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Die Reichstags-Verhandlungen über Münzreform und Bankwesen : (24. u. 25. Febr. 1880) / hrsg. und eingel. von Ludwig Bamberger
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verdiente gleich schwer ins Gewicht zn fallen. Ich kann diese Autorität um soweniger in Anspruch nehmen, als ich ganz außerhalb des praktischen Verkehrsmit diesen Dingen seit mehr als 10 Jahren stehe und nur das vernehme, wasmir von außen zugetragen wird, so daß ich meine Erfahrungen hier legislativzu verwerthen im Stande bin. Was ich selbst an Material zu sammeln imStande bin, ist mehr theoretischer Natur. Nur die Autorität verlange ich inAnspruch nehmen zu dürfeu, daß ich einigermaßen kompetent bin, wo es sichdarum handelt, eine Meinung zu äußern über den Sinn, in dem wir unsereBank- und Münzgesetzgebung ihrer Zeit geschaffen haben, eine Arbeit, an derin erheblichem Maße mitgewirkt zu haben mir stets zu einer der angenehmstenErinnerungen meines Lebens gehören wird und in der ich auch damals bis zurjüngsten Zeit, wo unser Verkehr unterbrochen wurde, beinahe in allen Dingenmit dem Herrn Baukpräsidcnten in Uebereinstimmung zu wirken das Vergnügenhatte. ES kommt mir mancherlei zur Kenntniß, weil ans den verschiedenstenTheilen Deutschlands diejenigen, die wissen, daß ich mich fortwährend mit diesenDingen beschäftige, mir ihre Mittheilungen machen, uud wenn ich den Gegen-stand hier zur Sprache brachte, so war es erstens deshalb, weil er in Verbindungmit der Münzfrage, die gestern diskutn-t wurde, nothwendig erwähnt werdenmußte, zweitens, weil ich überzeugt war, daß, wenn ich es nicht thäte, vonanderer Stelle jedeufalls dieselbe Frage hier augeregt werden würde und ich vorAllem den Zweck erreichen wollte, der zum Theil bereits heute erreicht wordenist, daß der Chef der Bank selbst hier erscheine und die verschiedenen Auslegungen,die theils etwas beunruhigend wirken, theils zu Verstimmungen und KlagenAnlaß geben, hier im Hause bespreche und dadurch vor ganz Deutschland zurAufklärung bringe. Keine andere Absicht hat bei mir obgewaltet und ich glaubeauch auf die einzelnen Gesichtspunkte, die er heute vorgebracht hat, näher ein-gehen zu müssen, damit eine Klärung, soweit möglich, erzielt werde. Ich binallerdings darin nicht mit dem Herrn Präsidenten der Reichsbank einverstanden, daßes, wie er vorhin sagte, angezeigt war, eine gewisse Konkurrenz, die sich in demAufnekmen von diskontirbaren Papieren in Deutschland gezeigt hatte, durch dieReichsbank aus dem Felde schlagen zu lassen. Wenn ich den Herrn Bank-präsidentcn richtig verstanden habe, so denkt er hier wesentlich an fremde Bank-institute. Mir ist mitgetheilt, daß die belgische und die österreichische Bank,die Ueberfluß an verfügbarem Kapital hatten, Geld in Deutschland zur Diskou-tirung von Wechseln veranlagen und daß dies ein gewisses Aergerniß, einen ge-wissen Anstoß bei unserer Reichsbank hervorrief, so daß sie sich sagte, lieberwill ich dies Geschäft machen, welches die fremden Banken machen. Ich binnicht damit einverstanden, daß die Reichsbank den Zweck hätte, Kapitalien, diesich dem deutschen Markt in solcher Weise anbieten, daß sonst keine Gefahrendamit verbunden sind, zurückzustoßen. Mein Gedanke bei Schaffung einer Bankwar der, welcher, wie ich glaube, obwaltet bei der Kreirnng aller großen Staats-banken: eine Reserve, einen letzten Rückhalt für die Kapital- und Geldbewegungdes Landes zu schaffen. Wir haben eine Bankaktiengesellschaft gegründet, nichtdamit etwa eine gewisse Anzahl Aktionäre gute Dividende bekommen. (Sehrrichtig! im Centrum.) Das war durchaus nicht die Absicht, sondern wir habendeu Aktionären nur die Gelegenheit gelassen, aus der früheren Zeit, aus derpreußischen Bauk in die deutsche überzugehen; wir haben auch wesentlichnuscre Aufmerksamkeit darauf gerichtet, deu EmissionskurS dieser Aktien schondamals nicht hoch zu normiren, damit auch keine moralische Verantwortungseitens des Reiches geschaffen werde, besonders hohe Erträgnisse bei dieser Bankzu erzielen. Wenn die Aktien gesticgeu sind, ist das Sache der Erwägung dereinzelnen Aktienbesitzer, der Geldbewegnng; aber wir als Reich, die wir die Bank