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öffentlicht. Stets wurde sie möglichst lange verborgen gehalteilund dann unkenntlich gemacht. Geben wir in diesem Punkt einemunverdächtigen Zeugen das Wort. Der republikanische HistorikerLanfrey , gewiß nicht der Anhänglichkeit an die Bonapartes ver-dächtig, schreibt Anfangs Iauuar in der „Gazette du Peuple" vonChambörh: „Man sagt nicht dem Lande die Wahrheit, man hat sie ihmniemals gesagt über uusere eigene Lage. Nur aus den fremden Jour-nalen haben wir stets die Nachrichten erfahren, die zu kennen füruns am wichtigsten war. Nur von ihnen erfuhren wir der Reihenach die Kapitulationen von Toul, Verdun, Schlettstadt , Neubrei-sach, Lafsre, Amiens, Thionville, Nouen, Dieppe , Montmödv undPfalzburg. Drei Tage bereits kannte ganz Europa die traurigeCapitulation von Metz, und uns unterhielt man noch mit denruhmvollen Ausfällen des Marschalls Bazaine . Man hat uns Aus-fälle aus Paris erzählt, die nie anderswo als auf dem Papierexistirt haben; man hat Truppen auf geographischen Punkten sigu-riren lassen, wo sie nie erschienen sind. Und war man einmal ge-zwungen, einen Theil der Wahrheit einzugestehen, so trug manSorge/ sie vorerst den sonderbarsten Umgestaltungsproeeduren zu unter-werfen. Ja, das wird eines Tages ein curioses Studium sein vomStandpunkte der Geschichtsschreibung, diese Bülletins nämlich nach-zulesen, welche eingeleitet wurden mit der famosen Legende von dendrei Särgen."
Diese Legende verdient in der That neben der von den Stein-brüchen von Chaumont aufbewahrt zu werden. Wenn man einemFranzosen auf die Frage über die Steinbrüche zu verstehen gegebenhat, daß man ihm gar keinen Aufschluß zu ertheilen vermöge, soresignirt er sich schließlich dahin, eine zweite Frage zu stellen: Undwie war es mit den drei Särgen? War daran auch nichts? —Von dieser Legende ist mehr nach Deutschland gedrungen als von