht. Finstere Zweifel bemächtigen sich der Menge. Plötzlichbricht der Unwille über die geahnte Täuschung aus, begleitet vondem entsprechenden panischen Schrecken unter den Börsenleuteu.Es entwickelt sich eine Scene der Wuth und der Verwirrung ohneGleichen. Wilde Volkshaufen brechen herein, alles vor sich her-treibeud oder niederwerfend. „Verrath, Verrath!" schreit es auchhier. Doch wer soll der Verräther sein? Lynch ist nicht langeverlegen um einen Thäter. Der erste beste genügt ihm. Diesmalsind es die Wechselagenten, die selbst mit am meisten Gefoppten.Das eiserne Gitter, welches ihren Platz umgibt, wird niedergerissen,ihre Sitze und Pulte werden zertrümmert. Sie müssen fliehen, umnicht persönlich mißhandelt zu werden. Die Behörde, auf den Ge-daukeugang der Massen eingehend, verspricht dem großen Verbrechernachzuspüren, um ihn zur Recheuschaft zu ziehen, als wenn jemandanders als die nationale Thorheit das Verbrechen ermöglicht undbegangen hätte!
Der Bewohner einer Vorstadt erzählte mir: Ich hattezu Hause das vage Gerücht, von einem großen Triumph ver-nommen, werfe mich rasch in einen Wagen und fahre nach demBoulevard. Wie ich dahin komme, sehe ich nur noch vereinzelteFahnen, hie und da eine, die gerade ins Fenster zurückgezogen wird.Ich verstehe nichts von dem, was vor meinen Augeu vorgeht, undwende mich verlegen an eine Frau um Erklärung. „Ach, meinHerr", sagt sie wüthend, „welche Schändlichkeit! Das ist wiederder Bismarck, welcher uns diesen infamen Streich gespielt hat!"(di'sst snovrs es Lismarok Mi nous a. Mis es tour inkg-ms.) Diesepaar Worte enthalten eine ganze Fundgrube von Geschichtserklärung.
An den zwei folgenden Tagen kamen die Hiobsposten. DieNiedergeschlagenheit war groß, aber nicht von langer Dauer. Eskamen bald die berühmten Plane Bazaine's in Schwung, und die
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