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Die Reichstags-Verhandlungen über Münzreform und Bankwesen : (24. u. 25. Febr. 1880) / hrsg. und eingel. von Ludwig Bamberger
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in die Welt gesetzt und unter die Aussicht des Reichskanzlers als Chefsder Reichsverwaltung gesetzt haben, wir wollen nicht, daß der Bankdirigent alseigentlichen Gegenstand seiner Bemühungen ins Auge fasse, möglichst hohe Di-videnden für seine Aktionäre zu erzielen. Die Aufgabe der Reichsbank ist, wiees im Gesetz heißt: für die Regelung des Geldverkehrs zu sorgeu, und wiees an zweiter Stelle allerdings mit aus der alten Bestimmung herübergenommenwurde, auch für fruchtbare Anlegung der Kapitalien zu sorgen, aber nicht fürdie fruchtbare Anlegung der Kapitalien der Aktienbesitzer.

Meine Herren, was haben wir gethan? Wir haben im Widerstreit miteiner weit verbreiteten Meinung in Deutschland die Organisation der Reichs-bank so angelegt, daß sie bereits dreiviertel eines Monopols der Emission vonPapiernoten in Deutschland hat. Wir haben die Sache ferner darauf angelegt,daß in gegebener Zeit das gesammte Monopol der Ausgabe von fiktiven Werth-zeichen, von Papiergeld dieser Reichsbank zufallen sollte. Haben wir das etwain der Absicht gethan, daß diese Fähigkeit, Papiergeld zu emittiren, ausgenutztwerde, um möglichst hohe Beträge in Dividenden damit zu erzielen? Durch-aus uicht! Der Sinn einer Reichsbank mit dem Recht der Emission von fiktivenZeichen, von Anweisungen, die ans Präsentation wieder einzukassiren sind, istnur der, ein elastisches Hilfsmittel vorzubereiten, welches dem Verkehr nachhelfenkann, wo ein wirkliches Bedürfniß besteht.

Der Beruf der Emissionsthätigkeit der großen Centralbank eines Staatesliegt darin, daß sie nur dann eintritt, wenn keine anderen Mittel aus demnatürlichen Verkehr sich bieten und weil wir diese Elastizität selbst außerordent-lich vorsichtig organisiren wollten, ist auch durch die verschiedenste» Apparatedie Emissionsfähigkeit so eingeschränkt worden, daß sie sich nicht allzu frei be-wegen kann. Wenn dieser Apparat, welcher wesentlich nur sür Eventualitäten zusorgen hat, nur subsidiärer Art ist, wenn der dazu bestimmt würde, pi'iino loeoein Zinsen- und nutzbringendes Kapital zu schaffen in Form von Papiergeld,so würde die eigentliche Absicht, aus der die Schaffung einer monopolisirtenReichsbank hervorgegangen ist, über ihren Zweck hinaus ausgedehnt und dasInstitut verlöre in dem Maße an Sicherheit, als es darauf ausginge, großeDividenden für seine Aktionäre zu erzielen. Aus der Erklärung, die der HerrBankpräsident selbst soeben gegeben hat, schien mir auch ganz deutlich hervor-zugehen, daß er aus einem Beweggrund, den ich ihm ja gar nicht verarge,dem Impulse folgt, der ihm zuruft: warum sollen fremde Banken das Geldverdienen, das meine eigene Bank verdienen kann?" Meine Herren, für dieSolidität fremder Banken haben wir aber nicht zu sorgen. Wir haben dafürzu sorgen, daß unsere eigene Bank möglichst solid sei, daß sie namentlich nureine Reserve bilde für die Fälle, wo der Verkehr nicht selbstthätig eingreifenkann. Das hat aber auch die Bedeutung, daß durch jede fortgesetzte Manipu-lation, welche den bisher selbstthätig auf den Kapitalmarkt wirkenden Kreditzurückscheucht und in andere Gebiete drängt, eine Störung hervorgerufen wird,welche sich im gegebenen Falle als sehr schädlich erweisen kann. So lange dasPrivatkapital bereit ist, Kredit zu geben, ist meiner Ansicht nach die Reichsbankauf die Reserve angewiesen und wie ich nicht blos gestern, sondern schon zufrüherer Zeit bei Diökntirung des BankgesetzeS gesagt habe, der Grundcharaktereiner großen Centralbank mit Notcnemissionsrecht, ist nicht, daß sie den Ge-schäften nachgehe, sondern daß sie ruhig warte, bis daß man zu ihr kommtnnd von ihr Hilfe verlangt. Der Herr Reichsbankpräsident hat uns selbst soebeneingeräumt, daß im einzelnen Falle, wo ein eine Filiale dirigirender Vertretersich mit besonderer Anstrengung bemüht habe, Papiere zu diskontiren unter denBanksatz, er dies gemißbilligt habe. Ich glaube, daß der Gesammtverkehr diese